Wie der Pandemie-Stress den Menstruationszyklus beeinflusst

Immer mehr Frauen zeichnen ihre Periode digital auf.
Im Sommer nach dem ersten Welle wurden 200 Frauen in den USA zu der Regelmäßigkeit ihrer Periode befragt.

Pandemie, Lockdowns, Homeoffice, Mehrfachbelastung von Müttern, Homeschooling, Arbeitslosigkeit  in den vergangenen 18 Monaten hat sich unser Leben radikal verändert. Eine neue Studie zeigt (nicht) unerwartete Auswirkungen des Pandemie-Stresses auf Menstruationszyklen auf.

Um die gesundheitlichen Folgen, den die Pandemie auf die Gesundheit von Frauen hat, besser zu verstehen, haben Forscher der Northwestern University die Periode von mehr als 200 US-Amerikanerinnen im Altern von 18 bis 45 Jahren, die zwischen Juli und August 2020 menstruierten, beobachtet. Also wenige Monate nach Ausbruch der Pandemie.

Die Ergebnisse wurden im Journal of Women's Health veröffentlicht (hier können Sie die Studie nachlesen). Die Wissenschafter befragten die Teilnehmerinnen nach der Regelmäßigkeit ihrer Blutungen sowie danach, ob sich ihre Blutungen in irgendeiner Weise verändert hatten.

Sie fanden heraus, dass 54 Prozent der Teilnehmerinnen angaben, ihr Menstruationszyklus habe sich seit März 2020, dem Beginn der Pandemie, in irgendeiner Weise verändert.

Bei der Untersuchung der Gründe dafür stellten die Forscher fest, dass jene Teilnehmerinnen, die in den letzten Monaten mehr Stress erlebt hatten, mit größerer Wahrscheinlichkeit Veränderungen bei ihrer Periode feststellten.

"Angesichts der beispiellosen Natur der Pandemie und ihrer erheblichen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit sind diese Daten nicht überraschend und bestätigen viele anekdotische Berichte in der populären Presse und in den sozialen Medien", sagte die leitende Autorin der Studie, Nicole Woitowich, auf Science Daily: "Wir wissen, dass zusätzlicher Stress sich negativ auf unsere allgemeine Gesundheit und unser Wohlbefinden auswirken kann, aber für Frauen und Menschen, die menstruieren, kann Stress auch normale Menstruationszyklusmuster und die allgemeine Gesundheit stören."

Kann auch die Impfung Einfluss haben?

Erst vor Kurzem wurde bekannt, dass 30.000 Frauen bei der britischen Arzneimittelzulassungsbehörde (Medicines and Healthcare Products Regulatory Agency) über Menstruationsbeschwerden nach der Impfung berichteten. Bisher wurden im Vereinigten Königreich mehr als 48 Millionen Erstimpfungen durchgeführt.

Im Interview mit dem KURIER hatte Michael Feichtinger, Gynäkologe und Kinderwunschexperte, erklärt, dass "ein Ausbleiben der Periode oder Veränderungen bei der Blutung eventuell auf ein Absinken der Thrombozyten (Blutplättchen, Anm.) zurückzuführen" ist. Kommen zwei Ereignisse – die Menstruation und die Impfung – zusammen, könne es vorkommen, dass eine Frau rein zufällig nach der Impfung eine Unregelmäßigkeit in ihrem Zyklus bemerkt und diese dann mit der Impfung in Verbindung bringt.

Allerdings wären Veränderungen bei der Periode nach Impfungen grundsätzlich nicht ungewöhnlich: Die Fachliteratur zeigt, dass auch Impfstoffe wie gegen Grippe oder HPV einen kurzfristigen Einfluss auf den Zyklus haben können.

Die britische Reproduktions-Expertin und Immunologin Victoria Male fordert angesichts fehlender Daten zu diesem Thema im Fachmagazin British Medical Journal: "Klinische Studien bieten den idealen Rahmen, um zwischen Menstruationsveränderungen, die durch Interventionen verursacht werden, und solchen, die ohnehin auftreten, zu unterscheiden. Aber es ist unwahrscheinlich, dass die Teilnehmerinnen über Veränderungen der Periode berichten, wenn sie nicht ausdrücklich gefragt werden. Informationen über Menstruationszyklen und andere vaginale Blutungen sollten in künftigen klinischen Studien, einschließlich Studien zu Covid-19-Impfstoffen, aktiv abgefragt werden."

Bis es neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu diesem Thema gib, rät die Expertin allen Ärzten und Ärztinnen: "Zunächst sollten sie (Anm.: Patientinnen) ermutigt werden, jegliche Veränderungen der Periode oder unerwartete vaginale Blutungen zu melden. Auf diese Weise werden vollständigere Daten zur Verfügung gestellt, die die Erforschung eines etwaigen Zusammenhangs erleichtern und den Patientinnen signalisieren, dass ihre Bedenken hinsichtlich der Sicherheit des Impfstoffs ernst genommen werden, was Vertrauen schafft."

Hinsichtlich der Behandlung empfehlen britische Experten und Expertinnen, dass alle Frauen, die über eine über mehrere Zyklen anhaltende Veränderung der Periode oder über neue vaginale Blutungen nach der Menopause berichten, gemäß den klinischen Leitlinien für diese Erkrankungen behandelt werden sollten.

Kommentare