Wespen-Plage: Diesen Fehler sollten Sie jetzt vermeiden
68 Todesfälle durch Kontakt mit Hornissen, Wespen oder Bienen wurden in Österreich von 2016 bis 2025 registriert. 2025 starben sieben Menschen.
Von Gernot Heigl
Stiche von Wespen und anderen Insekten beschäftigen die Rettungsdienste im Burgenland heuer deutlich häufiger. Allein im Juli mussten Ärzte und Sanitäter laut Landessicherheitszentrale (LSZ) 83-mal wegen Insektenstichen ausrücken. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 57 Einsätze – damit stieg die Zahl innerhalb eines Jahres um rund 46 Prozent.
Nicht immer enden Insektenangriffe glimpflich mit einem leichten Brennen. Besondere Gefahr droht nämlich bei allergischen Reaktionen. Da kann schon ein einziger Stich fatale Folgen haben.
2025 starben sieben Menschen nach Kontakt mit Hornissen, Wespen oder Bienen. Im Burgenland gab es binnen zehn Jahren einen Todesfall.
„Innerhalb weniger Minuten können Symptome auftreten, die von Hautausschlägen und starken Schwellungen bis hin zu Atemnot, Schluckbeschwerden oder Kreislaufbeschwerden reichen“, fasst Manuel Komosny vom burgenländischen Roten Kreuz zusammen. „Im schlimmsten Fall kann es zu einem lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock kommen. Auch Menschen ohne bisher bekannte Insektengiftallergie können von einer schweren Reaktion betroffen sein.“
In Österreich sind von 2016 bis 2025 68 Menschen nach Kontakt mit Hornissen, Wespen oder Bienen gestorben.
2024 wurde mit 13 Todesfällen der höchste Wert registriert, 2025 waren es sieben.
Im Burgenland gab es in diesem Zehnjahreszeitraum einen Todesfall.
Von 2015 bis 2024 wurden österreichweit 9.617 Personen nach Vergiftungen durch Insekten, Spinnen und Ähnliches stationär behandelt – im Schnitt fast 1.000 pro Jahr. 2024 wurden 1.041 stationäre Fälle registriert.
„Im Ernstfall und generell bei Stichen im Mundraum und am Hals sofort Notruf 144 wählen“, so Manuel Komosny. Denn rasche Hilfe kann Leben retten. Wie bei zwei Insektenstich-Einsätzen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASBÖ). Am 11. Juli hatte eine Patientin im Bezirk Neusiedl am See nach Schwellungen im Mund- und Gesichtsbereich Probleme beim Atmen. Notfallsanitäterin Denise Meyer setzte sofort einen EpiPen (Allergie-Notfallspritze) ein. In stabilisiertem Zustand wurde die Frau dann ins Spital gebracht.
ASBÖ-Notfallsanitäterin Denise Meyer setzte bei einer unter Atemnot leidenden Patientin im Bezirk Neusiedl am See einen EpiPen ein.
Noch dramatischer war die Situation kurz darauf bei einem Einsatz im Bezirk Oberpullendorf, wo ein Pensionist nach einer Insektenattacke einen Herz-Kreislauf-Stillstand erlitten hatte. Durch die Reanimation von First Respondern und die Hilfe von Sanitätern und Notarzt konnte der Mann wiederbelebt und per Hubschrauber ins Krankenhaus Eisenstadt geflogen werden. „Die Rettungskette hat perfekt funktioniert. Dem Patienten geht es wieder gut“, freut sich ASBÖ-Sprecher David Jagoschütz.
Ruhe bewahren: Keine hastigen Bewegungen machen, wenn Wespen oder andere potenziell gefährliche Insekten um einen herumfliegen.
Abstand zu Mistkübeln halten: Sie werden von Wespen besonders gerne umkreist.
Vorsicht bei Süßspeisen: Diese können Wespen anlocken.
Getränke kontrollieren: Beim Trinken aus Dosen oder dunklen Flaschen können hineingekrochene Insekten leicht übersehen werden. Am besten aus Gläsern trinken oder Gefäße nach jedem Schluck fest verschließen.
Feste Schuhe tragen: Beim Betreten von Grünflächen empfiehlt das KFV festes Schuhwerk.
Fliegengitter verwenden: Wohnräume können damit vor Insekten geschützt werden.
Wespennester entfernen lassen: Nisten Wespen beim Haus, sollten Fachleute mit der Entfernung beauftragt werden.
Bei bekannter Allergie vorsorgen: Allergiepass mitführen und das nähere Umfeld über die Allergie informieren. Nach ärztlicher Rücksprache das notwendige Notfall-Set mitführen.
Warnzeichen ernst nehmen: Geschwollene Augen oder Zunge, Hustenreiz und juckender Ausschlag am ganzen Körper können auf eine allergische Reaktion hindeuten.
Im Notfall 144 wählen: Bei Anzeichen einer allergischen Reaktion rasch Erste Hilfe leisten und den Notruf verständigen.
Bei normalen, also milden Verläufen nach Insektenstichen steht für Ratschläge und Verhaltenstipps sowie allgemeine medizinische Beratungen bei Schmerzen oder Unwohlsein die Gesundheitsberatung unter der Rufnummer 1450 jederzeit zur Verfügung.
Generelle Empfehlung der LSZ-Gesundheitsexperten:
Nicht kratzen. Den Einstichort sanft reinigen und den Stachel (falls vorhanden) vorsichtig entfernen.
Kühle Kompressen auflegen. Eiswürfel nur im Akutfall ganz kurz direkt auf die Einstichstelle legen; längerfristig Eis nie direkt auf die Haut legen, sondern zum Beispiel in ein Tuch einwickeln.
In Apotheken können Mittel zur Linderung von Schwellung, Schmerzen und Juckreiz geholt werden.
Die Reaktionen im Körper kommen bei Wespen- und Hornissenstichen durch injiziertes Gift, das Schmerzrezeptoren in der Haut reizt. Brennen oder ein stechender Schmerz sind oft schon Sekunden später spürbar. In den Stunden danach kommt es durch die Immunreaktion des Körpers häufig zu Juckreiz, Rötung und Schwellung.
Wespen und Hornissen sorgen immer wieder auch für Einsätze bei den burgenländischen Feuerwehren. Günter Prünner vom Landeskommando: „Fallweise sind Nester zum Beispiel in der Nähe von Kindergärten, Altersheimen oder Personen mit Allergien. Da besteht Gefahr in Verzug.“ Angriffe gegen Menschen erfolgen nämlich bereits bei Annäherung an eine Behausung. Daher empfehlen Fachleute, einen Mindestabstand von rund fünf Metern einzuhalten.
Ein Stich kann lebensgefährlich werden: Neue Zahlen zeigen die Folgen von Wespen-, Bienen- und Hornissenstichen in Österreich.
Dass bei steigenden Einsatzzahlen auch das Zusammenspiel der Einsatzorganisationen eine Rolle spielt, betont Markus Halwax, Dienststellenleiter der Landessicherheitszentrale Burgenland: „Gerade bei saisonal steigenden Einsatzzahlen zeigt sich, wie wichtig eine enge und verlässliche Zusammenarbeit mit unseren Einsatzorganisationen ist. Als Notrufleitstelle sind wir auf den raschen Informationsaustausch und das gute Zusammenspiel mit unseren Rettungsdiensten und Feuerwehren angewiesen, damit Hilfe schnell und gezielt dort ankommt, wo sie gebraucht wird.“
Völlig anders stellt sich derzeit die Situation beim Essen im Freien dar. Denn aktuell fliegen einem vor allem Wespen regelrecht um die Ohren. Empfohlen wird, sich ruhig zu verhalten und zu warten, bis die Tiere von alleine wegfliegen. Oftmals kommt es aber zu einer menschlichen Reaktion mit hektischen Fuchtelbewegungen, die bei Wespen zum Angriff führen können.
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