Wissen
08.08.2018

Großer Medienrummel im AKH wegen Lauda

Die behandelnden Ärzte stellten bei einer Pressekonferenz klar, dass Lauda "keine normale Sommergrippe" hatte.

Sender wie n-tv und RTL üben ihre Live-Einstiege schon Minuten bevor die Ärzte den Raum betreten – als dann sieben Mediziner am Podium im Medienzentrum des Wiener AKH Platz genommen haben, übernimmt ORF-Mann Rainer Pariasek praktisch die Pressekonferenz: Noch bevor einer der Mediziner „Guten Morgen“ sagen kann, fragt er – natürlich per Live-Einstieg – gleich nach dem aktuellen Gesundheitszustand von Niki Lauda.

So war das allerdings nicht geplant und das betont auch Walter Klepetko, der Leiter des Thoraxzentrums an der MedUni/AKH in seiner Antwort. „Lassen Sie uns die Pressekonferenz wie geplant durchführen, für Fragen stehen wir im Anschluss zur Verfügung." Pariasek fügt sich.

Aufsehen

Die Episode zeigt das große Aufsehen um Laudas Lungentransplantation sechs Tage nach seiner Operation im AKH. Society-Journalisten und Korrespondenten ausländischer Medien tummeln sich eher selten auf medizinischen Pressekonferenzen.

Ebenso ungewöhnlich ist, dass sieben Abteilungsvorstände eines der größten Spitäler Mitteleuropas wegen eines Patienten gemeinsam am Podium sitzen. Von Pulmologie (Lunge) über Nephrologie (Niere), Kardiologie bis zur Thoraxchirurgie (Brustkorb) waren bzw. sind sie alle mit Lauda befasst. Klepetko zeigt dafür Verständnis und zitiert seine Tochter: "Sie sagte: 'Ihr macht diesen Job tagtäglich – und dann wird eine Person transplantiert und es ist so ein Aufsehen.'"

Dass Klepetko und seine Kollegen sich bereitwillig den Journalistenfragen stellen, hat noch andere Gründe: "Wir hoffen, dass diese Aufmerksamkeit anderen Menschen in ähnlicher Situation Mut macht." Nephrologe Rainer Oberbauer, der den Patienten Lauda seit seinen beiden Nierentransplantationen kennt, bringt es auf den Punkt: "Manche Menschen sind als Person besonders, aber ihre Krankheiten sind es nicht."

Spitzenleistungen

Und es ist eine Gelegenheit, auf die Spitzenleistungen des Hauses hinzuweisen. Nur medizinische Insider wussten etwa vor Laudas Lungentransplantation, dass die Wiener Abteilung eines der weltweit vier besten Zentren auf diesem Gebiet ist. Oder dass beim akademischen Programm Lungentransplanteure der berühmten Mayo-Klinik in den USA nach Wien kommen, um sich weiterzubilden. Klepetko: "Das kommt nicht so häufig vor."

Fragen über die weitere Genesung können die Ärzte naturgemäß nicht beantworten. Manche Journalisten interessiert dennoch mehr, ob Lauda wieder im Cockpit sitzen wird, als die schwere Lungenkrankheit namens hämorrhagische Alveolitis. Damit hatte sein Aufenthalt im AKH begonnen und über die dramatischen Entwicklungen berichteten die Ärzte mit dem OK der Familie. "Er war zu keinem Zeitpunkt an einer normalen Sommergrippe erkrankt", stellte der behandelnde Pulmologe Marco Izda klar. Bei dieser Entzündung der Lungenbläschen wanderten nach anfänglicher Besserung Immunzellen in die Lunge ein und zerstörten das Gewebe. "Der Patient war nicht mehr in der Lage, eigenständig Sauerstoff aufzunehmen." Eine Transplantation sei unumgänglich gewesen.

Organe: Dringlichkeit wird anonym bestimmt

Wie läuft eine Transplantation genau ab?

"Jeder bei der zentralen Organisation Eurotransplant gemeldete Patient bekommt anonymisiert einen Score (engl. Trefferquote, Anm.), der die Dringlichkeit abbildet", erklärt Thoraxchirurg Walter Klepetko. Niki Lauda befand sich in der höchsten Dringlichkeitsstufe. "Daher konnten wir davon ausgehen, dass er in den nächsten Tagen ein passendes Organ zugewiesen bekommt."  Ein verfügbares Organ wird vom Spenderspital an Eurotransplant gemeldet, die Zuweisung erfolgt nach streng definierten Kriterien (Blutgruppe, Größe), erläutert Thoraxchirurg Konrad Hötzenecker, der mit Klepetko den Eingriff bei Lauda leitete. Im Entnahmespital kontrolliert  ein Team (zwei Personen) die Qualität. Das Empfängerspital wird verständigt.  Das entnommene Spenderorgan wird gekühlt auf schnellstem Weg ins Empfängerspital gebracht.  

Verläuft die Operation gut, beginnt rasch die Mobilisation, bei Lungentransplantationen etwa Atemübungen und Physiotherapie. 

Warum sind Immunsupressiva nötig?

Der Körper würde sonst das fremde Organ abstoßen. Die Medikamente müssen lebenslang eingenommen werden. Lauda nahm diese wegen seiner beiden transplantierten Nieren bereits ein. Klepetko: „Im Prinzip ist es die gleiche Medikation, die Dosierung ist aber anders. Die Lunge ist abstoßungsfreudiger als andere Organe.“

Was wird am häufigsten transplantiert?

Weltweit am häufigsten Nieren, „in Wien rund 160 pro Jahr“, sagt Nephrologe Rainer Oberbauer.  Im AKH warten derzeit  120 Patienten auf eine Spenderlunge. 2017 wurden österreichweit 368-mal eine Niere transplantiert (Warteliste 528), 228-mal eine Lunge ( 105), 158-mal eine Leber (31) und 64-mal ein Herz (69).  

Gibt es Grenzen (Alter, Häufigkeit)?

"Das biologische Alter ist über das nominelle zu stellen. Es gibt 50-Jährige, deren Gesundheitszustand so schlecht ist, dass eine Organtransplantation nicht sinnvoll ist. Umgekehrt kann  ein älterer, vitaler Patient eine gute Funktion mit dem neuen Organ erreichen", erklärt Klepetko. Mehrfach-Transplantationen sind nicht unüblich, sagt Oberbauer. "Die Hälfte aller Nieren-Patienten auf der Warteliste sind Re-Implantations-Patienten, die etwa  in jungen Jahren eine Spenderniere erhalten haben." Manchmal werden auch Herz und Lunge oder Niere und Leber gleichzeitig transplantiert.