Mitglieder des Kameradschaftsbundes und Bürgermeister montierten das  Gipfelkreuz am Greinberg

© Stadt Scheibbs/Franz Schagerl

Chronik Niederösterreich
11/24/2021

"Das Kreuz mit dem Kreuz": Nicht nur geliebtes Gipfelsymbol

Zehnjährige Debatte um Kreuz am 846 Meter hohen Greinberg hat ein Ende.

von Wolfgang Atzenhofer

Zehn Jahre schlummerte das schwere, vier Meter hohe Lärchenholzkreuz im Stadl. Am vergangenen Wochenende wurde das Gipfelkreuz am Greinberg über der niederösterreichischen Kleinstadt Scheibbs endlich montiert. Lange und heftige Debatten waren vorangegangen.

Der 846 Meter hohe Berg am Ausläufer der Türnitzer Alpen, bis 1935 von einer schmucken Aussichtswarte gekrönt, soll sich nun wieder als Wander- und Ausflugsziel präsentieren. „Das war früher so und ist in den letzten 70 Jahren eingeschlafen“, sagt der Scheibbser Bürgermeister Franz Aigner. Das neue Gipfelsymbol wurde aus der Bevölkerung immer wieder gefordert, nachdem die Initiative eines Privatmannes zehn Jahren durch Querelen gescheitert war, so der Stadtchef. Ein Gemeinderat nannte sogar im letzten Wahlkampf die Kreuzinstallierung als sein Ziel. Am Wochenende rückte nun der Kameradschaftsbund zur Montage an.

Grundnachbarn und die Jägerschaft hatten sich vor zehn Jahren quergelegt. Die Jäger befürchten noch immer, dass es nun mit der Ruhe für das Wild im umliegenden Revier vorbei sein wird. „Wir haben als Grundbesitzer nun diesen Beschluss für das Kreuz gefasst. Wir werden natürlich auf die Wanderer einwirken, auf die Natur Rücksicht zu nehmen“, versichert Aigner.

Symbole am Gipfel

Die Kultur der Gipfelkreuze, die als Symbole des Glaubens, der Dankbarkeit oder als Machtsymbol der Erstbesteiger errichtet wurden, hat vor allem in den Ostalpen große Tradition. Dabei sind Kreuze in westlichen Bundesländern, wie jenes am 3.798 Meter hohen Großglocknergipfel zu nationalen Wahrzeichen geworden.

Doch gar nicht wenige Alpinisten, so wie auch Everest-Legende Reinhold Messner, lehnen diese Vereinnahmung der Natur durch Symbole, wie die christlichen Kreuze, auch ab.

„Das Kreuz mit dem Kreuz“, kann auch Simone Findeis, Vorstandsvorsitzende des NÖ Alpenvereins (37.000 Mitglieder) persönlich nachvollziehen. Die Alpinistin und Kletterin, die Mitglied im Österreichischen Alpenklub ist, steuert auf ihren Erstrouten fast nie die Gipfelkreuze an, sondern „andere Punkte am Berg, die besondere Anreize bieten“. Bei geführten Touren und bei Gruppenaufstiegen sei das Gipfelkreuz aber natürlich das klare Ziel.

Wie viele es davon allein in NÖ gibt, können Findeis, aber auch Ernst Dullnigg, der Geschäftsführer der NÖ Naturfreunde (32.000 Mitglieder) nicht sagen. „Es sind historisch gewachsene Zeichen, die einfach dazu gehören und niemanden wehtun“, meint Dullnigg. Klar müsse aber sein, dass Kreuze nie ohne Zustimmung der Grundeigentümer montiert werden dürfen, sonst droht Streit ums Friedenssymbol.

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