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Chronik Burgenland
09/26/2020

Personalsorgen bei den Landes-Blauen und den Hauptstadt-Roten

FPÖ-Altmandatar Edi Nicka nimmt Parteichef Norbert Hofer (mit seinem Vorgänger Hans Tschürtz) in die Pflicht / Ex-Vizebürgermeister Mock vor Comeback in Eisenstadt

von Thomas Orovits

Wer wenig Grund zur Freude hat, nutzt die seltenen Gelegenheiten umso intensiver. FPÖ-Bundes- und Landesparteichef Norbert Hofer und sein Landesparteisekretär Christian Ries zeigten sich Anfang der Woche in getrennten Aussendungen „erfreut“ über eine Umfrage der SPÖ, wonach die Freiheitlichen mit 14 Prozent der Stimmen rechnen dürften, würde am Sonntag der Landtag gewählt. Das wäre im Vergleich zur Landtagswahl Ende Jänner der höchste Zuwachs aller vier Landtagsparteien und fast das blaue Ergebnis der Wahl von 2015.

Abgesehen davon, dass man selbst in weiten Kreisen der FPÖ keine schlüssige Erklärung für diesen virtuellen „Höhenflug“ in der Wählergunst parat hat, spiegelt die Umfrage die innerparteiliche Gemengelage nicht einmal schemenhaft wider.

Wie tief die Gräben auch nach dem turbulenten Landesparteitag Anfang März sind, zeigte sich vor Kurzem beim Parteitag der Bezirks-FPÖ Mattersburg. Christian Spuller, bisher schon geschäftsführender Bezirkschef, erhielt nur rund 65 Prozent der Stimmen. Teilnehmer berichten, dieses magere Ergebnis sei auch dem Umstand geschuldet, dass der frühere Bezirks- und Landesparteichef Hans Tschürtz gegen seinen früheren Schützling Spuller Stimmung gemacht habe.

„Gestritten wird im Norden, bei uns im Südburgenland gibt‘s keinen Streit“, sieht Altmandatar Edi Nicka vor allem die Bezirke Mattersburg und Neusiedl am See als Unruheherd. Über Tschürtz, der als Klubchef die höchste freiheitliche Funktion im Land innehat, urteilt sein früherer Kritiker Nicka milde: „Dass Tschürtz Fehler gemacht hat, wissen wir. Als Parteichef ist er weg, zum Klubobmann wurde er gewählt, da müssen ihn die anderen Mandatare schon respektieren“. Er sehe Tschürtz nicht als „Leitfigur“ in der Partei, sondern Hofer.

Füllt Hofer diese Aufgabe aus? „Gute Frage“, sinniert Nicka, mehr Entschiedenheit wünscht sich der Altvordere allemal: Hofer müsste einmal sagen „Freunde, jetzt ist Schluss“ mit dem Zwist.

Bei der Vorstandsklausur Anfang Oktober im Südburgenland könnte auch ein anderes Thema für Debatten sorgen: Von der Oberwarter Landtagsmandatarin Ilse Benkö heißt es, sie überlege, schon vor Ende der Legislaturperiode 2025 ihr Mandat zurückzulegen: „Ich weiß, dass es diese Gerüchte gibt“, sagt Benkö zum KURIER, aber das sei kein Thema und sie würde diese Frage – so sie sich einmal stellt – „nicht mit dem Bezirk Mattersburg oder anderen bereden, sondern nur im Bezirk Oberwart“.

Ganz andere Personalprobleme hat die Eisenstädter SPÖ. Anfang März hatten die glücklose 2. Vizebürgermeisterin und Stadtparteivorsitzende Lisa Vogl, Stadträtin Renée Wisak und Klubobfrau Beatrix Wagner ihren Rücktritt per 30. September bekannt gegeben – aus „persönlichen Gründen“. Wer nachfolgt, ist immer noch nicht geregelt. Eine kleine Arbeitsgruppe denkt über Personal und Programm nach. In 10 bis 14 Tagen sollen Ergebnisse vorliegen. Teil der Gruppe ist ein alter Bekannter: Heinz Mock (55), von 2002 bis 2009 schon Stadt-Vize, soll die desorientierte rote Truppe übernehmen, erfuhr der KURIER aus sicherer Quelle. Dafür müssen aber noch zig Kandidaten verzichten, die bei der Kommunalwahl 2017 vor Mock gereiht waren. Mock würde aber nur bis zur Kommunalwahl 2022 bleiben, denn parallel soll ein(e) Quereinsteiger(in) für die Spitzenkandidatur aufgebaut werden.

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