Land Burgenland kappt Medizin-Förderungen
Seit Jahren setzt das Burgenland auf finanzielle Anreize, um dem Medizinermangel entgegenzuwirken. Für Landarztordinationen oder Medizinstudenten wurde viel Geld investiert – und viel und gern darüber geredet. Von einem „wegweisenden Stipendienmodell in der Ärzteausbildung“ etwa sprach Landeshauptmann und Gesundheitsreferent Hans Peter Doskozil (SPÖ).
Eine kurze Notiz im jüngsten Landesamtsblatt verkündet nun das abrupte Versiegen des Geldflusses. Rückwirkend per 1. April wurde das „Außerkrafttreten der Richtlinien für die Förderungen der medizinischen Versorgung im Land Burgenland“ verfügt, heißt es lapidar.
Betroffen sind die Vergabe von Stipendien an Medizinstudierende sowie das „weiterentwickelte“ Burgenländische Medizin-Stipendium (BMS), weiters Stipendien an Turnusärzte und -ärztinnen, die Unterstützung von Landarztordinationen und schließlich die Förderung von Fachärztinnen und Fachärzten.
Warum das plötzliche Aus?, fragte der KURIER im Landhaus. Vorweg: Ob das Förder-Aus schlicht finanzielle Gründe habe, das Land also sparen müsse, blieb unbeantwortet.
2022 haben Land und Danube Private University (DPU) in Krems eine Vereinbarung geschlossen. Bis 2027 sollten jährlich 55 Medizin-Studienplätze für Burgenländer reserviert werden, mit Kosten zwischen acht und zehn Mio. Euro fürs Land. Dafür müssten sie nach dem Studium fünf Jahre im Burgenland arbeiten. 2024 stieg die DPU aus.
Als neues Modell für Studenten gibt es seither 1.000 Euro monatlich im Rahmen des Burgenländischen Medizin-Stipendiums fürs Studium an einer staatlich anerkannten europäischen Uni.
Landarztpraxen
Gefördert wurde auch Gründung oder Übernahme von Ordinationen. Ein gleich hoher Betrag musste von der jeweiligen Gemeinde zugeschossen werden. Gefördert wurden Umbauten, technische oder medizinische Ausstattung.
Im Rahmen der Landarztförderung gab es einen Basisbetrag von 20.000 Euro, bei Ausschöpfung aller Zuschläge insgesamt 60.000 Euro. Die Facharztförderung sah mindestens 20.000 und maximal 30.000 Euro vor.
Im Sommer 2024 wurde Zwischenbilanz gezogen. Die Gesamtfördersumme seit Start des Programms 2018 für 55 Ordinationen lag damals bei rund 2,2 Millionen Euro. Neuere Zahlen nannte das Land jetzt nicht.
„Zweck erfüllt“
„Das Außerkrafttreten dieser Richtlinien bedeutet, dass die Stipendien ihren Zweck erfüllt haben und andere Maßnahmen, die nicht angenommen wurden, gegebenenfalls durch neue, zielgerichtetere Instrumente ersetzt werden“, lautet die Antwort.
Welche neuen Instrumente das sein könnten, wird nicht konkret gesagt. Und dass die Stipendien ihren Zweck bereits erfüllt haben, verwundert. Denn als das Land im März 2022 das Stipendienmodell mit der Danube Private University (DPU) in Krems vorstellte (das zwei Jahre später überraschend endete), sollten bis 2027 rund 360 Jungmediziner studieren oder schon fertig sein. Im Gegenzug mussten sich die vom Land alimentierten Studenten – Burgenländer wie Nicht-Burgenländer – verpflichten, nach dem Studium mindestens fünf Jahre im Burgenland zu arbeiten, als niedergelassener Arzt mit Kassenvertrag oder in einem der fünf Spitäler.
Und jetzt?
Derzeit befänden sich rund 170 Stipendiaten in Ausbildung. 2025 wurden dafür 416.000 Euro aufgewendet, heuer sollen es 684.000 Euro sein. „Alle bereits zugesagten Stipendien bleiben uneingeschränkt aufrecht“, versichert das Land. Die betroffenen Studierenden würden wie vereinbart bis zum Abschluss ihres Studiums unterstützt.
Das Land verbucht die Stipendien jedenfalls als vollen Erfolg. Durch die „frühzeitige Vergabe“ sei die „personelle Absicherung unserer Kliniken auf Jahre hinaus gewährleistet. “Aktuell gibt es keinen Personalmangel in den Spitälern„, und aufgrund dieser “positiven Personalentwicklung ist die Vergabe von weiteren Stipendien vorläufig nicht erforderlich„.
Offene Kassenstellen
Handlungsbedarf besteht aus Sicht des Landes aber weiterhin im niedergelassenen Bereich, wobei die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) für die Besetzung von Kassenstellen verantwortlich sei. Dennoch habe das Land in den vergangenen Jahren die Ansiedelung von niedergelassenen Medizinern unterstützt, 2025 mit 535.000 Euro.
Weil zuletzt aber Kassenstellen unbesetzt blieben, brauche es “eine Neuausrichtung„, meint das Land und will mit der Ärztekammer daran arbeiten. Laut Kammer laufen bis Ende der Woche Ausschreibungen für zehn allgemeinmedizinische Praxen und vier Facharztstellen.
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