© Peter Rigaud

05/19/2021

Thermen öffnen: Viel Freiraum in Sauna und Schwimmbecken

Burgenlands Thermalbäder starten nach dem Lockdown durch und versprechen viel Platz und höchste Sicherheit für die Besuche.

von Claudia Koglbauer-Schöll, Paul Haider, Roland Pittner

„So viel Platz wie jetzt werden Sie nie wieder in einer Therme haben!“, ist der Slogan der burgenländischen Thermalbäder. Von Frauenkirchen bis Stegersbach wird geöffnet. 20 Quadratmeter pro Besucher bedeuten, dass so mancher Gast eine Sauna für sich alleine haben wird, und auch im Schwimmbecken wird es so nicht beengt werden. Die Thermenbetreiber sehen sich dadurch aber vor gewaltige organisatorische und finanzielle Herausforderungen gestellt.

In der Sonnentherme Lutzmannsburg etwa herrscht am Dienstag wieder Hochbetrieb: Taucherbrillen und Schnorchel für die Virtual Reality Rutsche werden desinfiziert, zwischen den Liegen werden Plexiglaswände platziert und im Kassenbereich bekommen Angestellte Unterweisungen für den sicheren Eintritt der Gäste.

„Die Vorbereitungen laufen sehr gut“, ist Geschäftsführer Werner Cerutti zufrieden. Die 20-Quadratmeter-Regel einzuhalten sieht er in der Familien- und Kindertherme nicht als großes Problem. Denn für eine vierköpfige Familie mit Baby und Kleinkind müssten – ebenso wie für eine Einzelperson – die besagten 20m² Platz eingeräumt werden, erklärt Cerutti. Die Liegen werden den Besuchern zugewiesen.

Statt der bis zu 3.500 Gäste im In- und Outdoorbereich läge die Kapazität im Resort nun bei 900. Um auf Nummer sicher zu gehen, habe man seit Monaten ein Sicherheitskonzept parat. Dennoch gebe es etliche Herausforderungen: Um den erforderlichen Zwei-Meter-Abstand – vor allem bei Kindern und Jugendlichen – zu gewährleisten, kommt eine eigene Corona-Security zum Einsatz.

Zudem sei die Bereitstellung der Selbsttests im Hotel eine große logistische Aufgabe. Auch wenn ein Gast, der einen Aufenthalt von drei Tagen gebucht hat, einen aktuellen Antigen-Test vorweisen kann, müsse er am dritten Tag erneut testen. „Alleine am Pfingstmontag haben wir 150 Gäste im Hotel, die getestet werden müssen“, erläutert Cerutti.

In der Avita-Therme Bad Tatzmannsdorf freut man sich ebenfalls auf die ersten Gäste. „Die Nachfrage und die Buchungslage sind für die nächsten Wochen und den Sommer ausgezeichnet. Unsere neue Online-Liegen-Reservierung bietet allen Gästen vier Tage vorab die Möglichkeit, den garantierten Thermeneintritt mit einer Liege zu buchen“, sagt Avita-Geschäftsführer Peter Prisching. Die Verordnungen und Richtlinien seien herausfordernd, für den Start aber akzeptabel.

Gemäß dem Leitfaden des Tourismus-Ministeriums gilt auch in den Thermen FFP2-Maskenpflicht in Innenräumen. Im Becken, in der Sauna, auf der Liege und im Außenbereich darf die Maske abgenommen werden. Als Zutrittsvoraussetzung in Thermen wie auch in Hotels gilt – wie überall – die „3G“-Regel. „Wir hoffen, dass die avisierten Erleichterungen Anfang Juli in Kraft treten“, sagt Prisching.

Über eine äußerst gute Buchungslage am Pfingstwochenende freut man sich in der einzigen Therme im Bezirk Neusiedl am See. In der St. Martins Lodge seien an den kommenden Feiertags- und Wochenendterminen nur noch Restplätze zu haben, lässt Geschäftsführer Klaus Hofmann den KURIER wissen. Diese vielen Buchungen im Hotel waren laut Hofmann auch ausschlaggebend dafür, dass die Therme am 19. Mai überhaupt aufgesperrt wird. Denn wirtschaftlich rentabel sei der Betrieb bei einer Besucherhöchstzahl von 300 Personen, statt der gewohnten 900, nicht.

„Wir freuen uns, endlich wieder die Rolle des Gastgebers leben zu können. Wir sind bestens vorbereitet und warten schon sehnsüchtig darauf, die ersten Gäste begrüßen zu dürfen“, gibt sich Hofmann zweckoptimistisch. Um den Thermen-Fans einen möglichst sicheren und Vorgaben-konformen Aufenthalt zu ermöglichen, habe man in Summe 300 Einzelmaßnahmen gesetzt.

Freude über Öffnungen, Hoffnung auf  weitere Lockerung

„Es ist ein Freudentag“, sagt Burgenlands Tourismus-Chef Dietmar Tunkel über die ersten  Öffnungsschritte  der Freizeitbetriebe heute, Mittwoch. Die  Zahl der Anfragen  sei „wirklich groß“ und zwar in sämtlichen  Unterkunftskategorien – von der Pension bis zum Fünfsternehotel. Das habe ein Rundruf  ergeben. Die Leute hätten nach der Durststrecke Lust auf eine Auszeit.

Dabei käme die Kleinstrukturiertheit des Landes dem Tourismus zugute, wie auch schon die „sensationellen“ Gästezahlen  im Burgenland im Vorjahr bewiesen hätten.  Dennoch dürfe man nicht in Euphorie verfallen, meint Tunkel. Denn vor allem große Betriebe dürften ihre Kapazitäten nicht voll auslasten.  „Ich hoffe, dass es im Juli weitere Lockerungen geben wird.“  

Den Gästen versucht man derweil,  den Urlaub   mit zusätzlichen Angeboten schmackhaft zu machen: So gebe es  in  den acht Tourismusgemeinden  Teststraßen für Gäste und Mitarbeiter, die bei Bedarf auch noch aufgestockt werden. 

Tunkel verweist auch auf einen  „enormen Boost“: Das etablierte Bonusticket gelte jetzt für alle Österreicher. „Wir rechnen  bis Ende Juni mit 52.000 eingelösten Bonustickets.“ Zudem gebe bei einer  coronabedingten Erkrankung  eine Stornoversicherung für Gäste, die bis zum Sommerende verlängert wurde.

„Aufbruchsstimmung“

Franz Perner, Geschäftsführer der Sparte Freizeit in der Wirtschaftskammer  (WK) spricht von einer „Aufbruchsstimmung. Dennoch sieht er vor allem kleinere Betriebe mit großen Herausforderungen konfrontiert: „Wenn  schon die 3-G-Regel  gilt und trotzdem  20 m² Platz pro Person zur Verfügung stehen müssen, wird das manche in Bedrängnis bringen.“  Bei den Freizeitbetrieben hätten  etwa 5 bis 10 Prozent  überlegt, ob sich das Aufsperren  rentiere. 

Auch bei den  Kulturtreibenden liefen die Vorbereitungen  auf Hochtouren, wie Generalintendant Alfons Haider erklärte. Auf der Seebühne in Mörbisch werde man vor 3.000 und in Jennersdorf auf Schloss Tabor vor 400 Gästen spielen. Haider hofft, dass die Sperrstunde um 22 Uhr fällt. Die Ticketumverteilung sei derzeit ein „gigantischer Aufwand“, eventuell werden zusätzliche Aufführungstermine organisiert. 

  Damit im Juli weitere Schritte hin zur Normalität möglich sind, appelliert Landeschef Hans Peter Doskozil, das Thema weiter ernst zu nehmen. Die Öffnungsschritte nach Ostern seien richtig gewesen, verwies Doskozil auf die hohe Testintensität und die hohe Impfdisziplin im Land.

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