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Asbest-Schotter: Greenpeace fordert Krisenstab vor Magyar-Besuch

Vor dem Wien-Besuch des ungarischen Premiers Péter Magyar erhöht Greenpeace den Druck. Die NGO fordert Krisenstab, Entsorgungslösungen und Unterstützung für Betroffene.
Zwei Hände mit blauen Handschuhen entfernen mit Metallwerkzeugen Moos von einem großen Felsen.

Die Asbest-Causa rund um Schotter aus burgenländischen Steinbrüchen entwickelt sich zunehmend zu einer grenzüberschreitenden Angelegenheit. Einen Tag vor dem offiziellen Besuch des ungarischen Ministerpräsidenten Péter Magyar bei Bundeskanzler Christian Stocker in Wien fordert Greenpeace einen Asbest-Krisenstab auf Bundesebene.

Magyar wird am Donnerstag im Bundeskanzleramt empfangen. Nach dem Arbeitsgespräch ist eine Pressekonferenz der beiden Regierungschefs geplant.

Aus Sicht von Greenpeace müsse Stocker das Thema zur Priorität erklären. „Es ist höchste Zeit, dass Bundeskanzler Stocker den Asbest-Skandal zur Priorität auf Bundesebene erklärt und einen Asbest-Krisenstab einrichtet“, sagte Stefan Stadler, wissenschaftlicher Experte bei Greenpeace Österreich. Nötig seien „kostengünstige und umweltverträgliche Möglichkeiten zur Entsorgung des Asbestschotters“. Österreich müsse auch den nach Ungarn exportierten Asbestschotter zurücknehmen. Für betroffene Unternehmen, Privatpersonen und Gemeinden brauche es Hilfsgelder für Sanierungen.

Causa weitet sich auf Ungarn aus

Hintergrund der Forderung ist die Ausweitung der Causa nach Ungarn. In mehr als 30 ungarischen Gemeinden und Städten sollen laut Greenpeace hohe Asbestwerte gemessen worden sein. Besonders betroffen sei Szombathely. Der dortige Vizebürgermeister László Győző sagte bei einer Online-Pressekonferenz, täglich würden neue Meldungen eingehen. Besonders kritisch sei die Lage im Olad-Plató-Viertel, wo eine 17 Kilometer lange Straße betroffen sei.

„Wir haben weder eine Benachrichtigung noch ausreichende Informationen aus Österreich erhalten und bitten daher um eine umfassende Untersuchung des Falls sowie um wirksame Unterstützung der österreichischen Behörden.“

von László Győző

Vizebürgermeister Szombathely

Bereits Anfang Mai hatte Greenpeace auf ungarische Luftmessungen verwiesen, bei denen Werte zwischen 35.000 und 292.000 Asbestfasern pro Kubikmeter Luft festgestellt worden sein sollen. Zum Vergleich empfiehlt die burgenländische Taskforce einen Maximalwert von 1.000 Fasern pro Kubikmeter als Orientierungswert.

Die ungarische Lungenfachärztin Edit Hidvégi warnte bei der Pressekonferenz vor den Gesundheitsrisiken. Aus Asbestschotter könnten krebserregende Fasern in die Luft freigesetzt werden. Diese könnten in die Lunge gelangen und Jahre später schwere Erkrankungen wie Lungenfibrose, Lungenkrebs oder Mesotheliom auslösen.

Greenpeace plädiert dafür, das Material zu entfernen und nicht bloß mit Asphalt oder Humus zu überdecken. Eine Überdeckung verschiebe das Problem nur. Zugleich fordert man rasche Entsorgungsmöglichkeiten für große Mengen Asbestmaterial.

Die betroffenen Steinbrüche hätten pro Jahr rund eine Million Tonnen asbesthaltiges Gestein produziert. Entsprechend groß sei die Menge an ausgebrachtem Material, das nun entfernt werden sollte, meinte Stadler. Laut ihm gebe es in Österreich nicht genügend Asbestdeponien; im Burgenland gebe es nur eine Asbestdeponie.

Für Privatpersonen, Unternehmen und Gemeinden verlangt Greenpeace finanzielle Unterstützung. Viele Betroffene könnten Sanierungen nicht allein stemmen. Stadler sprach sich für einen Hilfsfonds aus, etwa durch Öffnung des Katastrophenfonds. Es brauche einen Krisenstab, Entsorgungsmöglichkeiten und Hilfe für Betroffene.

Asbest-Debatte seit Jahresbeginn

Die Debatte beschäftigt das Burgenland seit Jahresbeginn. Anfang Jänner wurden vier Steinbrüche in den Bezirken Oberpullendorf und Oberwart behördlich gesperrt. Am 23. Jänner machte Greenpeace mehrere nach eigenen Angaben belastete Standorte öffentlich, darunter die Klinik Oberwart, den Skatepark in Rechnitz, einen Rastplatz bei Mogersdorf und einen Spielplatz in Oberpullendorf. Daraufhin richtete das Land Burgenland eine Taskforce ein.

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Zuletzt lagen im Behördenverfahren rund um die gesperrten Steinbrüche Gutachten der Montanuniversität Leoben vor. Untersucht wurden 67 Gesteinsproben und 46 Produktproben. Die detaillierten Ergebnisse umfassen mehr als 1.200 Seiten. Die zuständigen Bezirksverwaltungsbehörden prüfen diese Unterlagen derzeit weiter. Konkrete Angaben zu den Messergebnissen wurden mit Verweis auf laufende Verfahren bisher nicht gemacht.

In Großpetersdorf wurde inzwischen auf einer Schotterstraße ein erhöhter Asbestwert festgestellt. Die Fläche soll laut Land dauerhaft überdeckt und asphaltiert werden. Bis dahin wurden Maßnahmen zur Staubminimierung empfohlen, etwa Bewässerung bei trockenem Wetter. Nach Abschluss der Arbeiten sollen erneut Messungen durchgeführt werden.

Steinbruch behördlich geschlossen, Asbest Grenzwerte überschritten

Die Asbest-Causa rund um burgenländischen Schotter entwickelt sich zunehmend zu einem internationalen Thema. Greenpeace fordert nun einen Krisenstab auf Bundesebene.

Das Land Burgenland weist die Kritik von Greenpeace weiterhin zurück. In einer Aussendung warf das Land der Organisation zuletzt eine „Verunsicherungskampagne“ vor und verlangte eine sachliche Debatte auf Basis wissenschaftlicher Fakten.

Greenpeace sieht dagegen weiter akuten Handlungsbedarf. „Die Auswirkungen des burgenländischen Asbest-Skandals haben mittlerweile dramatische Ausmaße erreicht“, sagte Stadler. Es brauche volle Aufklärung, Transparenz und Soforthilfe für die betroffenen Menschen. Wegsehen oder Kleinreden seien keine Option mehr.

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