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Wissen Gesundheit
04/06/2021

Wie soziale Faktoren das Covid-Sterberisiko beeinflussen

Eine Harvard-Studie zeigt: Schwarze Frauen und Männer haben ein vielfach höheres Sterberisiko als weiße Menschen.

Forscherinnen und Forscher aus Harvard untersuchen die Covid-Sterblichkeitsraten innerhalb und zwischen unterschiedlicher ethnischer Gruppen und Geschlechter. Herangezogen wurden Daten aus den USA. Generell lässt sich aus ihrer Studie ableiten, Männer haben ein höheres Sterberisiko im Fall einer Corona-Erkrankung als Frauen. Schaut man jedoch genauer hin, stellt man fest, diese Unterschiede treffen nicht alle ethnischen Gruppen im gleichen Maß. Denn schwarze Frauen haben zum Beispiel ein knapp vier Mal höheres Risiko an Corona zu sterben als weiße Männer. Schwarze Männer haben sogar ein mehr als sechs Mal größeres Risiko an Corona sterben als weiße Männer. 

Dass Männer generell ein höheres Risiko für schwere Verläufe und eben auch ein höheres Todesrisiko im Fall einer Corona-Erkrankung haben, ist bekannt, wenn auch nicht restlos erklärt. Frauen sind zum Beispiel hormonell in puncto Abwehrkräfte begünstigt, stellte Alexandra Kautzky-Willer, Professorin für Gendermedizin (geschlechtsspezifische Medizin) an der MedUni Wien, in einem KURIER-Bericht bereits fest. So wirke das weibliche Sexualhormon Östrogen immunstimulierend und könne bei der Bekämpfung von Entzündungen im Körper hilfreich sein. Testosteron hingegen wirke eher immunsuppressiv, das bedeutet, dass das Immunsystem und dessen Reaktion auf Krankheitserreger unterdrückt wird. 

Keine biologischen, sondern gesellschaftliche Gründe

Während viele Forscher in der Geschlechter-Frage oft nach biologischen Gründen suchen, stellt die Untersuchung aus Harvard diesen eindimensionalen Fokus auf die Biologie als Erklärung für Unterschiede zwischen Geschlechtern in Frage. In der Studie wird argumentiert, dass soziale Faktoren in Hinblick auf das Geschlecht und in Kombination mit der jeweiligen ethnischen Zugehörigkeit und auch der sozioökonomischen Schicht wichtige Faktoren in der Erklärung darstellen. Zum Beispiel arbeiten Leute aus jenen gesellschaftlichen Gruppen oftmals in Gesundheitsberufen oder im öffentlichen Dienst - beides Faktoren die das Risiko einer Infektion an sich erhöhen. 

Um diese Muster in den Todeszahlen, die unter schwarzen Frauen und Männern extrem hoch sind, zu verstehen, müsse man vor allem darauf schauen welche sozialen Faktoren je nach Geschlecht und ethnischer Gruppe einfließen, heißt es in der Studie. Außerdem: "Wir betrachten die ethnische Gruppe hier nicht als Indikator für genetische Unterschiede, sondern als Zeichen für historische und immer noch andauernde Unterdrückung von Gruppen und auch Individuen aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit."

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