Rote Staatssekretärin erteilt Herzchirurgie in Oberwart Absage
Die Entscheidung kam nicht überraschend. Die Bundes-Zielsteuerungskommission – bestehend aus Bund, Ländern und Sozialversicherung – hat am Freitag das Ansuchen des Burgenlandes, in der Klinik Oberwart eine Herzchirurgie zu betreiben, abgelehnt. Ausschlaggebend für diese Entscheidung sei, dass ein zusätzlicher Standort eine wesentliche Änderung der überregionalen Versorgungsplanung darstellen würde, ohne dass ein entsprechender zusätzlicher Bedarf gegeben sei, heißt es in einer Aussendung des Gesundheitsministeriums.
Das Einzugsgebiet der Klinik Oberwart umfasse rund 377.000 Einwohner und liege damit "deutlich unter dem im Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG) festgelegten Mindesteinzugsgebiet von 800.000 Einwohnern", wird betont.
Das Burgenland hat bereits Mitte März ohne Zustimmung des Bundes den Betrieb aufgenommen, Primarius Wolfgang Dietl soll die Abteilung aufbauen, erste Operationen seien schon durchgeführt worden, so die Gesundheit Burgenland. SPÖ-Landeshauptmann Hans Peter Doskozil hatte schon im Vorfeld betont, das Land werde die Abteilung selbst finanzieren, selbst wenn die Kommission anders entscheide.
Ministerium und ÖGK haben gegen den Bewilligungsbescheid des Landes für die Herzchirurgie beim Landesverwaltungsgericht Burgenland Beschwerde erhoben. Sollte das Gericht der Beschwerde stattgeben, müsste die Abteilung für Herzchirurgie in Oberwart geschlossen werden, ist das rote Ministerium überzeugt.
Ein zusätzlicher herzchirurgischer Standort würde "erhebliche Risiken für die bestehende Versorgungsstruktur mit sich bringen", sagt SPÖ-Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig, Vorsitzende der Bundes-Zielsteuerungskommission.
Insbesondere wäre mit einer Ausdünnung der Fallzahlen an den bestehenden Standorten zu rechnen, was potenziell Qualitätseinbußen nach sich ziehen könnte. Darüber hinaus würde ein weiterer Standort einen zusätzlichen Bedarf an hochqualifiziertem Personal erzeugen, der angesichts der begrenzten personellen Ressourcen nur schwer zu decken wäre.
Auch aus den übrigen Bundesländern kam Ablehnung. „Ein weiterer Standort würde unsere knappen personellen Ressourcen unnötig verteilen und die Routine an bestehenden Kliniken schwächen“, betonte die aktuelle Vorsitzende der Gesundheitsreferentenkonferenz, Cornelia Hagele aus Tirol. „Politik bedeutet auch, den Mut zu haben, Nein zu sagen, wenn es die Vernunft verlangt“, sagte sie in Richtung Burgenland.
Das Land sieht das anders und stellt andere Berechnungen an. Der Bedarf sei belegt. Das Burgenland weise seit Jahren eine überdurchschnittlich hohe Sterblichkeit im Bereich der Herzerkrankungen auf, besonders ausgeprägt im Südburgenland. Gleichzeitig sei das Burgenland – gemeinsam mit Vorarlberg – eines von nur zwei Bundesländern ohne eigene Herzchirurgie, heißt es von der Gesundheit Burgenland.
Zusätzliche herzchirurgische Zentren würden „nicht zu einer Verbesserung der Versorgung führen, sondern zur Fragmentierung bestehender Strukturen“, haben zahlreiche Universitätsprofessoren schon vor Monaten in einer Stellungnahme der Österreichischen Gesellschaft für Herz- und thorakale Gefäßchirurgie gewarnt.
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