© Roland Pittner

Chronik Burgenland
10/31/2019

Der burgenländische (Wahl)kampf um den öffentlichen Verkehr

Drei Parteien wollen flächendeckenden Ausbau des öffentlichen Verkehrs – nur beim Wie sind sie sich nicht einig.

von Michael Pekovics

Wer (autofreie) Mobilität für die Bevölkerung will, muss für öffentlichen Verkehr sorgen. Zumindest in diesem Punkt sind sich die burgenländischen Parteien einig. Und auch darin, dass es ohne Unterstützung der öffentlichen Hand so gut wie unmöglich sein wird, ein flächendeckendes Angebot im Burgenland zu schaffen.

Wie dieses konkret aussehen könnte, ist eines der bestimmenden Themen im anlaufenden Wahlkampf zur Landtagswahl am 26. Jänner. Sowohl SPÖ als auch ÖVP und Grüne touren durch das Land, um Werbung für die eigenen Konzepte zu machen.

Grund genug, einen Blick auf die unterschiedlichen Ansätze zu werfen. Denn in einem sind sich die drei Parteien einig: Das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln soll breiter werden. Über das Wie scheiden sich allerdings die Geister. Auch deshalb, weil die Anforderungen im Norden anders gelagert sind als im von Streusiedlungen dominierten Süden.

SPÖ informiert über die Gemeindebusse

Die SPÖ setzt auf den Ausbau der vom Land teilweise um bis zu 30.000 Euro geförderten Gemeindebusse, die bereits in 34 vorwiegend südburgenländischen Kommunen im Einsatz sind und jährlich rund 110.000 Personen befördern. Dazu finden derzeit flächendeckend in allen Bezirken Mikro-Öffi-Workshops statt, um auf lokale Bedürfnisse abgestimmte Angebote zu entwickeln. Die Kosten für den laufenden Betrieb der Busse sind von den Gemeinden zu tragen.

ÖVP setzt auf den Burgenland-Bus

Für die ÖVP wiederum liegt die Lösung im „Burgenland-Bus“, per Definition „kleine, gemeindeübergreifende Regionalbusse mit hoher Frequenz“. Dieser soll eine Art „Stadtbus“ für alle Regionen des Burgenlandes sein: kleine Linienbusse, die die Menschen im Land zielgerichtet und gut getaktet transportieren können. Die Kosten für das Land für eine flächendeckende Einführung sollen bei rund 10 Millionen Euro liegen, 70 dieser Busse sollen damit laut ÖVP betrieben werden können.

  • Burgenland-Busse einführen
  • Park & Drive/Ride ausbauen und um Bike & Ride Anlagen erweitern
  • Bahnstrecken reaktivieren
  • die Steiermark in den Verkehrsverbund Ost integrieren
  • den Nord-Süd-Bus einrichten
  • Expresszüge zum Flughafen und nach Wien einführen
  • burgenländische Pendler entlasten

Grüne verbinden Verkehr mit Klimaschutz

Die Forderung nach einem regionalen Bussystem steht auch im Mobilitätskonzept der Grünen, das den Titel "Klimaschutz-Verkehrsentwicklungsprogramm" trägt. Zusätzlich ist darin allerdings auch die Schaffung eines flächendeckenden Bahnnetzes vorgesehen. Im Programm enthalten ist auch die Verknüpfung von Verkehrs- und Klimapolitik, weil laut den Grünen beinahe zwei Drittel aller CO2-Emissionen im Burgenland aus dem Pkw-Verkehr stammen.

  • Schaffung eines Bahnnetzes im ganzen Bundesland
  • Regionale Bussysteme, die Gemeinden mit den Bahnknoten verbinden
  • Zumindest stündliche Anbindung aller Gemeinden durch öffentliche Verkehrssysteme
  • Abendangebote für das Heimkommen ohne eigenen PKW
  • Dichte Zugtaktung zu den Verkehrsknotenpunkten
  • Ausbau eines alltagstauglichen Radwegenetzes, auch für den Berufsverkehr
  • Sichere Radabstellplätze an den Bus- und Bahnstationen
  • Preislich günstige öffentliche Verkehrsmittel
  • Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden, vor allem für Fußgänger*innen
  • Ausbau des Ladenetzes für E-Mobilität, auch im genossenschaftlichen Wohnbau

Jetzt sind Lösungen gefordert

Bleibt die Frage offen, warum es dieses von beinahe allen Parteien geforderte flächendeckende öffentliche Mikro-Verkehrssystem, das Gemeinden an regionale Zentren anbinden soll, in dieser Form noch nicht gibt. Ein vergleichbares Projekt, nämlich der Rote Bus im Bezirk Güssing, wurde 2010 wegen des hohen Finanzbedarfs und mangelnder Nachfrage eingestellt – die Schuld schoben sich SPÖ und ÖVP damals gegenseitig in die Schuhe.

Experten sind sich einig, dass es im Burgenland verschiedene Lösungen für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs brauchen wird, weil die Unterschiede im Land so groß sind: Im Norden gibt es hauptsächlich größere Gemeinden, die leichter anzubinden sind als südburgenländische Streusiedlungen mit teilweise bis zu 11 Ortsteilen pro Gemeinde.

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