Wissen und Gesundheit
08.05.2017

BVI statt BMI: Die neue Körperfett-Formel

Eine neue Untersuchung bestätigt, dass auch bei normalem Body-Mass-Index (BMI) der Fettanteil zu groß sein kann. Experten entwickelten eine neue BMI-Alternative.

Es ist eine trügerische Sicherheit: Man stellt sich auf die Waage und ermittelt aus Gewicht und Größe seinen Body-Mass-Index. Doch auch ein BMI unter 25 (Normalgewicht, siehe Grafik) muss keine Entwarnung bedeuten: Denn man kann trotzdem eine ungesunde Fettverteilung – sprich: zu viel Fett im Bauchraum – haben. Umgekehrt berücksichtigt der BMI das Verhältnis von Fett- und Muskelgewebe nicht: Ein sehr großer, sehr muskulärer Mensch kann leicht fälschlicherweise als übergewichtig eingestuft werden – Muskeln sind schwerer als Fett.

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"Die Übergewichts-Epidemie könnte bloß die Spitze des Zu-viel-Fett-Eisbergs sein", schrieben kürzlich neuseeländische Forscher in einer Studie. Sie versuchten im FachmagazinFrontiers in Public Healtheine Abschätzung, bei wie vielen Menschen der Körperfettanteil zu hoch ist – und kamen dabei auf einen deutlich höheren Prozentsatz (bis zu 76 Prozent der Weltbevölkerung) im Vergleich zum Prozentsatz der Übergewichtigen und stark Übergewichtigen nach einer BMI-Berechnung.

Schwarzenegger wäre adipös

"Der Body-Mass-Index sagt nicht, wo sich das Fett im Körper befindet – und wie viel es ist", erklärt der Stoffwechselexperte Prim. Univ.-Prof. Friedrich Hoppichler, ärztlicher Direktor des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Salzburg. "Und besonders bei sehr kleinen und großen Personen ist er ungenau." Ein trainierter Arnold Schwarzenegger wäre laut BMI sogar adipös ("fettleibig") gewesen – hatte aber statt viel Fett viele Muskelmasse. Hoppichler rät deshalb, den BMI mit der Messung des Bauchumfangs (Werte siehe Grafik) zu kombinieren.

Neue Alternative

US-Wissenschafter haben – in Kooperation mit der Mayo-Klinik in Rochester – jetzt eine neue Alternative zum BMI entwickelt: Den "Body Volume Indicator". Mit dieser App werden von der Mobiltelefonkamera zwei 3D-Aufnahmen gemacht: Einmal vom gesamten Körper, einmal nur vom Bauchbereich. Die Fotos muss man an die App-Entwickler schicken, die sie auswerten.

Welche Möglichkeiten es sonst gibt

Eine weitere Möglichkeit der Körperfettbestimmung ist auch die Fettfaltenmessung mittels einer speziellen Zange an verschiedenen Körperstellen, wie dem Schulterblatt, Oberarm oder der Hüfte: "Diese Methode liefert eine genaue Auskunft, aber sie benötigt geschultes Personal."

Genau ist auch die "bioelektrische Impedanzanalyse" – dabei werden Wassergehalt und Muskelmasse des Körpers bestimmt, daraus wird die Körperfettmasse berechnet. Hoppichler: "Diese Methode ist sehr genau, aber auch sehr vom Gerät abhängig." Und: "Auch hier ist die Information, wo sich das Fett im Körper befindet, sehr eingeschränkt. Deshalb ist eine Kombination mit dem Bauchumfang wichtig."

Für Hoppichler ist aber im Alltag die Messung des Bauchumfangs "die beste Methode": "Sie ist auch deshalb für Abnehmwillige so gut geeignet, weil sie eine sehr gute Erfolgskontrolle bietet."