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Geschichten mit Geschichte
08/18/2020

Roda Roda: „Die paar Wochen wart ma halt noch“

Georg Markus über den Satiriker Roda Roda, der vor 75 Jahren starb.

von Georg Markus

Er war nicht nur ein begnadeter Satiriker, sondern auch ein großes Original. Er war Oberleutnant der k. k. Armee und veröffentlichte heitere Geschichten, auch übers Militär, worauf er seine Offizierscharge verlor. Roda Roda, der eigentlich Alexander Friedrich Rosenfeld hieß, war Kriegsberichterstatter, Drehbuchautor und Filmschauspieler. Sein berühmtestes Stück ist die Militärkomödie „Der Feldherrnhügel“. Aufsehen erregte seine Affäre mit der Schauspielerin Adele Sandrock. 1938 emigrierte Roda Roda in die Schweiz, 1940 nach New York, wo er am 20. August 1945 im Alter von 73 Jahren starb. Hier einige Beispiele für seinen Humor.

Roda Roda beschreibt eine Szene im alten Wien. Zwei Bürger blicken einem einsam über die Ringstraße zuckelnden Automobil nach. Da sagt der eine: „Wird aa wieder abkommen.“

„Die Ärzte sollen deutlicher schreiben“, forderte Roda, als er von einer jungen Dame hörte, die sich nach dreiwöchigem Kuraufenthalt beim Chefarzt bedankte: „Die dreißig Minuten Tanz pro Tag haben mich vom Ischias völlig geheilt.“

„Tanz?“, fragte der Arzt erstaunt. „Ich habe Ihnen doch Fango verschrieben.“

„Na sowas! Und ich hatte Tango gelesen.“

„Wenn ich noch einmal auf die Welt komme“, verkündete Roda, „suche ich mir einen Beruf aus, bei dem ich in Berlin wohnen, in Paris leben und in Wien essen kann.“

„Wann in Berlin a Künstler verhungert“, lässt Roda Roda einen Wiener sinnieren, „kümmert sich ka Mensch um eahm. Aber in Wien stengan Hunderte um eahm herum und sagen einmütig: ,Es müsset eigentlich was für ihn g‘schehn‘.“

Die Unterschiede zwischen Österreich und Italien definierte Roda Roda so: „Über Italien lacht der blaue Himmel, über Österreich lacht die ganze Welt.“

Roda Roda drohte, als er einmal vor Gericht stand, seinem Gegner „mit dem berühmten Zitat des Götz von Berlichingen...“ Der Richter war empört und wollte ihn wegen Ehrenbeleidigung anklagen. Doch Roda vollendete: „...das berühmte Zitat aus dem ,Götz von Berlichingen‘: ,Wo viel Licht ist, ist starker Schatten.‘“ Ein Sachverständiger für Literatur wurde gerufen, der bestätigte, dass die zitierten Worte wirklich im „Götz von Berlichingen“ stehen.

Vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde das Stück „Der Feldherrnhügel“ von Roda Roda und Carl Roessler mit einem Aufführungsverbot belegt, wobei der zuständige Zensurbeamte den beiden Autoren erklärte: „Dieses Stück wird nicht aufgeführt, so lange die österreichisch-ungarische Monarchie besteht!“ Worauf Roessler seinen Co-Autor unterm Arm nahm und sagte: „Komm Roda, die paar Wochen wart ma halt noch!“

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