Wissen
12.04.2018

Schulprojekt zeigt Kindern Umgang mit Hunden

Der Samariterbund Favoriten packt das Wissen über Hunde in einen lebendigen Sachunterricht.

Heller Parkett, Sprossenwand, Seile, Leitern, Basketballkörbe: Der Turnsaal der Volksschule Bernhardstal bietet das Übliche. Und doch ist heute etwas anders. Statt Leibesübungen steht Sachunterricht auf dem Stundenplan. Das "Anschauungsmaterial" kommt auf vier Pfoten. Luna und Merle haben bereits alles beschnüffelt.

Mit "Samariter-Hunde-Teams machen Schule" will der Samariterbund Favoriten Wiener Kindergartenkindern und Volksschülern "das richtige Verhalten im Umgang mit Hunden" vorzeigen.

Kleines Hunde-Ein-Mal-Eins in der Wiener Quellenstraße

In der Quellenstraße 142 schießen die Arme in die Höhe. "Fressen, Bett, Leine und Band für Hals", zählt einer der 24 Zweitklassler Zubehör auf. Im zehnten Wiener Gemeindebezirk haben die wenigsten Kinder ein eigenes Haustier. Isabella Eales, ehrenamtliche Samariterin, stellt sich mit ihrem Golden Retriever-Mix Luna schnell auf den Wissensstand ihres interessierten Publikums ein. Die Bilder über die Hundeberufe, die die ehemalige Lehrerin in Eigenregie für die Standardausrüstung gefertigt hat, bleiben im Rucksack.

Hier geht es um das kleine Ein-Mal-Eins: Wann braucht der Hund einen Maulkorb – nein, es heißt nicht Beißkorb. Doch, Hunde sehen gut, aber etwas verschwommen und kein Rot. Und das "Gackerl" entsorgt man mit einem "Sackerl" – das Wort ist hier für viele neu. Ja, Hunde hören besser als Menschen, mit 17 Muskeln können sie außerdem ihre Ohrmuscheln bewegen.

Pudelmischling Merle hört und versteht jedes Wort. Die siebenjährige Hündin aus dem Tierschutzhaus lässt sich von Samariterin Birgit Prohaska selbst ohne Laut an der Nase, also Schnauze, herumführen. Und folgt ebenso zuverlässig den Kommandos der Kinder. Die Aufmerksamkeit ist auf beiden Seiten groß. Sitz, Platz, Fuß – eine tierische Musterschülerin unter konzentrierten Volksschülern.

Geprüfte Teams

Merle ist für diesen Einsatz speziell trainiert und vom Messerli Forschungsinstitut der Vetmeduni Wien als Therapiebegleithund zertifiziert – alle Jahre wieder. Sie darf mit Kindern, Senioren und Menschen mit besonderen Bedürfnissen arbeiten. "Derzeit sind elf geprüfte Teams unterwegs, sieben befinden sich in Ausbildung, fünf warten schon", sagt Peter Erdle. Er hat das Therapiebegleithunde-Projekt beim Samariterbund, das mittlerweile auf hohem Niveau vereinheitlicht ist, vor 13 Jahren initiiert. An der Volksschule Bernhardstal hat es begonnen. "Im Alltag passieren viele Fehler. Es ist ungemein wichtig, dass die Kinder lernen, wie man einem Hund begegnet. Mit lebenden Tieren merken sie sich das", sagt der jetzige Direktor Horst-E. Pintarich.

Tatsächlich haben die Volksschüler in den 50 Minuten eine Menge über den besten Freund des Menschen gelernt. Dass Hunde mit dem Geruchssinn jedes Leckerli aufspüren – und sei es noch so gut in der Wuscheldecke versteckt. Dass Belohnung die beste Motivation fürs Ausführen von Anweisungen ist. Und dass Respekt vor Hunden geboten, Angst aber überflüssig ist.

Erfolg

Ein besonders furchtsamer Bursche führt Luna gerade stolz durch den Turnsaal. 40 Minuten davor war er den Tränen nahe, als er ein Plüschhündchen halten sollte. "98 Prozent der Kinder trauen sich zum Schluss hinzugreifen", sagt Eales. Mit Knuddeln und Streicheln – bitte immer nur vom Halsband abwärts – geht denn auch der Sachunterricht im Turnsaal zu Ende. Das Winterfell von Luna und Merle fühlt sich fantastisch an.