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Chronik Niederösterreich
08/10/2020

Niederösterreichs Kampf mit den Pendler-Parkplätzen

199.900 Personen pendeln pro Werktag von Niederösterreich nach Wien, 65 Prozent davon mit dem Auto.

von Theresa Bittermann, Teresa Sturm

Als die Schwechater Bürgermeisterin, Karin Baier (SPÖ), das Transparent, das auf die maximale Parkdauer von 24 Stunden hinweist, am Bahnhof in Kaiserebersdorf entdeckt, freut sie sich. Flugreisende blockieren nämlich oft während ihres Urlaubs die Parkplätze entlang der Zugstrecke zum Flughafen – auch in Schwechat. Durch den Hinweis auf die 24 Stunden erhofft sie sich Entspannung im Parkplatz-Ringen – auch in ihrer Gemeinde.

Auf KURIER-Nachfrage stellt sich aber heraus: weder die ÖBB noch der Wiener Bezirk Simmering, in dem Kaiserebersdorf liegt, haben das Transparent angebracht. „Eine Begrenzung der Parkdauer auf 24 Stunden wäre mir neu“, sagte ÖBB-Sprecher, Christopher Seif. Auch Simmeringer Bezirksvorsteher Paul Stadler (FPÖ) weiß nichts von einer solchen Regel oder dem Transparent. Woher der großflächige Hinweis kommt, blieb also vorerst unklar.

In Schwechat (Bezirk Bruck an der Leitha) jedenfalls wird die Park-&-Ride-Anlage demnächst um 170 Stellplätze erweitert. Neben Flugreisenden sind es dort auch Berufspendlerinnen und Pendler, die für eine angespannte Parkplatzsituation sorgen. Viele würden laut Baier dort parken und mit dem Zug weiterfahren.

Dass das Auto in der Stadt nicht für alle die erste Wahl ist, sieht man täglich am Parkplatz des Schwechater Bahnhofs. „Bei uns beginnt die 100er-Zone. Viele nutzen das aus und steigen hier in die Öffis um“, sagt Baier. Der VCÖ hat vor einigen Jahren erhoben, dass dort, wo öffentliche Verkehrsmittel ausgebaut wurden, der Autoverkehr abgenommen hat und viele auf den Zug umgestiegen sind.

Modelle in Prüfung

In Schwechat werden zur Zeit Parkraum-Konzepte erarbeitet, bis Sommerende sollen sie vorliegen. Baier kann sich Verschiedenes vorstellen. Eine grüne Zone (Dauerstellplätze), eine Erweiterung von blauen Kurzparkzonen oder auch Zeitbeschränkungen ohne Gebühr. Festlegen will sie sich noch nicht.

18.450 Menschen pendeln laut Land NÖ täglich mit Auto, Moped oder Motorrad aus dem Bezirk Bruck an der Leitha Richtung Wien. Nur ein niederösterreichischer Bezirk kann diesen Wert toppen: Im Bezirk Mödling sind es 45.950, die täglich ihre Motoren für den Arbeitsweg anwerfen.

Vor allem dort, wo ältere, große Wohnbauten sind, sei der Druck groß. In der Innenstadt sei es zeitabhängig. Dass es genug Abstellplatz auch für Einkäufer von außerhalb gibt, sei wichtig, sagt der Mödlinger Bürgermeister, Hans Stefan Hintner (ÖVP). In Mödling gibt es momentan zwei konkrete Ideen, wie man den Parkraum verändern könnte. Zum einen ein Parkleitsystem, „Leerplätze sollten auch gut genutzt werden. Aus Fahr-Gewohnheiten ist der Druck an manchen Orten groß, während anderswo Plätze freibleiben“, sagt Hintner. Zum anderen soll der Parkplatz im Bereich der Enzersdorfer Straße um ein begrüntes Parkdeck erweitert werden.

In Perchtoldsdorf könnte der Parkraum zum Aufreger werden, sollte im angrenzenden 23. Wiener Bezirk ein Parkpickerl kommen. Die Befürchtung ist die, dass dann Anrainer von Wien nach Perchtoldsdorf ausweichen. Ob eine flächendeckende Parkraumbewirtschaftung im 23. Wiener Gemeindebezirk Liesing überhaupt je kommt, ist derzeit allerdings unklar.

Bürgerbeteiligung für neues Parksystem

Im Zentrum der Stadtgemeinde Krems ist das Parkthema kein Neues. Immer wieder gab es Anläufe es grundlegend zu ändern oder Überlegungen für eine Tiefgarage, etwa am Südtirolerplatz im Stadtzentrum. Um ein neues Parksystem auszuarbeiten, geht die Stadt Krems nun einen neuen Weg. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sollen die Möglichkeit bekommen, ihre Ideen einzubringen.

Mitte März hat Reinhard Resch, Bürgermeister von Krems (SPÖ) wegen der Corona-Krise eine Verfügung erlassen. Dadurch wurde  die Parkraumbewirtschaftung in der „blauen Zone“ sowie in der „grünen Zone“   außer Kraft setzt. Seit 1. Juli ist die Gebührenpflicht in abgeänderter Form in Kraft getreten.   In Verbindung mit einem gültigen Parkticket kann in beiden Zonen eine Stunde gratis geparkt werden.

Doch auch dieses System soll nicht für die Ewigkeit sein. Eine Arbeitsgruppe  wird  sich ab Ende August damit befassen, eine neue Parkform zu erarbeiten. Dafür werden zwei interessierte Menschen aus der Stadt Krems gesucht, die sich mit dem Thema auseinandersetzen wollen.

Unterstützung

Wer dabei sein möchte, ein übersichtliches Parksystem zu erarbeiten, kann sich  bis 14. August beim Magistrat  unter  krems2030@krems.gv.at bewerben. Die Gruppe wird aus  Vertretern von Politik, Verwaltung, Stadtmarketing, Arbeiter- und Wirtschaftskammer und einem externen Berater bestehen, heißt es vonseiten der Stadt Krems. Die Arbeitsgruppe wird bis Jahresende einen Vorschlag für ein neues Parksystem vorlegen.

 

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