Alle Zweitwagen des Burgenlandes aneinandergereiht, würden eine  Autokolonne ergeben, die der Distanz von Neusiedl nach Graz und wieder retour entspricht.

© APA/dpa/Wolfgang Kumm

Mobilität
10/22/2019

Ein Auto ist nicht mehr genug: Zahl der Zweitwagen verdoppelt

Im Jahr 2000 hatten Burgenlands Haushalte 33.342 Zweitwagen, heute sind es über 81.000.

von Stefan Jedlicka

Burgenländische Haushalte verfügen im österreichweiten Vergleich über die mit Abstand meisten Zweit- und Drittwagen. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl mehr als verdoppelt, wie eine aktuelle Analyse des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Als Grund dafür sehen die Verkehrsexperten mangelnde Infrastruktur im ländlichen Raum.

81.544 Zweitwagen

Auf 1.000 Haushalte im Burgenland kommen bereits 653 Zweitwagen. Das ist im Bundesländer-Vergleich mit Abstand die höchste Zahl. In Niederösterreich etwa sind es 547 Zweitwagen pro 1.000 Haushalte. In den westlichen Bundesländern deutlich weniger: 342 in Vorarlberg, 339 im Land Salzburg und 337 in Tirol.

Zweitwagen waren vor 20, oder 30 Jahren ein Zeichen von Wohlstand. Heute ist ein hoher Anteil von Haushalten mit Zweitwagen vor allem ein Indiz von Mangel“, sagt VCÖ-Experte Markus Gansterer. „Ein Mangel an Nahversorgung und an öffentlichen Verkehrsverbindungen. Die Mobilitätsprobleme der Regionen sind häufig auch die Folge der Zersiedelung. Ortskerne und Nahversorgung wurden in der Vergangenheit vernachlässigt, Supermärkte und Wohnsiedlungen entstanden an Orten, die oft nur mit dem Auto gut erreichbar sind.“

Wenig unterwegs

Burgenlands Zweitwagen werden im Schnitt nur rund 5.500 Kilometer pro Jahr gefahren. Sie stehen damit statistisch betrachtet 23,5 Stunden am Tag still. Gansterer rechnet vor: „Zweitwagen belasten das Haushaltsbudget und benötigen viel Platz. Alle Zweitwagen des Burgenlands aneinander gereiht ergeben eine rund 400 Kilometer lange Autokolonne. Das entspricht der Distanz von Neusiedl nach Graz und wieder retour.“

Zu wenige Radwege

Der VCÖ sieht daher die kommende Bundesregierung gefordert, das öffentliche Verkehrsangebot in ländlichen Regionen zu verbessern. Aufgrund der zunehmenden Flexibilisierung der Arbeitszeiten auch außerhalb der klassischen Pendlerzeiten. Nötig sei zudem eine verkehrssparende Raumordnung, die die Ortskerne und die Nahversorgung stärkt und die Zersiedelung stoppt.

Weiteres Manko in vielen Regionen sei die fehlende Rad-Infrastruktur, sagt Gansterer. „Vier von zehn Autofahrten sind kürzer als fünf Kilometer. Eine Distanz, die viele mit dem Rad fahren können, vorausgesetzt es gibt Radwege.“

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