Martin Pucher in besseren Zeiten. 

© Georg Diener/Agentur Diener/Georg Diener

Chronik Burgenland
10/15/2020

Commerzialbank: Wie sich Pucher eine Tankstelle bauen ließ

Der Bank-Chef wollte Treibstoff für schlechte Zeiten lagern, sagte ein Beschuldigter vor der Polizei aus.

von Thomas Orovits, Kid Möchel, Dominik Schreiber

Wenige Tage nach Auffliegen des Bilanzskandals bei der Commerzialbank Mattersburg Mitte Juli hatte deren langjähriger Vorstandschef Martin Pucher wissen lassen, er mache keine anderen Personen für sein Fehlverhalten verantwortlich und übernehme für die behaupteten Malversationen die „volle Verantwortung“.

Seither hat sich aber immer mehr herauskristallisiert, dass Pucher offenbar nicht nur viele Mitwisser, sondern auch willfährige Helfer hatte – mittlerweile werden von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) zumindest zehn Personen als Beschuldigte im Ermittlungsverfahren geführt.

Einer von ihnen, ein 60-jähriger Unternehmer aus dem Bezirk Mattersburg, hat in seiner dem KURIER vorliegenden Einvernahme am 1. Oktober Einblick in das Trabantensystem rund um Pucher gegeben.

„Ich habe Martin Pucher alles geglaubt“, gab der langjährige Vertraute des Bankchefs vor der Polizei zu Protokoll. Und er habe im Umgang mit dem weder in der Bank noch beim Fußballklub SV Mattersburg Widerspruch duldenden Pucher „gelernt, dass ich gewisse Sachen ausblende“.

Treibstofflager für "schlechte Zeiten"

Diese selektive Wahrnehmung hat offenbar auch dazu geführt, selbst nachgerade grotesk anmutende Wünsche Puchers zu erfüllen. Der 60-jährige Eigentümer einer Warenhandelsgesellschaft, dem die WKStA „Geldwäscherei“ zur Last legt (es gilt die Unschuldsvermutung), habe 2005 auf seinem Firmengelände für Pucher „eine Tankstelle bauen müssen“. Der Bankchef wollte „Treibstoffe für schlechte Zeiten lagern“, die Tankstelle sollte offiziell für seine Warenhandelsgesellschaft benötigt werden.

„Wenn ich gesagt hätte, dass die Tankstelle für Pucher zur Hortung von Treibstoff dient, hätten alle geglaubt, dass ich blöd bin“, so der 60-jährige Nordburgenländer. Auf den Tankstellen-Kosten von fast 400.000 Euro sei er aber letztlich sitzen geblieben, obwohl Pucher zunächst zugesagt habe, die Errichtung zu finanzieren.

Andernorts will der Leichtgläubige von Pucher aber sehr wohl Geld erhalten haben: Rund 70.000 Euro habe ihm der Bankchef in mehreren Tranchen übergeben – Pucher fischte die Geldbündel stets aus der Schreibtischlade in der Commerzialbank Mattersburg. Der Unternehmer ging schnurstracks ins Erdgeschoß der Bank und zahlte die Beträge auf „sein“ Kreditkonto ein. Den Beleg brachte er Pucher.

In Wahrheit sei der Kredit aber für eine Recyclingfirma in Mattersburg gewesen, dessen Geschäftsführung der 60-Jährige übernommen hatte – Pucher hatte sie angeboten.

Keine Bereicherung, aber Zweifel

Er persönlich habe von diesem Konto nie etwas abgehoben, so der Pucher-Vertraute. „Bereichert habe ich mich nicht“, sagte er der Polizei.

Im Auftrag Puchers habe er „fünf Jahre lang“ auch Geld bei anderen Banken eingezahlt – jeweils 10.000 bis 15.000 Euro seien das gewesen. Zwei bis drei Touren habe er jährlich absolviert und bei jeder Tour drei bis 10 Filialen unterschiedlicher Banken aufgesucht. Nach dem „Sinn, Zweck oder anderen Dingen“ habe er bei Pucher nie nachgefragt.

Allerdings, so der Beschuldigte, war ihm „irgendwie klar“, dass all das „nicht ganz korrekt war“.

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