© APA/HANS PUNZ

Chronik Burgenland
03/04/2021

FPÖ wirft Ex-Klubchef raus: Die Hintergründe

Nach einem KURIER-Interview wird Landtagsabgeordneter Géza Molnár (re.) von Bundesparteichef Norbert Hofer (Mitte) wegen "Gefahr im Verzug" aus der Partei geworfen. Klubchef Tschürtz (li.) ist zufrieden.

von Thomas Orovits

Wer im Burgenland für den FPÖ-Parteivorsitz kandidiert, muss sich nicht nur auf blaue Flecken einstellen, sondern gar ums politische Überleben fürchten. Ex-Landtagsmandatar Manfred Haidinger traute sich im März 2020 beim Landesparteitag in Neudörfl gegen Bundesparteiobmann Norbert Hofer in den Ring und verlor. Monate später wurde Haidinger – im zweiten Anlauf – aus der Partei geworfen. So wie Chefs von Bezirks- und Vorfeldorganisationen.

Landtagsabgeordneter Géza Molnár rang im vergangenen November beim Parteitag in Güssing mit Alexander Petschnig um den Chefsessel (Hofer hatte den Landesvorsitz nach einem halben Jahr entnervt hingeschmissen) und musste sich hauchdünn geschlagen geben. Jetzt wurde Molnár gefeuert.

Aber warum? Und wie reagiert er darauf?

Bundesparteiobmann Hofer habe Molnár "aufgrund parteischädigenden Verhaltens bei Gefahr im Verzug" am Mittwoch ausgeschlossen, hieß es am Donnerstag in einer während der Landtagssitzung verschickten Aussendung.

Zwei Gründe wurden für den Rauswurf genannt: Molnár weigere sich seit der Landtagswahl im Jänner 2020 "seinen Pflichten als Mandatar nachzukommen". Freilich: Der Landtag tagt seit Monaten nur in halber Besetzung, für die zwei blauen Sitze haben sich Klubobmann Hans Tschürtz und Parteichef Petschnig nominiert, ebenso für den U-Ausschuss zur Commerzialbank.

KURIER-Interview

Zudem, so der zweite Vorwurf, habe Molnár "Parteiinterna nach außen" getragen, zuletzt in einem Zeitungsinterview. Molnár hat am Dienstag im KURIER Themen angesprochen, die bereits bei den Parteitagen öffentlich diskutiert worden sind. Zum Beispiel die angebliche Kluft zwischen oben und unten: "Der Ehrenamtliche soll laufen und schweigen, während oben die Posten untereinander verteilt werden (...) Wenn die Klubführung engstes privates oder familiäres Umfeld anstellt und die am brutalsten behandelt, die Bedenken äußern, sagt das viel."

Darauf wurde im "Entlassungsschreiben" an Molnár nicht eingegangen.

Wie geht es jetzt weiter in der tief gespaltenen FPÖ? Der an Corona erkrankte Molnár, der am Donnerstag nur von Journalisten über seinen Ausschluss informiert wurde, wird sich wohl wehren. Er kann laut FPÖ-Statut im Vorfeld der nächsten Sitzung des zuständigen Bundesparteivorstands zu den Ausschlussgründen schriftlich Stellung nehmen. Erst dann fällt der Vorstand eine Entscheidung.

Auf sein Mandat im Landtag wird er nicht verzichten.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.