Eine einst von US-Präsident Theodore Roosevelt mitgebrachte Trophäe, ausgestellt in New York.

© AP/Kathy Willens

Chronik Welt
08/18/2019

EU-Abgeordnete für Verbot der Trophäenjagd auf bedrohte Arten

Zum Beginn der Weltartenschutz-Konferenz in Genf warnten Umweltschützer und Regierungsvertreter vor einem rasanten und nie da gewesenen Artensterben.

Dutzende Abgeordnete des EU-Parlaments und Umweltverbände haben von der Weltartenschutz-Konferenz in Genf ein Verbot der Trophäenjagd gefordert. In einem offenen Brief verlangten sie am Sonntag eine entsprechende Anpassung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens Cites. Zum Auftakt der Beratungen hatten Umweltschützer und Regierungsvertreter vor einem rasanten und nie da gewesenen Rückgang der Artenvielfalt gewarnt.

Vertreter der mehr als 180 Vertragsstaaten des Artenschutzübereinkommens beraten zwölf Tage lang in Genf über den Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Der Rückgang der Artenvielfalt weltweit sei "gefährlich" und "beispiellos", sagte Cites-Generalsekretärin Ivonne Higuero bei der Eröffnung der Konferenz am Samstag.

Jagdtrophäen im Fokus

Ein Schwerpunkt der Konferenz ist der illegale Handel mit Wildtieren, der vor allem im Internet boomt und das Artensterben mitverursacht. Mit ihrem offenen Brief an Cites-Generalsekretärin Higuero begannen die EU-Parlamentarier und Umweltverbände nun auch eine Debatte über den Umgang mit Jagdtrophäen, auch wenn das Thema in Genf eigentlich nicht auf der Agenda steht.

Mehr als 50 EU-Parlamentarier und ebenso viele Umweltschutzorganisationen riefen dazu auf, die Jagd auf bedrohte Tierarten zu verbieten. Sie beklagten, dass das Handelsverbot für die im Artenschutzabkommen genannten Tiere nicht für Jagdtrophäen gelte. Die Trophäenjagd sei eine "Multimillionen-Dollar-Industrie", sagte der Tierschützer Eduardo Goncalves.

Giraffe auf der Agenda

Die Jagd auf Wildtiere wie Nashörner, Elefanten oder Löwen ist in vielen afrikanischen Ländern erlaubt. Zum ersten Mal steht außerdem die Forderung auf der Agenda, den Schutzstatus der afrikanischen Giraffe festzulegen. Dies würde die Nachverfolgung und Regulierung des Handels mit Giraffen-Produkten ermöglichen. Es blieb zunächst unklar, ob der Schutzstatus auf der Konferenz genehmigt wird.

Das Washingtoner Artenschutzabkommen wurde 1973 geschlossen und regelt den internationalen Handel mit Wildtieren und -pflanzen. Es umfasst derzeit etwa 5000 Tier- und 29.000 Pflanzenarten.