Doskozil misst bei Experten mit zweierlei Maß
Wenn die Politik nicht mehr weiterweiß, gründet sie einen Arbeitskreis. Oder sie legt, wenn die Zeit drängt, die heiße Kartoffel in Expertenhände.
So geschehen auch nach den Asbestfunden durch die Umweltschutzorganisation Greenpeace im Mittel- und Südburgenland. Eine vom Land eingesetzte neunköpfige Taskforce aus Umweltmedizinern, Geologen und Molekularbiologen soll die Ergebnisse umfangreicher Luftmessungen zur Asbestbelastung interpretieren und daraus Handlungsempfehlungen für die Politik ableiten: Diese, so verspricht die rot-grüne Landesregierung, würden dann „bindend umgesetzt“.
Das ist zumindest konsequent.
Anders als auf Bundesebene, wo eine Wehrdienstkommission eingesetzt wurde. Deren konkrete Vorschläge werden bekanntlich nicht eins zu eins umgesetzt, sondern ÖVP-Kanzler Christian Stocker will außerdem noch den Publikumsjoker ziehen und das Volk befragen.
Die beim Asbest angekündigte Konsequenz der Landesregierung würde man sich aber auch anderswo wünschen.
Etwa bei der geplanten Herzchirurgie im Krankenhaus Oberwart, die SPÖ-Landeshauptmann Hans Peter Doskozil im Alleingang etablieren will – koste es, was es wolle.
Und entgegen einer eindeutigen Stellungnahme hochkarätiger Experten. In einem von einem guten Dutzend Universitätsprofessoren unterzeichneten Papier der Österreichischen Gesellschaft für Herz- und thorakale Gefäßchirurgie heißt es, zusätzliche herzchirurgische Zentren würden „nicht zu einer Verbesserung der Versorgung führen, sondern zur Fragmentierung bestehender Strukturen“. Die Experten warnen vor einer Reduktion der Fallzahlen und negativen Auswirkungen auf die Patientensicherheit.
Was sagt Doskozil? „Die Herzchirurgie in Oberwart wird es geben. Punkt.“
Als Experte gilt im Burgenland anscheinend nur, wer vom Land beauftragt wurde.
Kommentare