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Wissen
01/26/2022

Mathematikerin: "Maturantinnen, traut euch an technische Studien"

Magdalena Hutze hat Wirtschaftsmathematik studiert. Sie ist Teil eines Programms, in dessen Rahmen sie Schülerinnen von ihrem Alltag erzählt.

von Ute Brühl

Magdalena Hutze gehört zu den jungen Frauen, die schon in der Schule gut in Mathe waren. Heute hat sie den Master in Wirtschaftsmathematik, arbeitet bei einem Energieversorger und motiviert junge Frauen zu einem MINT-Studium – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft oder Technik.

In ihrem Studienzweig saßen immerhin fünfzig Prozent Frauen – das ist nicht in jedem MINT-Fach so. „Herausfordernde Mathe-Aufgaben haben schon immer meinen Ehrgeiz geweckt. In anderen Fächern war das nicht so“, erinnert sie sich. Außerdem hat sie früh gemerkt, dass sie sich leichter tat als die meisten ihrer Mitschüler. In der HTL Villach war sie übrigens eine von drei Schülerinnen in der Klasse. Kein Wunder: Die Mär, dass Buben besser rechnen können, ist sogar wissenschaftlich widerlegt.

So gut wie Männer

Das vermittelt sie auch in Schulklassen: „Wenn man Frauen sagt, dass sie es genauso gut können wie die Männer, dann sind sie auch genauso gut“, zitiert Hutze gerne eine Studie. Bei ihr selbst spielte wohl auch eine Rolle, dass ihr Vater eine HTL und anschließend ein technisches Studium absolviert hat. Dass Mathe nichts für Mädchen ist, wurde ihr nie vermittelt. Im Gegenteil.

Hilfe von den Großeltern

„Es waren meine Großeltern, die schon immer wollten, dass ich etwas Technisches mache – nur haben sie mir das nicht so deutlich gesagt“, erinnert sie sich schmunzelnd.

Das ist auch gut so, meint sie und rät Maturantinnen: „Hört nicht so sehr auf eure Eltern. Wenn ihr euch nicht klar seid, in welche Richtung es gehen soll, sind Lehrerinnen und Lehrer oft bessere Ansprechpartner – fragt sie, wo sie eure Stärken und Schwächen sehen.“

Wobei das mit der freien Studienwahl nicht in allen Familien so einfach ist, besonders wenn kein Elternteil studiert hat. Doch Hutze will allen Maturantinnen Mut machen, ein MINT-Studium zu beginnen: „Informiert euch, und traut euch. Selbst wenn ihr scheitern und das Studium nicht beenden solltet, ist nichts verloren.“

Vorbilder suchen

Jungen Mädchen fehlt es oft an Vorbildern und an Frauen, mit denen sie sich austauschen können. Aus diesem Grund wurde „Frauen in die Technik“ ins Leben gerufen (siehe unten). Da erzählen Frauen wie Magdalena Hutze zum Beispiel über die erste Zeit an der Uni: „Die HTL ist zwar eine anspruchsvolle Schule, aber die Uni ist noch einmal eine andere Liga“, sagt sie und erinnert sich an ihre erste Prüfung: „Man konnte 10 Punkte erreichen. Ich dachte, ich hätte 9 geschafft – am Ende waren es 4,5.“

Geholfen haben Lerngruppen: „In den ersten Wochen ist es sehr wichtig, dass man sich gute Leute sucht, die sich gegenseitig unterstützen.“ Etwas zermürbend war wohl auch, dass bis zum Bachelor das Studium wenig praxisnah war. „Die Früchte hat man im Masterstudium geerntet, wo man die coolen praktischen Anwendungen gemacht hat.“

Künstliche Intelligenz

Diese Anwendungen durfte sie dann in ihrem Job rechnen, den sie schon während des Studiums hatte: „Bekannte von Bekannten suchten eine Mathematikerin. So bin ich bei der Energiewirtschaft gelandet.“ Der Branche ist sie treu geblieben. Heute arbeitet sie bei Verbund, wo sie in der zentralen Stelle für Data Science und Künstliche Intelligenz (KI) sitzt: „Die ist für die Energiewende wichtig.“

So kümmert sich ihr Team um die Staumauern der Pumpspeicherkraftwerke: „Die Mauern müssen stabil bleiben. Früher hat man deshalb Fotos gemacht, die jemand händisch mit den Vorjahresbildern verglichen hat, um Veränderungen festzustellen. Heute tastet eine Drohne die Mauer mit Lasern ab und fotografiert. Wir machen ein 3-D-Modell daraus und können so mit KI schauen, ob sich etwas verändert hat.“

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