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Wissen
04/30/2020

Gibt es Covid-19-Kollateralschäden im Gesundheitssystem?

Lagebericht zur Coronakrise: Welche Auswirkungen hatte der Krisenmodus in den Spitälern auf Patienten abseits von Covid-10-Erkrankten? Der Statistiker Erich Neuwirth hat sich die Lage für den KURIER aus der Vogelperspektive angesehen.

von Erich Neuwirth

In vielen Spitälern wurden Abteilungen geschlossen, um sie bei Bedarf als Reservekapazitäten zur Verfügung zu haben, wenn die Zahl der Covid-19-Patienten stark steigt. Auch bei Intensivbetten wurde deshalb versucht, weniger davon zu belegen.

Das führte - wie vielfach berichtet - zu zahlreichen, für viele Patienten auch ärgerlichen Aufschüben von Operationen und Therapien.

Aber führte das auch zu einer erhöhten Sterblichkeit anderer, nicht an Covid-19-erkrankter Intensivpatienten?

Mit einer Grafik können wir ganz einfach untersuchen, ob das der Fall ist.

Wir stellen die wöchentlichen Sterblichkeitszahlen als Kurven dar, für jedes Jahr eine Kurve. Für das Jahr 2020 stellen wir eine zweite bereinigte Kurve dar.

Für diese Kurve ziehen wir die Covid-19-Todesfälle von der Gesamtzahl der Todesfälle ab.

Wir untersuchen also den Verlauf der Sterbefallzahlen unter der Annahme, dass die tatsächlich verstorbenen Covid-19-Patienten nicht verstorben wären.

Die rote Kurve zeigt den tatsächlichen Verlauf der Sterbefallzahlen in der Saison 2019-2020. Von dieser Kurve spaltet sich am Ende ein gelber Ast ab. Das ist der Verlauf der Sterbefallzahlen ohne Covid-19-Tote.

Die schwarze Kurve ist der durchschnittliche Verlauf in den Jahren, in denen es keine auffällig starke Grippewelle gegeben hat.

Wir sehen, dass die gelbe Kurve annähernd so verläuft wie die entsprechenden Kurven in früheren Jahren. Sie liegt im Vergleich zur Durchschnittskurve etwas höher, weil die Bevölkerung und damit die Sterbefälle im Laufe der Jahre zugenommen haben.

Aus der gelben Kurve kann man mit einiger Sicherheit erschließen, dass es als Folge der eingeschränkten Kapazitäten der Spitäler nicht zu erhöhter Sterblichkeit bei Nicht-Covid-19-Patienten gekommen ist.

"Alle Daten erzählen Geschichten, die sprechen aber nicht besonders laut dabei. Und Statistiker sind Leute, die den Daten besonders gut zuhören können."

Erich Neuwirth, Jahrgang 1948, ist so etwas wie das Urgestein der Hochrechnung und Pionier der Wählerstromanalyse in Österreich. Bei der Nationalratswahl 1983 war er es, der staunenden ORF-Zuschauern erstmals eine Wählerstromanalyse präsentierte. 2017 wurde ihm der Gerhart-Bruckmann-Preis der österreichischen statistischen Gesellschaft verliehen. 

Der außerordentliche Universitätsprofessor im Ruhestand für Statistik und Informatik an der Universität Wien verfolgt auch die aktuelle Corona-Krise durch die Augen eines Mathematikers. Auf seinem Blog just-the-covid-facts.neuwirth.priv.at bereitet er die Daten täglich neu auf. Seit Anfang April macht er das wöchentlich auch für den KURIER. 

Und zum Schluss geben wir wie immer noch einen kurzen Überblick über die aktuelle Lage in Österreich

Der aktuelle Stand - 29. April, 15.00 Uhr

Registrierte Infektionen: 15.352
Neue Fälle (vergangene 24 Stunden): 66
Neue Genesene: 199
Genesene insgesamt: 12.779

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Frühere Teile der Serie von Erich Neuwirth:

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