© Marlene Penz

Ausnahmeregelung
01/02/2021

Die Heiligen Drei Könige ziehen auch im Lockdown um die Häuser

Weil sie einer „unaufschiebbaren berufliche Tätigkeit“ nachgehen, dürfen sie unterwegs sein. Der KURIER war mit dabei.

von Marlene Penz

„Wir Sternsinger gehen von Haus zu Haus und rufen die Frohe Botschaft aus. Wegen Corona dürfen wir heuer nicht singen, wollen aber trotzdem den Segen Gottes bringen.“

Und die drei Könige rufen sie wirklich, denn zwischen ihnen und den Menschen in ihren Haustüren bleiben zwei Meter Abstand. Trotzdem fällt es schwer, zu verstehen, was sie sagen, der Mundschutz macht das nicht einfacher.

„Schön habt’s gesungen“, sagt etwa eine Frau zu der Gruppe in Zwettl. Entweder es war wirklich so schlecht zu hören oder dieser Satz kommt einfach über die Lippen, genauso einstudiert, wie normalerweise das Lied der Kinder.

In dieser Weihnachtszeit ist wirklich alles anders. „Wir sind froh, dass wir überhaupt gehen können“, betont die Organisatorin und Corona-Beauftragte der Sternsingeraktion in Zwettl (NÖ), Schwester Karina Beneder von den Franziskanerinnen. Organisatorisch war es eine Herausforderung. Die Einteilung geschah online, 90 Kinder und 28 Begleiterinnen und Begleiter sind elf Tage lang unterwegs. „Sonst sind es immer sechs. Da wir aber im Pfarrheim in Schichten die Kleidung ausgeben, dauert alles etwas länger“, erklärt sie, während sie Alexa Barth (14) in Melchior – ohne schwarzes Gesicht – und ihre Zwillingsschwester Nina in Balthasar verwandelt.

Die Gruppen kommen gestaffelt. Eine um 7.50 Uhr, die nächste um 8.10 Uhr und so weiter. Alles ist genau eingeteilt, damit sich nicht zu viele Personen treffen. Das ist Teil des „Deals“, damit die Aktion trotz Lockdowns stattfinden kann. Es gilt wie schon beim Nikolo eine Ausnahmeregelung der Regierung. Die Sternsingeraktion fällt unter „unaufschiebbare berufliche Tätigkeit“ für die es ein eigens ausgearbeitetes Hygienekonzept gibt – das beinhaltet auch das Schminken.

„Das ist nicht erlaubt“, sagt Chiara Redl (9), die bereits eine erfahrene Sternsingerin ist. Heuer ist ihr drittes Mal als Caspar. Bevor es losgeht, sucht sie nach ihren Handschuhen, die sind wichtig. Sie trägt heuer nämlich den Stern. „Normalerweise ist noch ein Sternträger mit, aber wir dürfen nur zu viert sein“. Auch das steht im Hygienekonzept. Die vierte Person ist ihr Vater Hermann. Er übernimmt die Rolle der Begleitperson, als diese die Aufkleber für die Türen bzw. alternativ die Kreide, um das C+M+B um die Zahl 21 zu erweitern.

Kontaktlose Übergabe

„Ich habe für uns alle etwas zu Trinken mit“, sagt er zu den drei Mädchen, die nicht mehr wiederzuerkennen sind in den königlichen Gewändern und mit Mund-Nasen-Schutz. Praktisch nur noch die Augen sind zu sehen – aber das nur, wenn ihre Brillen nicht anlaufen. Dieses Leid, das den brillentragenden Königen aus vergangenen Jahren, ob des ständigen Wechsel zwischen drinnen und draußen, bekannt ist, werden sie nicht los. „Losgeworden“ sind sie den Wechsel, heuer gibt es nur draußen. „Letztes Jahr ist dem Sternträger im Altersheim schwindelig geworden, sodass er in die Knie ging und sich nur mehr am Stern festgehalten hat“, erzählt Chiara. Das könne ihr heuer nicht passieren, witzelt die Gruppe. Und läutet an der nächsten Tür.

Davor wird die Kassa – eine Kaffeedose – platziert. Obendrauf ein Flyer, mit dem erklärt wird, dass die Spende die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar unterstützt, und der Aufkleber für die Tür. Wenn sich diese öffnet, überbringt die Sternsingerschar ihre Botschaft. Die, die öffnen freuen sich, holen Geld und fragen: „Da rein?“. Aber auch: „Ist die Katze jetzt hineingelaufen?“ oder „Darf man euch auch was Süßes mitgeben?“ Das darf man. „Originalverpackt bitte.“ So werden die Gummischlangen, Kekse und Zuckerl auf die Kassa oder daneben gelegt.

Frau Schimani sagt, dass sie die Kinder normalerweise hereinbitten würde, aber „so passt es auch. Es ist Tradition und schön, dass es wenigstens so geht.“ Das ist der Tenor bei allen, die öffnen. Manche finden lobende Worte, wie Cornelia Höllmüller, ihre Tochter ist selbst zum Sternsingen unterwegs: „Es ist wirklich alles gut durchdacht und organisiert, von der Regierung war bisher noch nichts so gut geplant, wie diese Aktion von der Kirche.“

Abgesagt

Auch die drei Mädchen freuen sich. „Es ist zwar schade, dass wir nicht singen, aber mir macht es Spaß und ich bin froh, dass wir gehen können“, sagt Chiara. Das ist nicht in allen Pfarren so. In manchen kommen die Sternsinger in diesem Jahr nicht. „Jede Pfarre hat es selbst organisiert. Manche haben zuerst geplant, dass sie an bestimmten Plätzen singen für mehrere Haushalte, aber das war dann sowieso hinfällig“, erklärt Schwester Karina.

Singen im Chor

Sie selbst habe lange hin und her überlegt, wie es funktionieren könnte und sich auch das Sprücherl als Ersatz für das Singen ausgedacht. „Wenn der Erlagschein zum Spenden nur mit der Post kommt, dann verschwindet er ganz schnell mit allen anderen im Müll“, sagt Hermann Redl. Und so stimmt er in den (Sprech)-Chor der Mädchen mit ein: „Gesundheit und Friede im neuen Jahr wünscht euch die Sternsingerschar.“

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