Warum es an der Medizin-Uni des Landes schon vor dem Start kracht
Für Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) gehört sie zu den „Meilensteinen“ des von ihm propagierten „burgenländischen Weges“ – die medizinische Privatuniversität. Die MPUB soll bereits ab dem Studienjahr 2028/2029 mit dem ersten Bachelorstudiengang am Campus Pinkafeld starten.
Ob das hält, ist fraglich. Zuletzt gab es im Zusammenhang mit dem roten Prestigeprojekt nur Brösel statt Meilensteine.
Wie berichtet wurden zwei Mediziner aus dem fünfköpfigen Kernteam zum Aufbau der Privat-Uni Ende April überraschend gekündigt, publik wurde das erst durch Recherchen des KURIER Anfang Juni. Uni-Professor Christian Joukhadar, von Doskozil und MPUB-Geschäftsführer Nikolaus Schermann im vergangenen Herbst noch voller Stolz präsentiert, bekämpft die nach seiner Ansicht unbegründete Kündigung ebenso wie der Mediziner und Biotechnologe Roland Schlesinger vor dem Arbeits- und Sozialgericht.
Bei Schlesinger gab es schon einen ersten Gerichtstermin, Fortsetzung folgt. Fixiert ist mittlerweile auch der Prozessauftakt von Joukhadar gegen die Medizin-Uni: 6. August.
Warum sich die zur Landesholding gehörende Medizin-Uni von den zwei Ärzten getrennt hat, war bis jetzt nicht klar. Ein Holding-Sprecher hatte bloß auf „Auffassungsunterschiede“ verwiesen. Bei Schlesingers Verhandlung kam – ebenfalls sehr vage – der „Betriebsrat“ zur Sprache.
Nun gibt Joukhadar gegenüber dem KURIER Einblick in seine Sicht der Dinge. Auslöser soll demnach der auch von ihm unterstützte Versuch zur Gründung eines Betriebsrates an der Medizin-Uni gewesen sein. Die Geschäftsführung soll dem mehr als reserviert gegenübergestanden sein. Nach Einschaltung der Gewerkschaft für Privatangestellte (GPA) kommt es kommende Woche in einem zweiten Anlauf doch zur Wahl. Wenn das stimmt, bemerkenswert in einem Land, das seit 1964 rote Landeshauptmänner hat.
GPA-Landesgeschäftsführer David Schumacher bestätigt dem KURIER, dass die Gewerkschaft die Wahl begleiten werde, das sei aber durchaus „üblich“ und in 95 Prozent der Fälle so. Insgesamt seien rund 20 Personen wahlberechtigt, „das ist ein kleiner Betrieb“. Zu den anfänglichen Problemen rund um die Wahl könne er nichts sagen, bedauert der GPA-Funktionär.
Darüber hinaus, so Joukhadar, der zuvor Dekan der Fakultät für Medizin an der Sigmund Freud Privatuniversität Wien war, habe er auch die seiner Auffassung nach vereinbarte Ernennung als Schermanns Stellvertreter eingefordert – was abgelehnt worden sei. Die anschließende Kündigung erfolgte aus Joukhadars Sicht deshalb aus „verpönten Motiven“ – denn aus beiden Gründen dürfe man nicht gekündigt werden. Nun ist das Gericht am Zug.
Dass seine Arbeit jedenfalls kein Grund für die Kündigung sein könne, folgert der Uni-Professor auch daraus, dass die Landesholding Mitte Juni in einem Zeitungsbericht von bereits weit gediehenen Planungen sprach. Die bisher erarbeiteten Grundlagen würden von der Medizin-Uni offenbar „als tragfähige Basis für die nächsten Schritte angesehen“, sieht Joukhadar ein gutes Zeugnis für seine Tätigkeit.
Am Projekt Medizin-Uni werde festgehalten, ließ die Holding wissen, und es werde „laufend evaluiert“. Die Evaluierung könnte auch zu einer Redimensionierung des Projekts führen.
Statt eines Alleingangs, der in den ersten acht Jahren der privaten Universität finanziell nur Verluste einfahren würde, könnte sich das Land doch noch zu einer Kooperation mit einer bestehenden Privat-Uni entschließen. Der Campus in Pinkafeld wäre dann zwar nur „Zweigstelle“ einer Uni, aber dem Land käme das dafür viel billiger.
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