© Kurier/Jeff Mangione

02/05/2021

Bodenversiegelung: Widerstand gegen die "Flächenfresser"

Vor allem der Bau neuer Gewerbebetriebe neben leer stehenden Objekten sorgt für Kritik.

von Claudia Koglbauer-Schöll, Roland Pittner

Grund und Boden ist ein rares Gut. Trotzdem scheint der Bodenversiegelung im Burgenland kaum jemand Einhalt zu gebieten. Supermärkte bauen nur wenige Meter vom alten Standort neue Filialen und schließen die alten. Auch sonst werden viele Shoppingcenter auf die grüne Wiese gebaut. Laut Baulandbilanz von 2020 werden von 396.180 Hektar Gesamtfläche des Burgenlandes 20.283 Hektar als Siedlungsfläche und 2.296 Hektar für Betriebs-und Industriegebiete genützt, Tendenz steigend. Trotzdem stehen laut Umweltbundesamt österreichweit rund 40.000 Hektar an Immobilienfläche leer.

In Müllendorf investiert die Firma Garbe Industrial Real Estate 28 Millionen Euro in eine Logistikimmobilie im Businesspark. Die Hallenfläche soll 31.500 Quadratmeter betragen. 89 Pkw-Stellplätze und 15 Lkw-Warteplätze sollen neben der Halle aus asphaltiert werden. Baubeginn ist im zweiten Quartal 2021. Zeitgleich will die Lebensmittel-Kette Lidl ihr Logistikzentrum in Müllendorf mit 30.808 Quadratmetern Fläche endgültig geräumt haben. „Der Umzug ist bereits im vollen Gange. Die weitere Nutzung des Grundstücks und des Logistikzentrums in Müllendorf ist nach wie vor offen“, erklärt ein Unternehmenssprecher dem KURIER.

Kritik

Schon seit Jahren üben die Grünen im Burgenland Kritik am steigenden „Flächenfraß“ Sie fordern eine Obergrenze der Versiegelung pro Tag und die gesetzliche Festlegung von Abriss- und Entsiegelungskautionen. „Es fehlt ein gutes Raumplanungsgesetz, in Salzburg wurde das geschafft, auf der grünen Wiese wird dort viel weniger gebaut“, sagt der Grüne-Landtagsabgeordnete Wolfgang Spitzmüller.

Er sieht in den nächsten Jahren viele Ruinen die Landschaft prägen – „es ist ein Riesenproblem und wir verlieren die landwirtschaftlichen Flächen“. Fruchtbarer Boden, wie in Müllendorf werde vernichtet. „Gesetzliche Handhabe habe man dagegen keine“, meint Spitzmüller. Die Problematik ziehe sich durchs ganze Burgenland.

Neuer Businesspark

Im Bezirk Oberpullendorf sorgt ein geplanter interkommunaler Businesspark für Debatten. Bei der Bewegung für ein lebenswertes Oberpullendorf (BLOP!) sei man „nicht dagegen“, betont Dietmar Csitkovics von der Plattform. Die Sorge, dass der Ortskern durch die neuen Geschäftsflächen ausstirbt, ist aber da. Die Bewegung habe bereits Ideen, wie man dem entgegenwirken könne – wie etwa einen Bauernmarkt mit „Erlebnischarakter“.

Das Gewerbegebiet soll zwischen Oberpullendorf und Steinberg-Dörfl entstehen, mit Unterstützung von Land und WiBuG. Interesse am Standort gebe es von einem Fast-Food-Betreiber ebenso wie von einer größeren Möbel- und einer Supermarktkette. Kritiker führen dagegen die leer stehenden Betriebsflächen im einstigen Fachmarktzentrum im wenige „hundert Meter entfernten“ Stoob-Süd ins Treffen.

Von den 28 Gemeinden des Bezirkes haben bisher 21 ihre Beteiligung am Businesspark bekundet. Sie sollen sich die Haftungen der Darlehen für die Errichtung ebenso teilen wie anfallende Kommunalsteuern. Um die Bodenversiegelung zu bremsen, habe man sich geeinigt, dass für jene Flächen, die für den Businesspark benötigt werden, bestehende Baulandwidmungen in den Gemeinden in Ackerland rückgewidmet werden, erklärt ein Sprecher von Infrastrukturlandesrat Heinrich Dorner (SPÖ).

Auch im Privatbereich habe man Maßnahmen für „bodenverbrauchsparendes Bauen“ gesetzt. Wird ein bestehendes Objekt durch einen Neubau ersetzt, werden Abrisskosten ersetzt. Angehoben werden sollen die Fördersätze für Bauten im Ortskern, um eben diese zu beleben. Vorgesehen sei zudem „ein umfassendes Leerstandsmanagement“ im Land. Eine Entsiegelungsprämie sowie eine Aufforstungsprämie würden derzeit geprüft. Einen konkreten Zeitplan für die Realisierung der Maßnahmen gibt es nicht. „Das ist für diese Legislaturperiode geplant“, heißt es aus dem Büro des Landesrates.

Platz machen für die Straße 

Nicht nur Gewerbebetriebe und Wohnhäuser, auch der Verkehr würde immer mehr Flächen beanspruchen und verursache ein „wachsendes Umweltproblem“, heißt es vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ). 

Straßen und Parkplätze nehmen österreichweit  eine Fläche von 1.983 Quadratkilometer in Anspruch, was knapp der fünffachen Fläche von Wien entspreche. Gemessen an der Bevölkerungszahl ist der Flächenverbrauch für den Straßenverkehr im Burgenland am größten: Laut einer Analyse von 2020 kommen   pro  Einwohner 522 Quadratmeter Straßen. Insgesamt seien die für Straßen und Parkplätze verbrauchten Flächen von 15.066 Hektar im Jahr 2015 auf mehr als 15.300 Hektar gestiegen. 

Infrastrukturlandesrat Heinrich Dorner (SPÖ) kontert: „Mehr als ein Drittel der Fläche im Burgenland ist naturschutzrelevantes Gebiet, genau 35,36 Prozent. Das ist österreichweit einzigartig und zeigt, welchen Stellenwert der Naturschutz in unserem Bundesland einnimmt.“  Zudem seien bei  bestimmten Vergleichszahlen vom VCÖ wichtige Faktoren außer Acht gelassen worden. Es sei klar, dass die Ausgangslage im Burgenland „ganz allgemein und speziell im Bereich Verkehr“ eine andere sei als in Großstädten. 
Auf Auto angewiesenIm  Burgenland seien  viele Pendler aufgrund der Struktur  des Landes mit Städten mit vergleichsweise geringer Einwohnerzahl auf das Auto angewiesen. Daher brauchen es künftig  „einen klugen Mix im Verkehrsbereich aus modernen und sicheren Straßen und öffentlichen Verkehrsmitteln – mit starkem Fokus auf klimafreundlichen Akzenten“.

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