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Wissen Gesundheit
05/31/2021

Wie sich die Corona-Pandemie auf das Rauchverhalten ausgewirkt hat

Weltnichtrauchertag: Während der Lockdowns hat der Tabakkonsum – vorübergehend – zugenommen. Doch jetzt steigt die Zahl jener, die aufhören wollen.

von Ernst Mauritz

Langeweile und Isolation in Zeiten der Lockdowns: Das hat den Tabakkonsum begünstigt. „Andererseits hat die Diskussion über Rauchen als Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf viele Menschen, die schon lange aufhören wollten, motiviert, dies jetzt zu versuchen“, sagt Bernd Lamprecht, Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler Universitätsklinikum in Linz und Generalsekretär der Österr. Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP), anlässlich des Weltnichtrauchertages (31.5.).

Rauchen in der Pandemie:

Bei den Raucherinnen berichteten 21 Prozent in der Corona-Krise von einer Steigerung des Zigarettenkonsums; bei den Rauchern waren es 14 Prozent, heißt es in einer Erhebung der Gesundheit Österreich GmbH. Allerdings waren solche Verhaltensänderungen großteils nur von kurzer Dauer: So habe sich weder die Konsumintensität noch die Anzahl täglicher bzw. fast täglicher Raucher dauerhaft verändert. Nahezu ein Viertel der Befragten (24 %) ab 15 Jahren gab an, aktuell zu rauchen. Jeder Sechste (17 %) raucht täglich oder fast täglich, Männer und Frauen sind praktisch gleich auf. Im Vergleich mit den Vorjahren setzt sich der Rückgang der Zahl der Raucherinnen und Raucher fort.

Interesse am Rauchstopp:

„Während der Pandemie 2020, vor allem im ersten Lockdown, haben mehr Menschen zur Zigarette gegriffen und hatten keinen Kopf für die Rauchstopp-Beratung“, sagt Melanie Stulik vom Rauchfrei Telefon der Österreichischen Gesundheitskasse (Telefon 0800 810 013). „Viele Menschen sind in alte Muster verfallen und haben versucht, Stress, Einsamkeit und depressive Verstimmungen mit der Zigarette zu bewältigen. In letzter Zeit bemerken wir aber, dass wieder mehr Raucherinnen und Raucher ihr Rauchverhalten überdenken und Beratung zum Rauchstopp in Anspruch nehmen.“

Rauchen und Covid-19:

„Mittlerweile ist belegt, dass Raucher bei einer SARS-CoV-2-Infektion ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf mit einer Spitalsaufnahme generell und auch einer Behandlung auf einer Intensivstation haben“, sagt Lamprecht. Bestimmend sind die bisherige Dauer und Intensität des Tabakkonsums. „Je eingeschränkter die Funktion der Lunge ist und je geringer ihre Reserven durch langjährigen Tabakkonsum sind, umso höher ist das Risiko für eine schwere Erkrankung.“ Einen kleineren Effekt dürfte spielen, dass „bei Rauchern die ACE2-Rezeptoren in etwas höherer Zahl nachweisbar sind“. Diese Rezeptoren dienen dem Virus als Eintrittspforten in die Zellen.

E-Zigaretten:

Helfen Sie beim Ausstieg oder bleibt es beim Umstieg? „Man muss es differenziert betrachten“, sagt Lamprecht. „Natürlich wäre es ideal, von den klassischen Zigaretten wegzukommen, ohne mit E-Zigaretten beginnen zu müssen. Bei einer starken Abhängigkeit kann es in bestimmten Fällen eine Form der Risikoreduktion sein – generell empfehlen würde ich einen Umstieg aber nicht, weil er auch Risiken birgt.“ Auch wenn beim Dampfen Rauchinhaltsstoffe aus der Verbrennung wie z. B. Teer wegfallen: „Die eingesetzten Aromastoffe können durchaus reizend auf die Atemwege wirken und ihre Selbstreinigungsfunktion beeinträchtigen. Gleichzeitig wissen wir nicht, wie sich eine Daueranwendung des Dampfens auf die Atemwege auswirkt.“ Die Gefahr bestehe, dass es zu keinem Ausstieg, sondern nur zum Umstieg vom Rauchen auf das Dampfen komme: „Niemand käme auf die Idee, jahrelang Nikotinkaugummis zu kauen oder Nikotinpflaster zu kleben. Diese sind nur zur Überbrückung für maximal drei Monate gedacht. E-Zigaretten hingegen sind für eine Langzeitanwendung konzipiert.“

Stationäre Entwöhnung:

Die Lungenfachärzte weisen heuer besonders auf die Möglichkeit einer stationären Rauchentwöhnung hin. Diese wird von allen pulmologischen Reha-Zentren in Österreich angeboten. Gabriele Reiger, ärztliche Leiterin des PVA-Rehabilitationszentrums Weyer: „Durch den dreiwöchigen stationären Aufenthalt – und somit losgelöst von den Belastungen des Alltags – fällt es den Betroffenen leichter, Gewohnheiten, die mit dem Rauchen zusammenhängen, zu ändern.“ – „In Frage dafür kommen Raucher, die aufhören möchten, aber sagen, sie schaffen es nicht alleine – egal, ob schon Versuche hinter ihnen liegen oder nicht.“ Wichtig wäre, dass Ärzte das Thema Rauchen ansprechen: „Macht das ein Arzt nicht, interpretiert das der Mensch als prinzipielle Duldung: Der Arzt hat nichts gesagt, also wird es schon passen.“ Den Antrag stellt der Patient mit der Stellungnahme seines behandelnden Arztes.

Online Dialog am 31.5.:

Fragen zu „Rauchen und Covid-19“ beantwortet Lungenspezialist Lamprecht heute, Montag, 31. 5., ab 18 Uhr bei einem „Online-Dialog“ der Österreichischen Krebshilfe. Anmeldung: onlinedialog@krebshilfe.net

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