Die Tiere sind mancherortes in der Landwirtschaft eine Plage

© APA/dpa/Fredrik von Erichsen

Chronik Niederösterreich
11/14/2019

Kehrtwende in NÖ: Nachtsichtgerät zur Wildschweinjagd erlaubt

Der nö. Landesjagdverband gibt seine abneigende Haltung auf. Die Gesetzesnovelle soll schon nächste Woche kommen.

von Patrick Wammerl, Jürgen Zahrl

Durch ihre stark wachsende Population und Gefräßigkeit gelten Wildschweine mancherorts als regelrechte Plage, vor allem in der Landwirtschaft. Dennoch galt der Einsatz von Hightech-Waffen wie Nachtzielgeräten zur Dezimierung der Tiere bisher als schwer verpönt. Der nö. Landesjagdverband erteilte den Rufen nach der gesetzlichen Freigabe solcher Geräte eine jahrelange und strikte Absage. Auch noch im heurigen Sommer.

Nun gibt es in der Causa eine völlig überraschende Wende. Wie der zuständige ÖVP-Landesrat Stephan Pernkopf, ÖVP-Klubobmann Klaus Schneeberger, SPÖ-Klubobmann Rainhard Hundsmüller und Niederösterreichs Landesjägermeister Josef Pröll am Donnerstag gegenüber dem KURIER bestätigten, gibt es eine breite Einigung für eine entsprechende Novellierung des NÖ Jagdgesetzes.

Bereits in der Landtagssitzung kommende Woche soll die Freigabe von Nachtzielgeräten zur Bejagung von Schwarzwild beschlossen und damit legitimiert werden - zunächst befritste auf drei Jahre und unter besonderen Auflagen. Beispielsweise muss der Jagdleiter dem Einsatz schriftlich zustimmen und der Jäger bereits drei Jahre lang eine Jagdkarte gelöst haben.

Daher ist es auch nicht mehr überraschend, wieso der nö. Landesjagdverband erst vor wenigen Tagen in einer Aussendung massiv vor der steigenden Wildschwein-Population und den damit verbundenen Risiken für Mensch und Tier warnte. Auch auf die Gefahren durch die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest wurde eindringlich hingewiesen. "Ich war auch lange Zeit gegen die Freigabe von Nachtzielgeräten. Legal zu kaufen gibt es die Geräte aber ohnedies seit langer Zeit. Wegen der starken Population wollen wir jetzt auch flächendeckend die neue Technik einsetzen", so Pröll.

Wildschweine zählen zu den sogenannten „income-breeders“. "Das heißt, je mehr Nahrung sie aufnehmen können, desto mehr Nachwuchs gibt es", sagt Pröll.

Sorge bereitet den Politikern vor allem die Afrikanische Schweinepest, die in Osteuropa wütet und auch auf Hausschweine Auswirkungen hat. "Ein einziger Fall kann die gesamte Schweineproduktion in Niederösterreich lahm legen. Nachtsichtgeräte sind auch schon in Deutschland zugelassen. Deshalb ist es auch wichtig, dass wir den technischen Fortschritt erlauben", sagt Pernkopf.

Die Tiere vermehren sich rasant. Eine Bache (weibliches Schwein, Anm.) kann bis zu zehn Frischlinge zur Welt bringen. Mit acht Monaten sind die Tiere bereits geschlechtsreif.

20.000 Abschüsse im Vorjahr

In Niederösterreich wurden 2015 und 2016 jeweils rund 20.000 Stück pro Jahr erlegt. Im Jahr 2017 haben die Witterungsverhältnisse zu einer rekordverdächtigen Abschussstrecke geführt, hier wurden 26.000 Stück Schwarzwild erlegt, bevor 2018 diese Zahl wieder auf 20.100 zurückgegangen ist.

Weil Wildschweine äußerst scheu, listig und vorwiegend nachtaktiv sind, ist die Bejagung eine enorme Herausforderung. Da die Tiere oft nur bei gutem Mondlicht nachts bejagt werden können, wurde von der Jägerschaft immer wieder die Freigabe von Nachtsichtgeräten gefordert. Die ablehnende Haltung des Landesjagdverbandes resultierte bisher daraus, dass "die Nacht ist derzeit die einzige Tageszeit ist, zu der Wildtiere noch vergleichsweise ungestört ihrem natürlichen Verhalten und ihren Bedürfnissen nachkommen können", so die bisherige Argumentation.

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