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Zeitreise
03/06/2021

So funktionierten Impfpass und Reisebeschränkungen anno dazumal

Pestpass, Sanitätsfede, Impfnachweis – der jetzt heftig diskutierte „Grüne Impfpass“ und die Reisebeschränkungen aus Seuchengründen hatten viele Vorläufer.

von Susanne Mauthner-Weber, Manuela Eber

Wer reisen wollte, brauchte viel Geduld, egal ob er Hochwohlgeboren oder Händler war. Denn am Cordon Sanitaire hingen sie alle wochenlang fest. Und warteten auf die Ausstellung ihres Gesundheitszeugnisses, Sanitätsfede genannt. Schon im 16. und 17. Jahrhundert war die Militärgrenze des Habsburgerreiches – obwohl knapp 2.000 Kilometer lang – ein Nadelöhr. Die Angst vor Infektionskrankheiten aus dem Osmanischen Reich war groß, zugleich bestanden aber auch rege Handelsbeziehungen zwischen beiden Reichen.

Im 18. Jahrhundert wurde sogar ein ständiger Seuchen-Kordon entlang der österreichisch-osmanischen Grenze errichtet, Cordon sanitaire genannt. „Überall, wo nicht Berge oder Flüsse potenziell infektiöse, feindliche Eindringlinge aufhielten, wurden Zäune errichtet. Nur an zwölf Sanitätsstationen war ein Durchkommen. Aber erst nach gründlicher Anamnese durch die dort stationierten Ärzte, die von Dolmetschern und Geistlichen unterstützt wurden“, berichtet Medizinhistorikerin Daniela Angetter-Pfeiffer.

Besonders hart hatte es die Reinigungsdiener getroffen: Sie mussten die Wolle, die eingeführt werden sollte, durchwühlen. Dann wartete man.

 

Erkrankte der Diener, wurde die Lieferung sofort verbrannt. War er drei Wochen später noch gesund, konnte der Händler samt Wolle und Reise-Freibrief die Grenze passieren. Angetter: „Erst wenn man absolut sicher sein konnte, dass weder von Personen, Tieren oder Waren Gefahr ausging, wurde ein solches Gesundheitszeugnis ausgestellt.“ Sanitätsfeden waren, erzählt die Medizinhistorikerin, nur einer der Vorläufer des jetzt heftig diskutierten „Grünen Impfpasses“.

Vor dem Impfausweis gab es bereits einen sogenannten Pestpass.

Daniela Angetter-Pfeiffer | Medizinhistorikerin

1679 – nach einer der ganz großen Pestepidemien in Wien – führten die Behörden diesen Pass ein, mit dem bescheinigt wurde, dass der Inhaber gesund ist. „Nur damit durfte man sich außerhalb von Wien frei bewegen und etwa nach Graz reisen“, weiß Angetter-Pfeiffer.

Geregelt und vorgedruckt

Zeitgleich mit dem Beginn der Massenimpfungen um 1800 begann auch die Zeit der Impfnachweise. Alles war geregelt und musste in vorgedruckte Formulare, für die die Buchdruckerei Josef Wimmer aus Linz sogar Werbung in Zeitungen machte, eingetragen werden: „Ignorierte jemand die Aufforderung zur Impfung, wurde das auch protokolliert. Schließlich wurden die Impf-Rapporte an die Behörden geschickt“, erzählt die Medizinhistorikerin.

Sogar die hohe Geistlichkeit wurde als Unterstützung eingespannt: „Die Pfarren mussten immer im März an die Behörden melden, welche Kinder im vergangenen Jahr geboren worden waren. So hatte man einen Überblick, wer geimpft werden musste.“ Schließlich waren an die Immunisierung Privilegien geknüpft (siehe Grafik).

Mehr Tote durch Seuchen als durch Krieg

Impfzwang gab es in Österreich nur für Soldaten: „Im Militär war man rigoros, in Folge des engen Zusammenlebens hatte man immer schon Panik vor Infektionskrankheiten. Denn in den Kriegen des 19. Jahrhunderts gab es die meisten Toten und Ausfälle nicht durch Kampfhandlungen, sondern durch Epidemien“, erzählt Angetter.

Während des Ersten Weltkrieges gab es daher große Impfaktionen im Militär. Der Impfausweis war wichtig, um einen Überblick zu haben, wer wogegen geimpft war und wann welche Auffrischungsimpfung fällig war.

Ansonsten setzte Österreich schon immer eher auf sanften Druck, um die Menschen zum Impfen zu bewegen – die Leistungen des Wohlfahrtsstaates gab es für die, die den Impf-Empfehlungen folgten. Bisher gelb und faltbar, vielleicht schon bald grün und elektronisch.

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