Land Burgenland kappt Medizin-Förderungen

Fünf Richtlinien wurden überraschend rückwirkend per 1. April außer Kraft gesetzt. Betroffen sind auch Stipendien für Medizinstudenten und Hilfe für Landarztpraxen. Die Förderungen hätten ihren Zweck erfüllt, so das Land.
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Seit Jahren setzt das Burgenland auf finanzielle Anreize, um dem Medizinermangel entgegenzuwirken. Für Landarztordinationen oder Medizinstudenten wurde viel Geld investiert – und viel und gern darüber geredet. Von einem „wegweisenden Stipendienmodell in der Ärzteausbildung“ etwa sprach Landeshauptmann und Gesundheitsreferent Hans Peter Doskozil (SPÖ).

Eine kurze Notiz im jüngsten Landesamtsblatt verkündet nun das abrupte Versiegen des Geldflusses. Rückwirkend per 1. April wurde das „Außerkrafttreten der Richtlinien für die Förderungen der medizinischen Versorgung im Land Burgenland“ verfügt, heißt es lapidar.

Betroffen sind die Vergabe von Stipendien an Medizinstudierende sowie das „weiterentwickelte“ Burgenländische Medizin-Stipendium (BMS), weiters Stipendien an Turnusärzte und -ärztinnen, die Unterstützung von Landarztordinationen und schließlich die Förderung von Fachärztinnen und Fachärzten.

Warum das plötzliche Aus?, fragte der KURIER im Landhaus. Vorweg: Ob das Förder-Aus schlicht finanzielle Gründe habe, das Land also sparen müsse, blieb unbeantwortet.

„Zweck erfüllt“

„Das Außerkrafttreten dieser Richtlinien bedeutet, dass die Stipendien ihren Zweck erfüllt haben und andere Maßnahmen, die nicht angenommen wurden, gegebenenfalls durch neue, zielgerichtetere Instrumente ersetzt werden“, lautet die Antwort.

Welche neuen Instrumente das sein könnten, wird nicht konkret gesagt. Und dass die Stipendien ihren Zweck bereits erfüllt haben, verwundert. Denn als das Land im März 2022 das Stipendienmodell mit der Danube Private University (DPU) in Krems vorstellte (das zwei Jahre später überraschend endete), sollten bis 2027 rund 360 Jungmediziner studieren oder schon fertig sein. Im Gegenzug mussten sich die vom Land alimentierten Studenten – Burgenländer wie Nicht-Burgenländer – verpflichten, nach dem Studium mindestens fünf Jahre im Burgenland zu arbeiten, als niedergelassener Arzt mit Kassenvertrag oder in einem der fünf Spitäler.

Und jetzt?

Derzeit befänden sich rund 170 Stipendiaten in Ausbildung. 2025 wurden dafür 416.000 Euro aufgewendet, heuer sollen es 684.000 Euro sein. „Alle bereits zugesagten Stipendien bleiben uneingeschränkt aufrecht“, versichert das Land. Die betroffenen Studierenden würden wie vereinbart bis zum Abschluss ihres Studiums unterstützt.

Das Land verbucht die Stipendien jedenfalls als vollen Erfolg. Durch die „frühzeitige Vergabe“ sei die „personelle Absicherung unserer Kliniken auf Jahre hinaus gewährleistet. “Aktuell gibt es keinen Personalmangel in den Spitälern„, und aufgrund dieser “positiven Personalentwicklung ist die Vergabe von weiteren Stipendien vorläufig nicht erforderlich„.

Offene Kassenstellen

Handlungsbedarf besteht aus Sicht des Landes aber weiterhin im niedergelassenen Bereich, wobei die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) für die Besetzung von Kassenstellen verantwortlich sei. Dennoch habe das Land in den vergangenen Jahren die Ansiedelung von niedergelassenen Medizinern unterstützt, 2025 mit 535.000 Euro.

Weil zuletzt aber Kassenstellen unbesetzt blieben, brauche es “eine Neuausrichtung„, meint das Land und will mit der Ärztekammer daran arbeiten. Laut Kammer laufen bis Ende der Woche Ausschreibungen für zehn allgemeinmedizinische Praxen und vier Facharztstellen.

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