Asbest: Steinbrüche wollen wieder aufsperren

Land und Greenpeace hätten unseriös gemessen, kritisieren Betreiber der vier behördlich geschlossenen Steinbrüche. Sie fordern Luftmessungen bei Vollbetrieb und sind überzeugt, unter den Grenzwerten zu bleiben.
Steinbruch Pilgersdorf

Seit 1967 besteht der Steinbruch in Pilgersdorf, die letzte Erweiterung ist rund 15 Jahre her. Aber seit dem Jahreswechsel steht der Betrieb still. „Das tut mir im Herzen weh“, sagt Betriebsleiter Frank Eichhorn am Montag, während er den Blick über das 13 Hektar große Gelände schweifen lässt. Die behördliche Schließung sei nicht gerechtfertigt, betont er.

Wie berichtet, hat die Bezirkshauptmannschaft im November 2025 im Zuge von Material- und Bodenproben (§ 175 Mineralrohstoffgesetz) in insgesamt vier Steinbrüchen Asbest gefunden. Per Mandatsbescheid wurden die Betreiber in Bernstein, Badersdorf, Rumpersdorf und Pilgersdorf aufgefordert, Gewinnung, Abbau und Aufbereitung sofort einzustellen. Die Eigentümer der Betriebsstätten haben gegen den Bescheid Einspruch (juristisch: „Vorstellung“) erhoben.

Das Land hat daraufhin drei Gutachten in Auftrag gegeben, um einen weiteren Bescheid erlassen zu können, den die Steinbruchbetreiber dann allenfalls vor Gericht bekämpfen können. Dieser Bescheid dürfte bis zum Sommer vorliegen.

"Falsche Methode"

Lange haben die Steinbruch-Betreiber nur mit der Behörde kommuniziert, sich in der Öffentlichkeit aber rar gemacht. Jüngst haben sich die Abbaubetriebe jedoch zur ARGE Naturgestein zusammengeschlossen und gehen in die Offensive – gegen das Land und die Umweltschutzorganisation Greenpeace, die seit Jänner in der Causa kräftig mitmischt, zum Missfallen der ARGE und des Landes.

Die Messungen des Landes, die zur Schließung der Steinbrüche führten, und die Schotter- und Gesteinsproben von Greenpeace auf mehreren öffentlichen Plätzen im Land seien „weder fachgerecht noch professionell“ gewesen, kritisiert Martin Kirschbaum. Der Gastdozent an der Uni Aachen und Sachverständige für Bergbau, Steine und Erden, hält die Messwerte für wissenschaftlich „nicht validierbar“. 

Steinbruch Pilgersdorf

Bürgermeister Ewald Bürger, Dozent Martin Kirschbaum, Frank Eichhorn und Gerhard Horn (v. li.) im Steinbruch Pilgersdorf.

Der natürliche Stoff Asbest komme in zahlreichen Gesteinen in gebundener Form vor und sei „als solcher vollkommen unbedenklich“. Deshalb gebe es für Asbest im Gestein auch keinen Grenzwert. Potenziell gefährlich werde das Mineral nur als mikroskopisch kleine Faser, nachdem es gesägt oder gefräst worden sei.

Das Land habe vor der Schließung nur den Massegehalt im Gestein gemessen, nicht den Gehalt von Asbestfasern in der Luft, der im grünen Bereich liege. Dieser sei für Arbeitnehmer- und Anrainerschutz entscheidend. In den aktuellen Messungen des Landes wird auf Asbestfasern in der Luft abgestellt.

Das Vorgehen von Greenpeace bewertet Kirschbaum als „Aktionismus“. Aus dem Schotter, etwa bei der Klinik Oberwart, seien einzelne Steinchen herausgenommen und untersucht worden: „Das ist statistisch nichts wert“. Es passe auch nicht zusammen, dass Messungen in den Steinbrüchen vor der Schließung immer unterhalb der Grenzwerte gewesen seien, auf einem Parkplatz aber plötzlich 50 Prozent Asbestbelastung festgestellt werde. „Woher kommt diese wundersame Asbestvermehrung?“

„Enormer Schaden“

Dass die Steinbrüche seit mittlerweile vier Monaten geschlossen sind, verursache einen „enormen wirtschaftlichen Schaden“, sagt Gerhard Horn verantwortlich für die Abbaustätten in Badersdorf und Rumpersdorf. Allein im letztgenannten Steinbruch liege der Schaden bei rund 350.000 Euro. In allen vier Steinbrüchen waren 45 Mitarbeiter beschäftigt, die meisten wurden schon gekündigt. Wenn die Schließung andauere, seien Konkurse zu befürchten, so Horn.

Was sich die Betreiber wünschen? Die Mandatsbescheide sollten aufgehoben werden. Und sonst: Sie haben einen Probebetrieb beantragt, um bei Vollbetrieb Luftmessungen durchzuführen, die grünes Licht geben würden, sind sie überzeugt. 

Das wünscht sich auch Pilgersdorfs ÖVP-Bürgermeister Ewald Bürger. Nicht nur, weil der Gemeinde durch die Schließung 20.000 bis 30.000 Euro Steuern und Abgaben entgehen, sondern weil „Familien“ am Betrieb hängen.

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„Die nach wissenschaftlichen Standards gezogenen Greenpeace-Proben zeigen brüchige Asbestfasern an stark strapazierten Oberflächen. Klarerweise landen hier krebserregende Asbestfasern in der Luft“, sagt Greenpeace-Umweltchemiker Herwig Schuster.  Die Betreiber müssten einsehen, „dass das Geschäftsmodell Asbestschotter keine Zukunft hat“. Eine Wiedereröffnung sei „undenkbar“.

Auch Land reagiert

Die Kritik der Betreiber sei „nicht nachvollziehbar“, hieß es in einer Aussendung des Landes. Die Sperre erfolgte aufgrund von „Gefahr in Verzug, da bei sämtlichen untersuchten Material- und Bodenproben durch ein Fachlabor Asbest nachgewiesen wurde“. Da eine Gesundheitsgefährdung nicht ausgeschlossen werden konnte, sei ein sofortiges Handeln der zuständigen Behörden bei noch laufenden Verfahren „erforderlich“ gewesen.

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