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03.08.2018

Niki Laudas Lebenserwartung betrug nur mehr wenige Tage

Immer mehr Details rund um die Lungentransplantation des Formel-Eins-Stars werden bekannt. Operateur widerspricht Spekulationen.

Die Umstände von Niki Laudas Lungentransplantation dürften dramatischer gewesen sein, als ursprünglich bekannt war. Die Lebenserwartung habe ohne Spenderlunge nur mehr wenige Tage betragen haben, bestätigte Laudas Arzt Univ.-Prof. Walter Klepetko, Leiter des Lungentransplantationszentrums an der Wiener MedUni/AKH dem KURIER.  Bereits eine Woche lang wurde Lauda mit der sogenannten extrakorporale Membran-Oxygenierung (ECMO) beatmet. Darunter versteht man eine maschinelle Sauerstoffanreicherung außerhalb des Körpers. Nur durch diese sei er am Leben erhalten worden.

Lauda war bei vollem Bewusstsein und es bestand keine andere Therapiemöglichkeit. "Unter diesen Umständen bestand höchste Dringlichkeitsstufe", betont Experte Kleopetko, der 1989 die erste Lungentransplantation in Wien vorgenommen hat.  Aus diesen Gründen wurde er sofort in die höchste Dringlichkeitskategorie für ein Spenderorgan aufgenommen, sagt der Chirurg, der damit Spekulationen über eine Bevorzugung des Patienten Laudas entgegenwirken will.

"Niki Nazionale" - Lauda in der Formel 1

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Niki Lauda in der Formel 1

Am 15. August 1971 feiert Lauda am Steuer des March 711 sein Formel-1-Debüt. Er kommt zwar nicht ins Ziel, aber die ersten Schritte sind getan.

Zur Legende wird Lauda im Jahr 1976: Als amtierender Weltmeister verunfallt er in Deutschland, kämpft um sein Leben. 42 Tage später sitzt er wieder im Cockpit.

1977 holte Lauda seinen zweiten Weltmeistertitel mit Ferrari - aber schon vorher stand der Abschied fest: 1978 wechselte Lauda nach Differenzen mit Enzo Ferrari zu Brabham.

Nach zwei Jahren Formel-1-Auszeit kehrte Lauda 1982 in die Weltmeisterschaft zurück. Zwei Jahre später, 1984, eroberte er mit McLaren seinen dritten WM-Titel. 1985 beendete er seine Karriere.

Nach dem Unfall auf dem Nürburgring wird das "rote Kapperl" zum Markenzeichen. Lauda nutzt es im Lauf der Jahre als Sponsorfläche für verschiedene Partner.

Nach einem kurzen Engagement bei Jaguar nach der Jahrtausendwende kehrt Lauda 2012 als Mercedes-F1-Vorstand in die Formel 1 zurück.

Bei den Legendenrennen auf dem Red-Bull-Ring greift Lauda noch einmal ins Steuer seiner einstigen Boliden - und tritt gegen dabei auch gegen die Rivalen von früher an.

Was die Dringlichkeit weiters verdeutlicht: In Wien wurden bisher insgesamt rund 2000 Lungentransplantationen durchgeführt. 120 davon erhielten ihr neues Atmungsorgan wie bei Lauda "von der Pumpe weg". "Die mittlere Wartezeit bei diesen Patienten betrug drei Tage."

Zuteilung des Spenderorgans über zentrale Stelle

Die Zuteilung des Organs ist - wie übrigens bei allen Transplantationen in Österreich - durch die unabhängige Eurotransplant (europäische Schalt- und Organisationszentrale zum Thema Organtransplantationen; Anm.) erfolgt. Es gibt für alle teilnehmenden Länder klare Dringlichkeitskriterien. Bei Lungentransplantationen sind die wichtigsten Kriterien die sogenannten Blutgase, also die Qualität des Gasaustausches (Sauerstoffsättigung im Blut etc.) bzw. die Notwendigkeit, maschinell einzugreifen. „Wenn jemand plötzlich in die oberste Dringlichkeitsstufe für eine Lungentransplantation kommt, erfolgt die Organzuteilung mit höchster Dringlichkeit“, sagte der Transplantationschirurg. Auch der Gesamtzustand des jeweiligen Patienten spielt eine gewisse Rolle.