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Chronik Niederösterreich
08/12/2021

Wiener Neustädter Innenstadt bleibt noch wochenlang im Funkloch

Ansuchen für neuen Sendemast der A1-Telekom erst diese Woche im Rathaus eingebracht. Die Betroffenen verlieren die Nerven.

von Patrick Wammerl

Das Problem ist hausgemacht. Seit zwei Jahren weiß man bei der A1-Telekom, dass man den Handy-Funkmast für die Wiener Neustädter Innenstadt abbauen muss. Ein Ersatzstandort wurde allerdings in dieser Zeit nicht gefunden. Seit mittlerweile sieben Wochen heißt es nun für alle A1-Kunden rund um den Wiener Neustädter Hauptplatz „Kein Anschluss unter dieser Nummer“, auch die Datenleitungen sind beeinträchtigt. Geschäftstreibende, Büroangestellte und Bewohner sind wegen des Funklochs mittlerweile mit dem Telefonanbieter im Clinch. Und die nächsten Wochen ist keine Besserung in Sicht. Denn wie aus dem Rathaus zu erfahren war, hat der Telekommunikationsriese erst am Montag das Ansuchen zur Errichtung eines neuen Sendemasts abgegeben.

Vor zwei Jahren hat die Wiener Neustädter Sparkasse die Telekom das erste Mal darauf aufmerksam gemacht, dass der Funksender auf dem Dach der Bank verschwinden muss und der Vertrag nicht verlängert wird. Nachdem die Bank kulanterweise immer wieder die Frist verlängerte, musste A1 den Sender schlussendlich im Juni abbauen.

Verfahren hat Vorzug

Ein Ersatz-Standort wurde auf dem Hochhaus in der Adlergasse allerdings erst kürzlich gefunden. Das Gebäude gehört der stadteigenen Tochterfirma IFP. Bis dort der neue Sender in Betrieb geht, werden zum Leidwesen der Kunden aber noch Wochen vergehen. In der Regel dauert das nötige Bauverfahren etwa drei Monate. Im Rathaus wird man sich bemühen, die Angelegenheit wegen der Brisanz prioritär zu behandeln, heißt es dort.

Vielen Kunden ist der Geduldsfaden aber mittlerweile gerissen. So wie Unternehmer Jürgen L., der ein Institut auf dem Hauptplatz betreibt. Seit Juni ist telefonieren und die Datenübertragung im Büro unmöglich. Nach mehr als acht Beschwerden bei Servicemitarbeitern des Mobilfunkanbieters ist ihm der Kragen geplatzt. „Es ist ein Horror. Ich habe mehrmals urgiert, nach zehn Tagen dann einen Rückruf bekommen. Man hat mir schließlich angeboten, eine Hausantenne für ein verstärktes Handysignal zu installieren. Aber halten Sie sich fest: Ich hätte die Kosten dafür selbst tragen sollen“, wettert Jürgen L.

In den Kanzleien, Büros und Geschäften in der Innenstadt weiß man von unterschiedlichen „Lösungen“ zu berichten. Manche Kunden hat das Unternehmen nach zahlreichen Interventionen Gutschriften zugesprochen oder die Grundgebühr für mehrere Monate erlassen. „Das ist wohl das Mindeste. Aber wie schafft es ein Unternehmen dieser Größenordnung keinen Ersatz-Funkmast zeitgerecht aufzustellen? Ich bin echt fassungslos“, sagt Jürgen L.

Kein Funkwagen

Laut Telekom gestaltet sich die Suche gerade in innerstädtischen Lagen als sehr schwierig, da die physikalisch geeigneten Standorte sehr rar seien. Dazu komme eine hohe Dichte an Stahlbetonbauten, die die Lage noch verschärfe. Man bedauere die Situation und arbeite derzeit „mit Hochdruck an einer Lösung“, sagt Unternehmenssprecherin Livia Dandrea-Böhm.

Ein mobiler Funkwagen, wie er von Fachleuten als Überbrückung vorgeschlagen wurde und auch bei Großveranstaltungen, Konzerten etc. von A1 eingesetzt wird, war bisher für das Unternehmen kein Thema.

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