04/08/2021

Gemeinde stellt sich ihrer Geschichte

Nach dreißig Jahren Diskussion soll noch heuer eine Gedenkstätte bei der ehemaligen Romasiedlung in Kemeten entstehen

von Roland Pittner

Die Romasiedlung in Kemeten entstand wohl Ende des 18. Jahrhunderts. „In der Zwischenkriegszeit könnten bis zu 100 Personen hier gelebt haben“, sagt Angelika Miertl, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Roma Volkshochschule Burgenland. 1938 wurden die ersten Roma in die Konzentrationslager Dachau und Buchenwald gebracht. 1943 deportierten die Nazis die letzten Roma in die Vernichtungslager. Die meisten wurden getötet, nur sieben Personen aus der Gemeinde suchten nach dem Krieg um Opferfürsorge an, eine siedelte sich wieder an.

Aufarbeiten

Von der Siedlung blieb nichts übrig, doch die Gemeinde will gemeinsam mit der Roma Volkshochschule Burgenland und Wissenschaftern das Geschehene aufarbeiten. „Bisher ist die Gemeinde diesem Gedenken nicht nachgekommen, das wollen wir nun mit einem Neustart für das Projekt ändern“, sagt Bürgermeister Wolfgang Koller. Debattiert wurde schon seit Jahrzehnten, einige Projekte scheiterten im Gemeinderat. „Wir setzen uns mit der Geschichte in unserem Geschichtskreis und unserer Geschichtsmeile rund um die Gemeinde auseinander“, sagt Koller. Einige Punkte der Ortsgeschichte wurden hier schon aufgearbeitet, ein weiterer wird beim Standort der ehemaligen Romasiedlung sein. Widerstände in der Bevölkerung, wie bei früheren Vorhaben gebe es nicht. „Natürlich gibt es Skeptiker, aber ein aktiver Widerstand hat sich nicht formiert“, erklärt Koller.

In einem ersten Schritt werden die Namen der Ermordeten recherchiert. „Dazu untersuchen wir Geburtsmatrikel und Gemeindeunterlagen, auch den genauen Standort der ehemaligen Siedlung wollen wir finden“, sagt Miertl. Die Ergebnisse sollen auf einer Webseite für alle einsehbar sein, am Standort der Siedlung soll dann eine Gedenkstätte errichtet werden.

Gestaltung

Die künstlerische Gestaltung wird von Andreas Lehner umgesetzt. „Kemeten hatte eine sehr hohe Anzahl von deportierten und ermordeten Roma, die Siedlung ist hier einfach verschwunden und aus der Geschichte des Ortes getilgt worden“, sagt Lehner. Neben den Experten und der Volkshochschule sollen auch die Romavereine in die Erarbeitung des Konzepts eingebunden werden. „Wir wollen natürlich auch eine Stellungnahme der Betroffenen einbauen“, erklärt Lehner die Zusammenarbeit.

Auch der Verein Kemeten Aktiv beteiligt sich an dem Projekt. „Wir unterstützen das Vorhaben und wollen den Ruf der Gemeinde wiederherstellen“, sagt Gernot Oberthaler. Im September ist auch ein Informationsabend für die Bevölkerung geplant, bei dem die wissenschaftlichen Ergebnisse präsentiert werden. Im Spätherbst soll die Gedenkstätte in Kemeten eröffnet werden.

Romatag: Sobotka will Denkmal für Lackenbach

Vor 50 Jahren fand der erste Roma-Welt-Kongress in London  statt.    Es war ein erster Schritt für die Rechte der Volksgruppe. Aus diesem Anlass lud Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka zur virtuellen Veranstaltung „50 Jahre Romapolitik - Romnja und Roma in der EU. Chancen und Herausforderungen“ ins Parlament. Es ging nicht nur um einen Rückblick, sondern auch um einen Ausblick in die Gedenkkultur, den Kampf gegen den Antiziganismus sowie die Absicherung von Identität, Sprache, Kultur und der sozialen Struktur der   Volksgruppe. 

Gedenkkultur

Es sei wichtig, das Bewusstsein über die Ermordung von Roma und Sinti durch die Nationalsozialisten  in der Gesellschaft zu verankern. Das Anhaltelager Lackenbach im Burgenland sei ein „Stachel im Fleisch“, sagte der Nationalratspräsident. Es werde notwendig sein, ein nationales Denkmal der Erinnerung sowie ein Zeichen für den andauernden Kampf gegen den Antiziganismus von Seiten der Republik zu setzen, betonte Sobotka.
Der Antiziganismus sei in den EU-Mitgliedsländern unterschiedlich stark ausgeprägt, wobei es keine Sanktionen für jene Länder gebe, die nichts dagegen tun, wie die Leiterin der Romapastoral der Diözese Eisenstadt Manuela Horvath erklärte. Die Diskriminierung habe  zwar abgenommen, jedoch hätten beinahe alle der sechs Millionen Roma in der EU  Erfahrungen damit gemacht.   

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