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Wissen
08/27/2019

Warum Israel Mammuts unter Artenschutz stellen will

Ein israelischer Vorschlag bei der Artenschutzkonferenz in Genf wirft Fragen auf. Es geht um den Schutz der bereits ausgestorbenen Mammuts.

Ausgestorben, ausgestorbener, am ausgestorbensten? Diese Steigerungsformen scheinen etwas skurril. In etwa vergleichbar mit tot und toter. In diesem Sinne klingt auch ein Vorschlag Israels bei der derzeit in Genf tagenden Weltartenschutz-Konferenz (Cites) ein wenig seltsam. Darin wird beantragt, das vor 4000 Jahren ausgestorbene Wollhaarmammut unter Artenschutz zu stellen. Was aber auf den ersten Blick wie ein Scherz klingt, hat einen ernsten Hintergrund. 

Durch die Erderwärmung schmelzen immer mehr Permafrostböden und legen Wollmammutkadaver frei. Bis zu 150 Millionen Mammuts könnten unter der Tundra liegen. Das Elfenbein ihrer Stoßzähne darf legal gehandelt werden. Schließlich sind die Urzeittiere bereits ausgestorben. Aus diesem Grund reisen findige Händler im Sommer nach Sibirien, um dort nach den Kadavern zu graben. Ihre Fundstücke exportieren sie fast ausschließlich nach China.

In China heiß begehrt

Dort ist Elfenbein heiß begehrt: Es wird zur Herstellung von traditionellen Schnitzkunstwerken verwendet. In der chinesischen Medizin wird dem Material zudem eine heilende Wirkung nachgesagt. Nachdem die Volksrepublik Ende 2017 den Elfenbeinmarkt zum größten Teil geschlossen hat, bietet Mammutelfenbein eine gute und legale Alternative. Es wird geschätzt, dass rund 50 Prozent des in China verkauften Elfenbeins von Mammuts stammen.

Ebenso wie legal gehandeltes Elfenbein, könnte auch das Elfenbein der Mammuts in Zukunft vermehrt dazu dienen, den Handel mit gewildertem Elfenbein zu vertuschen. Dem „weißen Gold“ ist nämlich schwer anzusehen, ob es von einem Mammut oder von einem frisch getöteten Tier stammt. Das weiß auch Ursula Göhlich von der geologisch-paläontologische Abteilung am Naturhistorischen Museum Wien: „Besonders bei verarbeiteten Elfenbein ist es oft gar nicht möglich einen Unterschied festzustellen.“

Unterschied schwer zu erkennen

Die Forscher im Naturhistorischen Museum sind immer wieder mit Stoßzähnen oder Kunstwerken aus Elfenbein konfrontiert. „Wir bekommen hier am Museum immer wieder Anfragen vom Zoll“, erzählt Göhlich. „Bei der Unterscheidung zwischen Mammut und Elefant ist der Verarbeitungsgrad des Elfenbeins entscheidend. Bei einem Stoßzahn ist der Unterschied oft schon an der Krümmung erkennbar.“

Die einzig sichere Methode um die Herkunft von verarbeiteten Elfenbein zu bestimmen, ist die Radiokarbonmethode. Alle lebenden Organismen nehmen nämlich, solange sie leben, Kohlenstoff auf. Kohlenstoff gibt es in drei Arten, C12, C13 und C14. Stirbt ein Mensch oder ein Tier, nimmt es ab diesem Zeitpunkt keinen Kohlenstoff mehr auf und das angesammelte C14 beginnt zu zerfallen.

„Für eine Untersuchung müsste man aber eine Probe des Materials entnehmen. Bei Kunstwerken ist das schwierig“, gibt Göhlich zu bedenken. Weder die Forscher und schon gar nicht die Verkäufer würden eine Beschädigung oder gar Zerstörung des Artefaktes in Kauf nehmen wollen.

Wilderei noch immer großes Problem

Würden Mammuts unter Artenschutz gestellt werden, wäre auch der Handel mit ihrem Elfenbein illegal. Somit könnte das Elfenbein von gewilderten Elefanten, auch nicht mehr als legales Mammutelfenbein getarnt verkauft werden. Ursula Göhlich steht hinter dem Vorstoß Israels: „Solange Elfenbein angeboten und verarbeitet wird, gibt es einen Bedarf an dem Material.“ Tatsächlich würde heutiges, gewildertes Elfenbein häufig als fossiles Mammutelfenbein verkauft werden. „Dadurch wird der Markt am Laufen gehalten. Deswegen wäre es ideal, wenn der Handel mit Elfenbein vollkommen untersagt wird. Denn dann wäre alles im illegalen Bereich“, meint die Naturwissenschafterin.

Laut der Weltnaturschutzunion (IUNC) ist die Wilderei die größte Bedrohung für die afrikanischen Elefanten. Ihre Zahl ist seit dem Jahr 1981 von rund 1,2 Millionen auf einen Bestand von nur noch 415.000 Tieren gesunken. Insgesamt ist die Zahl der Elefanten in Afrika zwischen 2006 und 2016 um 20 Prozent eingebrochen.