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Wissen Gesundheit
12/19/2021

Was auf der Omikron-Superspreader-Party in Norwegen passiert ist

Größter Omikron-Cluster in Europa: Detallierte Fallbeschreibung lässt Bild nachzeichnen, was auf dem Superspreader-Event passiert ist.

von Anita Kattinger

Alle Arbeitskollegen waren geimpft, keiner von ihnen hatte Symptome und sie hatten alle Selbsttests gemacht, bevor sie auf Weihnachten anstoßen wollten: Kurz nachdem auf die neue Coronavirus-Variante Omikron in Südafrika aufmerksam gemacht wurde, wurde der größte Omikron-Cluster in der Europäischen Union bekannt. Nach einer Firmen-Weihnachtsfeier in einem Osloer Restaurant wurden fast alle Gäste positiv getestet.

Was ist dort passiert?

Am 30. November 2021 wurde dem Norwegian Institute of Public Health (NIPH) von einem lokalen Labor in Oslo ein positiver Verdachtsfall mit Omikron gemeldet. Das Labor teilte mit, dass der Fall wahrscheinlich auf einer Weihnachtsfeier des Unternehmens am 26. November 2021 aufgetreten und dass einer der Teilnehmer am 24. November 2021 aus Südafrika zurückgekehrt war. (Sie können die Studie hier auf Englisch nachlesen)

Die geschlossene Veranstaltung fand in einem separaten, rund 145 m2 großen Raum in einem Restaurant in Oslo von 18 bis 22:30 Uhr statt, danach war das Lokal von 22:30 bis 3 Uhr früh für die Öffentlichkeit geöffnet. Für die Teilnehmer der Weihnachtsfeier war zuvor ein Umtrunk an einem anderen Ort organisiert worden, von dort wurden sie mit Privatbussen zum Restaurant gebracht. Obwohl es zu dieser Zeit in Norwegen keine Beschränkungen für Veranstaltungen gab, waren alle Teilnehmer der Party vollständig geimpft und wurden vom Veranstalter aufgefordert, einen Antigen-Schnelltest durchzuführen.

Für andere Gäste, die den Veranstaltungsort besuchten, sowie für Angestellte des Restaurants gab es keine Anforderungen sich testen zu lassen oder eine Maske zu tragen, zudem wurde keine Gästeliste geführt. Nach dem Essen wurden die Bar und der Tanzbereich für die Öffentlichkeit geöffnet.

Befragung der Gäste

Nach der Entdeckung des Ausbruchs am 30. November wurden alle Teilnehmer der Party vom Gemeindearzt in Oslo aufgefordert, sich zehn Tage lang zu Hause in Quarantäne zu begeben und sofort einen PCR-Test zu machen. Diejenigen, die positiv getestet wurden, mussten für mindestens sieben Tage in Isolation bleiben. Am 1. Dezember wurde mittels Genomsequenzierung bestätigt, dass der mutmaßliche Patient 0, der zuvor in Südafrika war, mit Omikron infiziert war.

Darüber hinaus wurden am 1. Dezember alle Personen, die sich zwischen 22:30 Uhr und 3 Uhr auf der Party aufgehalten hatten, aufgefordert, sich so schnell wie möglich einem PCR-Test zu unterziehen.

Die Kontaktdaten der Teilnehmer wurden von den Veranstaltern eingeholt und von einem Team des NIPH telefonisch befragt: Dafür wurde ein standardisierter Fragebogen verwendet, um demografische und klinische Informationen zu erheben, einschließlich des Datums des Auftretens und der Dauer einer vordefinierten Liste von Symptomen.

Die Studienleiter: "Superspreading-Ereignisse wurden bereits häufig im Zusammenhang mit anderen Varianten untersucht. Frühere Ausbrüche, die durch die Delta-Variante verursacht wurden, sind auch in Norwegen unter hoch geimpften Bevölkerungsgruppen aufgetreten. Bei dem hier beschriebenen Ausbruch wurde die hohe Ansteckungsrate mit symptomatischer Infektion wahrscheinlich durch das Umfeld des Ausbruchs - Innenräume, lange Expositionszeit, Menschenmengen und die Notwendigkeit, laut zu sprechen - noch verstärkt. Eine Übertragung könnte unter Arbeitskollegen oder zuvor auf dem Umtrunk stattgefunden haben, da einige der Teilnehmer bereits vor der Party Symptome aufwiesen. Wir können auch nicht ausschließen, dass es zu einer mehrfachen Virus-Einschleppung gekommen ist, obwohl alle Teilnehmer vor der Party ein negatives Testergebnis meldeten."

Das häufigste Symptom war Husten

Zu den Fakten: 117 Personen hatten an der Party teilgenommen, 99 waren mit einem mRNA-Impfstoff doppelt geimpt, niemand war geboostert. 111 nahmen an der Umfrage durch das Gesundheitsinstitut teil und gaben an, ein bis zwei Tage vor der Teilnahme an der Veranstaltung einen negativen Antigen-Schnelltest zu Hause oder einen PCR-Test durchgeführt zu haben.

Sieben Fälle berichteten über kürzliche Auslandsreisen, drei in Afrika und vier in Europa, von diesen Patienten berichtete niemand über Symptome in der Zeit vor der Party.

  • 81 der 110 befragten Personen wurden mit Omikron infiziert, also 74 Prozent.
  • Von den 81 Infizierten hatten 80 Symptome, bis 13. Dezember musste niemand ins Krankenhaus.
  • Das Durchschnittsalter betrug 38 Jahre.

Bei den 81 Fällen waren die häufigsten Symptome:

  • Husten (83 Prozent),
  • gefolgt von laufender/verstopfter Nase (78 Prozent),
  • Müdigkeit/Lethargie (74 Prozent),
  • Halsschmerzen (72 Prozent)
  • Kopfschmerzen (68 Prozent) und
  • Fieber (54 Prozent).

Auf die Frage nach dem Schweregrad der Symptome auf einer Skala von 1 (keine Symptome) bis 5 (erhebliche Symptome) gaben 42 Prozent die Stufe 3 an, 11 Prozent die Stufe 4.

Unter der Annahme, dass die Teilnehmer tatsächlich auf der Party infiziert wurden, beobachteten die Studienleiter eine mediane Inkubationszeit von drei Tagen, was im Vergleich zu früheren Berichten über Delta- und anderen Varianten (4,3 bzw. 5,0 Tage) kurz ist.

"Die vorläufigen Ergebnisse unserer Untersuchung deuten darauf hin, dass Omikron unter vollständig geimpften jungen und mittelalten Erwachsenen hochgradig übertragbar ist. Angesichts des spezifischen Kontextes des Ausbruchs in einem Umfeld mit hohem Übertragungsrisiko sind die Ergebnisse jedoch mit Vorsicht zu interpretieren. Die Untersuchung wird fortgesetzt, um das gesamte Spektrum der Erkrankung und ihre Dauer, die Risikofaktoren für die Infektion und das Ausmaß der Sekundärübertragung zu ermitteln", so die Studie abschließend.

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