Wissen
07.03.2018

Hepatitis C: Kann die Krankheit "ausgerottet" werden?

Unvergleichliche Erfolgsgeschichte: Seit 2014 können 95 Prozent der Erkrankten ohne Komplikationen geheilt werden. WHO hat das Ziel, die Erkrankung bis 2030 weitgehend zu eliminieren.

"Mir ist in der gesamten Infektiologie aber auch sonst in der Inneren Medizin nichts bekannt, was diesem Erfolg nahe kommt." Derart euphorisch äußert sich Infektionsspezialist Hermann Laferl (4. Medizinische Abteilung mit Infektions- und Tropenmedizin) im Kaiser-Franz-Josef-Spital über die neuen Möglichkeiten der Hepatitis-C-Therapie. Er referierte bei der "Wissenschaftlichen Fortbildungswoche" der Österreichischen Apothekerkammer, die derzeit in Schladming stattfindet. Seit 2014 gibt es neue, direkt wirksame antivirale Substanzen, die die Interferon-Therapie abgelöst haben.

"Wir können heute mehr als 95 Prozent der Patienten easy-going - unkompliziert - behandeln", so Laferl: "Nach acht, maximal zwölf Wochen sind sie geheilt, und das praktisch ohne Nebenwirkungen." Dafür wird eine Kombinationstherapie mit zwei Substanzen angewandt. Die alte Interferon-Therapie war deutlich aufwendiger und länger (in der Regel sechs bis zwölf, manchmal auch 18 Monate), mit zahlreichen Nebenwirkungen und viel geringerer Wirksamkeit. Die Heilungsrate lag nur bei knapp 50 Prozent.

Aber auch für jene drei Prozent der Patienten, die auf die moderne Standardtherapie nicht ansprechen, gebe es einen Weg: Eine spezielle Dreifach-Kombination von Medikamenten. "Ich habe aber nur einen einzigen Patienten, der das braucht."

Ehrgeizige Ziele der WHO

Die Weltgesundheitsorganisation hat sich angesichts der neue Erfolge mittlerweile das Ziel einer weitgehende Elimination der Erkrankung bis 2030 gesetzt:

  • Die Zahl der Neuinfektionen soll bis dahin um 90 Prozent reduziert werden.
  • Die Zahl der Todesfälle soll um 65 Prozent gesenkt werden.

Neun Staaten sind auf diesem Weg besonders weit, sagte Laferl: Ägypten, Australien, Brasilien, Deutschland, Georgien, Island, Japan, die Niederlande und Katar. Der Weg ist aber weit: So sind weltweit nur rund 20 Prozent der Fälle mit chronischer Hepatitis C diagnostiziert. In den USA und Österreich sind es rund 40 bis 50 Prozent.

Wurde international noch vor einigen Jahren von weltweit rund 170 Millionen Infizierten gesprochen, so geht man derzeit von 70 Millionen Betroffenen aus. In Österreich sind es zumindest 28.000 Infizierte, manche Schätzungen gehen allerdings bis 80.000. "Die meisten Infizierten gibt es in der Gruppe der zwischen 1945 und 1965 Geborenen, sie haben sich früher in Spitälern (mit infiziertem Blut, Anm.) angesteckt." Weitere Übertragungswege sind z.B. unsaubere Geräte beim Piercen oder Tätowieren sowie intravenöser Drogenkonsum mit verunreinigten Nadeln. "Deshalb sind niederschwellige Programme zum Spritzentausch so wichtig."

Kosten stark gesunken

Konnten anfangs aufgrund der hohen Kosten nicht alle Patienten mit frühen Hepatitis-Stadien von Anfang an mit den neuen Präparaten behandelt werden, gibt es dieses Problem heute nicht mehr: "Heute können wir jeden Patienten mit chronischer Hepatitis C unabhängig vom Fibrosegrad (vom Stadium der Lebererkrankung, Anm.) mit den neuen Medikamenten behandeln." War beim ersten neuen Präparat ("Sofosbuvir") ursprünglich von der "1000-Dollar-Pille" die Rede, sind die Kosten für einen gesamten Therapiezyklus seit 2014 deutlich gesunken: Von ursprünglich 70.000 bis 80.000 Euro auf heuer unter 10.000 Euro. Und das sei bereits günstiger als die alte Interferon-Therapie "mit ihren Tausenden Nebenwirkungen". Zum Vergleich: In Indien kostet eine zwölfwöchige Therapie mit Generika (Nachahmerpräparate) 78 US-Dollar (62,85 Euro).