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Neue Biogasanlage: So wird Biomüll in Eisenstadt zu Energie

Grasschnitt und aufbereitete Abfälle aus Biotonnen werden künftig am Bauhof zu Methan und weiter zu Strom und Wärme verarbeitet. Im Oktober soll die Anlage in Betrieb gehen.
Drei Personen stehen vor einem Schild zur Energiezelle Bauhof Eisenstadt mit Grafiken zu Biogas, PV-Anlage und Speicher.

Während im Kompost- und Biogasverband Österreich (KBVÖ) darüber gestritten wird, wie biogene Abfälle genutzt werden sollen (siehe Zusatzartikel), setzt Eisenstadt auf die sogenannte Kaskadennutzung. Biomüll wird dabei zunächst vergoren, um Gas, Strom und Wärme zu gewinnen. Die verbleibenden Reststoffe werden anschließend zu Kompost verarbeitet.

Am Bauhof der Landeshauptstadt wird dafür eine neue Biogasanlage errichtet. Sie besteht aus fünf Containern und soll im kommenden Oktober in Betrieb gehen. Aus Grasschnitt und aufbereiteten Abfällen aus den Biotonnen wird Methan produziert und anschließend in Strom und Wärme umgewandelt.

Lokales Energiesystem

Damit setzt Eisenstadt auf jenes Modell, für das die Biogasbetreiber im Konflikt mit der Kompostwirtschaft eintreten. Während die Kompostwirtschaft organische Reststoffe direkt zu Kompost verrotten lässt, wollen die Biogasbetreiber die Abfälle zunächst zur Energiegewinnung nutzen. Die verbleibenden Reststoffe der Eisenstädter Anlage sollen gemeinsam mit dem UDB zu sortenreinem Kompost verarbeitet werden.

Die Biogasanlage wird gemeinsam mit Photovoltaikanlagen und dem bestehenden Stromspeicher zu einer Energiezelle am Bauhof verbunden. Mehr als 100 kWp Photovoltaikleistung, ein Stromspeicher mit mehr als 200 kWh und die Biogasanlage bilden dabei ein lokales Energiesystem. Die gesamte Anlage soll jährlich rund 400.000 Kilowattstunden Strom und 180.000 Kilowattstunden Wärme produzieren.

Der Strom soll großteils direkt am Bauhof genutzt werden, insbesondere zum Laden der E-Stadtbusse. Überschüssige Energie kann über die regionale Energiegenossenschaft genutzt werden. Mit der Abwärme soll im Winter der Bauhof geheizt werden. Im Sommer wird sie zur Trocknung von Strauch- und Baumschnitt eingesetzt, der zu Hackschnitzeln verarbeitet wird.

Bürgermeister Thomas Steiner verweist auf den Klimafahrplan Eisenstadt 2040, der rund 40 Maßnahmen in den Bereichen Energie, Mobilität, Gebäude, Stadtentwicklung und Abfallwirtschaft umfasst. „Wir haben unsere Stadtbusse auf Elektroantrieb umgestellt, bauen unsere eigene erneuerbare Energieproduktion aus und verbinden jetzt am Bauhof Energieerzeugung, Speicherung und Verbrauch zu einem Gesamtsystem“, sagt Steiner.

Energiegenossenschaft

Das technische Herzstück bildet die neue 3a-Biogasanlage. „Wir verarbeiten den biogenen Abfall der Stadt Eisenstadt höchstgradig effizient zu Energie. Aus Grasschnitt und den Abfällen der Biotonne wird im 3a-Biogasverfahren mit geringstmöglichem Platzbedarf und nahezu ohne Geruchsemissionen Methan produziert, das in Strom für die Stadtbusse und Wärme für den Bauhof umgewandelt wird“, erklärt Georg Greutter von „waste2energy“.

Die Anlage ist für einen kontinuierlichen Betrieb ausgelegt. Laut Greutter könne biogener Abfall damit saison- und wetterunabhängig 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr verarbeitet werden. Strauch- und Baumschnitt wird getrocknet und für die Fernwärme der Burgenland Energie genutzt.

Auch die regionale Energiegenossenschaft ist Teil des Systems. Eva Fugger, Generaldirektor-Stellvertreterin der Raiffeisenlandesbank, betont, dass bereits jede dritte burgenländische Gemeinde Mitglied in einer Energiegenossenschaft sei. Für die Energiegenossenschaft bedeute die Biogasanlage zudem weniger Abhängigkeit von Sonnenstunden.

Biogas oder Kompost? Zwist im Verband

Es ist kein großes Geheimnis, dass im  Kompost- und Biogasverband Österreich (KBVÖ) seit Jahren ein Konflikt brodelt. Denn die  beiden Sparten des Verbandes stehen sich in einem unüberbrückbaren Interessenkonflikt gegenüber. Der Streit dreht sich letztlich um die  begrenzte Ressource der biogenen Abfälle. Und der Konflikt schwelt, weil im Verband die Kompostvertreter mit rund 400 Anlagen gegenüber den Biogasvertretern mit 270 Anlagen in der Mehrheit sind.

Während die Kompostwirtschaft organische Reststoffe  auf direktem Weg zu Kompost verrotten lässt, drängen die Biogasbetreiber auf eine effiziente „Kaskadennutzung“. Aus ihrer Sicht sollte Biomüll zuerst vergoren werden, um erneuerbares Gas, Strom und Wärme zu gewinnen, bevor die Gärreste als  Kompost oder Dünger auf die Felder zurückgeführt werden.

Zusätzliche Brisanz erhält der Verbandsstreit durch das fehlende Grüngas-Gesetz: Kurz vor der Sommerpause scheiterte der Gesetzesentwurf  an der  Zwei-Drittel-Mehrheit. 

Dass in Eisenstadt  dennoch der Baustart für eine Biogasanlage erfolgt, ist kein Widerspruch: Das Projekt dient der rein lokalen Strom- und Wärmeversorgung und ist daher nicht auf das Gasnetz oder bundesweite Quoten angewiesen.

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