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Wissen Wissenschaft
01/19/2021

Kindergarten in Not: Zu wenig Personal, zu große Gruppen

Natascha Taslimi vom Netzwerk "elementare Bildung" über die Herausforderungen in den Kindergärten.

von Ute Brühl

Dass die Politik den Kindergarten in den vergangenen Jahren, ja Jahrzehnten, sträflich vernachlässigt hat, rächt sich jetzt. Qualifiziertes Personal zu finden, ist derzeit alles andere als einfach – auch, weil die Rahmenbedingungen für den Beruf nicht gerade attraktiv sind, wie Natascha Taslimi vom Netzwerk Elementare Bildung Österreich, dem Dachverband aller Kindergartenbeschäftigten, berichtet.

Doch nicht nur der Personalmangel macht den Kindergärten zu schaffen: „Wir brauchen flächendeckend Schnelltests für alle Berufsgruppen, die mit Kindern arbeiten.“ Jetzt würden zwar die Kindergärten nach und nach mit Tests ausgestattet: „Doch die selbstverwalteten Kindergruppen sowie die Tagesmütter und -väter bleiben außen vor“, kritisiert Taslimi. Auch an die sollte man denken.

Mehr als Tests schützen Impfungen vor einer Ansteckung mit SARS-CoV-2: „Dass Pädagoginnen und Pädagogen in Schulen und Kindergärten vorrangig geimpft werden, unterstütze ich – schließlich kann man gerade im Kindergarten nur schlecht die Abstandsregeln einhalten“, gibt sie zu bedenken.

Was den Kindergärten derzeit zudem zu schaffen macht: Einige Pädagoginnen – überwiegend arbeiten Frauen im Beruf – fallen derzeit aus, weil sie Risikopatientinnen sind oder ein Kind erwarten. Gleichzeitig sind in manchen Gruppen fast alle Kinder anwesend, in anderen immerhin die Hälfte. „Dass möglichst wenige Kinder aufeinandertreffen, ist so kaum möglich“, stellt Taslimi fest. Erschwerend kommt hinzu, dass wegen des Personalmangels Gruppen gemischt werden müssen – besonders in den Randzeiten.

Dass der Beruf so wenig attraktiv ist, habe die Politik zu verantworten: „Leider gibt es bis heute keine bundeseinheitlichen Rahmenbedingungen für die Kindergärten: Ausbildung – auch der Assistenten –, Gruppengrößen, Vorbereitungszeit: All das ist in jedem Bundesland anders geregelt.“

Vielen Menschen sei nicht bewusst, was Elementarpädagoginnen leisten und denken, das könne jeder, so Taslimi. Doch weit gefehlt. „Der Kindergarten ist die erste außerfamiliäre Bildungseinrichtung, in der Kinder viel lernen – nur eben nicht am Schreibtisch, sondern spielerisch.“ Dafür brauche es gut ausgebildetes Personal: „Auch die Weiterbildung an den Hochschulen sollte mehr geschätzt werden – und sich im Gehalt ausdrücken“, fordert sie.

Zudem seien die Gruppen derzeit viel zu groß, um diese Aufgabe bewältigen zu können: „Kleinere Gruppen würden den Beruf auch attraktiver machen, sodass mehr im Job bleiben.“ Ihr Wunsch: „Eine österreichweite Kampagne, die erklärt, was der Kindergarten ist – keine Aufbewahrungsstätte, sondern eine Bildungseinrichtung.“

ute Brühl

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