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Wissen
05/24/2021

Neue Matura: Plötzlich wird Mathe zum interessanten Fach

Michael Eichmair ist Uni-Professor und war maßgeblich am neuen Design der Reifeprüfung beteiligt. Ein Interview.

von Ute Brühl

Michael Eichmair hat den Doktor der Mathematik in Stanford (USA) gemacht, initiierte Schulprojekte wie „Mathematik macht Freu(n)de“ und  gestaltet gemeinsam mit der „Beratungsgruppe  Mathematik“ die  neue Matura.

KURIER: Am Freitag wurde die erste Mathematura im neuen Design geschrieben. Waren die Aufgaben zu einfach? Oder war es eine faire Matura?
Michael Eichmair:  Es war sicher eine faire Matura – das waren zumindest die Rückmeldungen, die ich bisher erhalten habe, wobei Fairness ein sehr subjektiver Begriff ist. Der Beratungsgruppe geht es darum,  Mathematik für Schülerinnen und Schüler zugänglicher zu machen. Die Aufgaben sollen so formuliert sein, dass man rasch versteht, worum es geht und was von einem verlangt wird. Gegen den Vorwurf, diese Matura sei geschenkt, verwehre ich mich.  

Hat sich  die Mathematik-Didaktik geändert?
Nein, so etwas  ist ein langfristiger Prozess. Was wir aber jetzt schon sehen: Der neue Prüfungsmodus fördert die Akzeptanz des  Matheunterrichts  bei der Schülerschaft. Sie hat plötzlich Interesse für die Teil-2-Aufgaben – nicht nur bei der Matura, sondern nach Aussagen vieler Lehrkräfte auch im Unterricht.  Bei der  Schularbeit im 2. Semester der 8. Klasse wurden  diese  Aufgaben  bearbeitet  und die jungen Menschen haben sich auch darauf vorbereitet. Schön, dass das aufgegangen ist.

Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Ein Grund ist bestimmt das neue Beurteilungsschema. Die vier Ausgleichspunkte, die man sich im Teil 2 sichern konnte, sind jetzt einfacher unmittelbar zugänglich: Die erste Aufgabe in dem Teil hat einen reduzierten Kontext, in der  es vier unabhängig zu erreichende Punkte gibt. Wenn sie die lösen, schöpfen Schülerinnen und Schüler Selbstvertrauen, mit dem sie an die weiteren Aufgaben herangehen. Die bereit gestellten Übungsaufgaben wurden im Unterricht gut angenommen.

Warum ist es wichtig, dass Schülerinnen und Schüler Teil 2-Aufgaben lösen können?
Komplexe Aufgaben sind besonders geeignet, um  den Stoff zu üben. Wenn man Klavier lernt, will man ja  auch nicht nur die Tonleiter beherrschen, sondern eine Melodie spielen können. Um beim Bild zu bleiben: Wenn uns gelungen ist, dass die jungen Menschen mit Interesse beim Fach sind und nicht sofort zumachen, weil sie denken, sie können das eh nicht, ist das Musik in meinen Ohren.

Immer noch schneiden Schüler im Schnitt besser ab als Schülerinnen.
Wir wissen, dass dafür vor allem unterschiedlich ausgebildete Selbstkonzepte verantwortlich sind. Daran muss man als Gesellschaft man arbeiten. Wer sich mehr zutraut, macht  bei der Matura auch mehr Punkte.

Ist der Mathematik-Lehrplan überladen? Sollten einige Themen nicht den Unis überlassen werden?
Im Lehrplan steht nichts, das ich für grundsätzlich überholt  halte. Mein Wunsch: Eine Unterrichtsstunde pro Woche mehr für jede Klasse – in der nur geübt und kein neuer Stoff gelernt wird. Wo das nicht möglich ist, muss man priorisieren. 

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