© Thomas Orovits

Chronik | Burgenland | Regionalumfrage
07/22/2019

Öffis im Burgenland: Schlusslicht Süden, Spitzenreiter Norden

In Sachen Mobilität gibt es im Burgenland viele Herausforderungen und große regionale Unterschiede.

Die Frage nach der Mobilität der Zukunft und die Entwicklung des Verkehrs sind eng miteinander verknüpft. Generelle Herausforderungen und Themen wie Umwelt und Kosten stoßen im Burgenland auf zusätzliche Problemfelder. Denn wie in so vielen anderen Bereichen auch, gibt es starke regionale Unterschiede.

Da wäre zum Beispiel die Erreichbarkeit der Bezirkshauptstädte mit öffentlichen Verkehrsmitteln in der schulfreien Zeit. Die ist in weiten Teilen Österreichs generell schlecht. Negativer Spitzenreiter ist jedoch der Bezirk Jennersdorf, wo gerade elf Prozent der Bevölkerung das Zentrum innerhalb von 30 Minuten mit Öffis erreichen (an Schultagen 67 Prozent); im benachbarten Güssing sind es 36 Prozent.

Auf der anderen Seite befinden sich mit Mattersburg (88 Prozent/90 Prozent an Schultagen) und Oberpullendorf (77/85 Prozent) zwei burgenländische Bezirke unter den österreichischen Top Ten, wie eine Analyse des Verkehrsclub Österreich ergeben hat.

E-Bike boomt...

Der VCÖ plädiert seit Jahren für den Ausbau der Öffis und vergibt jährlich den Mobilitätspreis. Heuer kann auch für das burgenländische Projekt „E-Radl – Frischluft tanken“ abgestimmt werden: 90 Pendler testeten E-Bikes auf ihrem Arbeitsweg, 87 Prozent davon waren mit der Erfahrung zufrieden. Weil rund die Hälfte aller burgenländischen Beschäftigten weniger als zwölf Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz fahren, haben Elektro-Fahrräder großes Potenzial für regionale Mobilität – gutes Wetter vorausgesetzt.

Großes Potenzial wird auch E-Pkw nachgesagt, die Anzahl der Neuzulassungen hält sich allerdings in Grenzen. 131 Fahrzeuge im ersten Halbjahr 2019 entsprechen einem Anteil von nur 2,5 Prozent. Das Burgenland ist damit aber in guter österreichischer Gesellschaft, Eisenstadt hat mit 3,5 Prozent Neuzulassungen nach Bregenz den zweithöchsten E-Auto-Anteil aller Landeshauptstädte. Burgenländisches Schlusslicht ist übrigens Güssing mit gerade einmal fünf neuen E-Pkw.

Im südlichen Burgenland ist die Mobilität eng an den Pkw geknüpft. Oder aber an regionale Angebote wie das Anruf-Sammeltaxi „Ökotrip/Mein Güssing Taxi“. Das Verkehrsangebot für Güssing, das untere Pinka- und Stremtal sowie Jennersdorf schließt seit 2014 Lücken im öffentlichen Verkehr, die Fahrgastzahlen steigen.

... Bahn auch

Im Burgenland wird auch mehr Bahn gefahren, zumindest im Norden. Das Südburgenland ist, mit Ausnahme von Jennersdorf, vom Personenverkehr abgeschnitten.

Die ÖBB verzeichneten 2018 ein Fahrgastplus von sechs Prozent in der Ostregion, die Raaberbahn beförderte erstmals mehr als eine Million Gäste, und auch die Neusiedler Seebahn legte auf über 800.000 Fahrgäste zu.