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Greenpeace warnt und fordert: Steinbrüche als Asbest-Deponien

Die Umweltschutzorganisation fordert Sofortmaßnahmen des Landes. Während in Ungarn und NÖ bereits reagiert werde, bleibe das Burgenland untätig.
Mehrere dunkle Steine mit einem auffälligen, faserigen, weißen Stein in der Mitte.

Die Asbest-Debatte im Burgenland bekommt neue Brisanz. Greenpeace verweist in einer neuen Aussendung auf sieben nach Angaben der Umweltschutzorganisation mit Asbest belastete Schotterflächen im Burgenland. Betroffen seien demnach Flächen in Neumarkt im Tauchental, Deutschkreutz, Horitschon, Steinberg-Dörfl, Holzschlag, Stadtschlaining und Kaisersdorf.

Greenpeace fordert von der burgenländischen Landesregierung Sofortmaßnahmen. Das belastete Material müsse gesichert und fachgerecht saniert werden. Die Organisation kritisiert, dass in Ungarn und Niederösterreich rascher reagiert werde, während im Burgenland weiterhin offenliegender Asbestschotter geduldet werde.

Zwei Lkw-Heckansichten mit gelben Reflektoren stehen auf einem Schotterplatz, zwischen ihnen wächst etwas Gras.

Greenpeace warnt vor Asbestschotter in sieben burgenländischen Gemeinden. Streit gibt es weiter über Gesundheitsrisiken und Messmethoden.

„Die burgenländische Landesregierung versucht hingegen weiterhin, den Skandal auszusitzen“, sagt Stefan Stadler, wissenschaftlicher Experte bei Greenpeace. Anrainerinnen und Anrainer würden mit asbestverseuchtem Schotter vor ihren Häusern im Stich gelassen, Behörden und Politik redeten das Problem klein.

Verweis auf Ungarn und Niederösterreich

Greenpeace verweist in der Aussendung erneut auf die Situation in Ungarn. Dort sei mittlerweile in rund 30 Städten und Gemeinden Asbestschotter nachgewiesen worden. In Szombathely hatte der Bürgermeister wegen einer mit Asbest belasteten Schotterstraße bereits den Gesundheitsnotstand ausgerufen. Laut früheren KURIER-Berichten wurden dort bei Messungen extrem hohe Asbestkonzentrationen festgestellt; betroffene Flächen wurden unter anderem gewässert, für Teile der Straßen wurden Beschränkungen verhängt.

Auch Niederösterreich wird von Greenpeace als Gegenbeispiel genannt. In Aspangberg-St. Peter sei auf einer geschotterten Zufahrt zu einer Siedlung Asbest nachgewiesen worden. Bürgermeister Bernhard Brunner habe bereits zugesichert, die Zufahrt sanieren zu lassen. In landeseigenen Tourismusbetrieben seien Schotterstraßen laut Greenpeace sogar entfernt worden, bevor Laborergebnisse endgültig vorlagen.

Streit über Risiko und Messmethoden

Im Burgenland wird seit Monaten über die Bewertung der Asbestfunde gestritten. Vier Steinbrüche in den Bezirken Oberwart und Oberpullendorf sind seit Jahresbeginn behördlich gesperrt. Grundlage waren Material- und Bodenproben, bei denen Asbest festgestellt worden war. Die Betreiber haben die Schließungen bekämpft und zuletzt die angewandten Messmethoden kritisiert. Aus ihrer Sicht müsse vor allem die tatsächliche Freisetzung von Fasern in die Atemluft beurteilt werden.

Auch das Land argumentiert seit Beginn der Causa, dass nicht allein das Vorhandensein von Asbest im Gestein entscheidend sei, sondern die Belastung der Luft. Die Taskforce „Vorsorgeabklärung Luftqualität“ führt dazu Messungen durch. Nach der ersten Messreihe hatte das Land keine akute Gesundheitsgefährdung gesehen. Weitere Messungen bei wärmeren und trockeneren Bedingungen wurden angekündigt.

Greenpeace hält dem entgegen, dass gerade brüchiger Asbest im Schotter kritisch sei. Bei Trockenheit könnten bereits Wind, Verkehr oder Fußgängerinnen und Fußgänger Staub aufwirbeln. Dadurch könnten krebserregende Fasern in die Luft gelangen. Besonders in Hitze- und Dürreperioden sieht die Organisation ein erhöhtes Risiko.

Gutachten liegen bei Behörden

Parallel dazu läuft das Behördenverfahren rund um die vier geschlossenen Steinbrüche weiter. Wie berichtet, hat die Montanuniversität Leoben ihre Analysen der Gesteins- und Produktproben abgeschlossen und an die zuständigen Bezirksverwaltungsbehörden übermittelt. Insgesamt wurden 67 Gesteinsproben aus den Steinbrüchen sowie 46 Produktproben untersucht. Die Ergebnisse umfassen mehr als 1.200 Seiten und sollen nun mit weiteren Sachverständigengutachten die Grundlage für die weiteren Entscheidungen bilden.

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Was die Gutachten konkret für die Zukunft der gesperrten Steinbrüche bedeuten, ist noch offen. Die Behörden prüfen derzeit die Unterlagen. Erst danach wird entschieden, ob und unter welchen Bedingungen Betriebe wieder öffnen dürfen.

Greenpeace fordert Asbestdeponien

Greenpeace sieht nun auch Umweltminister Norbert Totschnig in der Pflicht. Es brauche eine Lösung für die fachgerechte Entsorgung der Asbestabfälle. Die Organisation fordert, die geschlossenen Steinbrüche in Asbestdeponien umzuwandeln. Österreich müsse sich dabei an Ungarn orientieren, wo der Umweltminister betroffene Orte bereits besucht habe.

Zuletzt hatte die Taskforce jedoch betont, dass für die gesundheitliche Bewertung Luftmessungen entscheidend seien und dass eine Gefährdung erst durch freigesetzte, einatembare Fasern entstehe.

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