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„Raubrittertum“: Was Betroffene zur Lkw-Maut sagen

Burgenland will den Schwerverkehr umleiten. Manche Unternehmer haben keine Möglichkeit, auf andere Straßen auszuweichen und schließen Kampfmaßnahmen nicht aus.
Saftproduzent Martin Trummer weißem Hemd hält eine Geschenkbox mit Flaschen in einem Laden für Getränke und Geschenkkörbe.

Von Gernot Heigl

Für große Aufregung unter Betroffenen sorgt die vom Land angekündigte Lkw-Maut auf ausgewählten Landesstraßen vom Nord- bis ins Südburgenland, der KURIER berichtete. Schwerverkehr über 3,5 Tonnen soll ab Anfang 2027, abhängig von Abgasklasse und Achsenanzahl, per Vignette zur Kasse gebeten werden. Die Tagesgebühr beträgt 14 bis 17 Euro, die Jahresvignette zwischen 650 und rund 1.000 Euro.

Hinter vorgehaltener Hand sprechen heimische Unternehmer von „Raubrittertum“. So erklärt ein Frächter, dass „für mich Kosten in Höhe von 40.000 bis 60.000 Euro pro Jahr auflaufen werden. Dabei fahren wir nur wenige Kilometer auf den angedachten Mautstraßen. Das ist allerdings – standortbedingt – alternativlos und gar nicht anders möglich.“

Sollte es zur Umsetzung dieser Lkw-Maut kommen, sind laut mehrerer Unternehmer „Kampfmaßnahmen vorprogrammiert“. Betroffen über diese geplante Gebührenmaßnahme zeigt sich auch Martin Trummer (29), Getränkeproduzent aus Stegersbach.

„Selbst wenn die zusätzlichen Kosten schlussendlich zu Lasten der Burgenländerinnen und Burgenländer gehen werden, weil als Folge der Maut die Warenpreise für Endverbraucher steigen werden, trifft es auch mich als Produzent.“

Zusätzliche Belastungen

Trummer erklärt: „Ich habe auf alle Fälle höhere Ankaufs- und Vorlaufkosten, die ich vorfinanzieren muss, weil die Transporteure die Maut an mich weiterverrechnen werden. Das betrifft zum Beispiel auch regionale Äpfel oder anderes Obst, wenn sie über die vorgesehenen Mautstrecken geliefert werden. Ebenso jede Fahrt vom Frächter, wenn er mir Flaschen, Verschlusskappen oder Reinigungsmittel bringt.“

Damit sei die zusätzliche Belastung durch mögliche Mautkosten noch nicht zu Ende – sie treffe ihn zwei weitere Male: „In meinem Betrieb ist aus ökologischen Gründen ein Hackgutheizwerk installiert. Hackschnitzel, die ja als CO2-neutral gelten und bei mir aus der Region stammen, haben einen Heizwert von etwa 4 kWh pro Kilo. Im Vergleich dazu beträgt die Heizleistung von Heizöl rund 10 kWh bei einem Liter. Zahle ich also für einen Tankwagen mit Heizöl nur einmal die Maut, benötige ich für dieselbe Heizleistung 2,5 Lkw mit Hackschnitzeln und bezahle daher dreimal die Maut.“

„Öko-Idee wird bestraft“

„Durch die Mautkosten wird meine ökologische Idee bestraft“, sagt der Saftproduzent. „Genauso sehe ich das bei meiner Bio-Landwirtschaft. Zur Bodenaufbesserung verwende ich nämlich große Mengen an Kompost oder Festmist. 10 bis 15 Tonnen naturbelassenes Material kann man vergleichen mit rund 500 Kilo Kunstdünger. Also habe ich auch hier Mehrkosten, weil ich viel mehr Lkw-Fuhren benötige als bei einer konventionellen Landwirtschaft.“

An einem Beispiel stellt der Stegerbacher dann generell die Sinnhaftigkeit der geplanten Straßengebühren in Frage: „Kommt ein Lkw zum Beispiel über die S7 zu mir, fällt laut jetzigem Plan keine Maut an. Fährt derselbe Lkw aber bei Oberwart von der Autobahn ab, wäre eine Vignette fällig.“

Trummer appelliert: „Vielleicht sollten die Herrschaften im Land nochmals darüber nachdenken, bevor sie das Gesetz beschließen. Denn Fakt ist, ich als Unternehmer muss wirtschaftlich denken und bei einer zusätzlichen Maut neu kalkulieren. Anders geht’s nicht. Also muss ich meine Mehrkosten bei meinen Produkten auf den Verkaufspreis aufschlagen. Ein Teufelskreis, der am Ende des Tages zu Lasten der Konsumenten geht.“

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