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Wissen Gesundheit
07/14/2020

Coronavirus: Warum der Mund-Nasen-Schutz ein wichtiges Werkzeug ist

Wissenschaftlich ist der Nutzen von Mund-Nasen-Schutz erwiesen.

von Ingrid Teufl, Michael Hammerl

Wer wissen will, wie sehr das Thema Mund-Nasen-Schutz in Österreich noch immer polarisiert, muss sich nur in einen Zug setzen. Oder in ein öffentliches Verkehrsmittel in Wien. In den Zügen der ÖBB herrscht zum Beispiel Maskenpflicht, aber in manchen – durchaus gut besetzten – Waggons trägt nur etwa ein Drittel der Passagiere einen Mundschutz. Spricht man die Zugbegleiter darauf an, erntet man nicht mitunter nur ein schulterzuckendes „Wos soll i moch’n?“.

Auch in den Wiener Öffis wird die Verpflichtung zum Maskentragen immer öfter nach eigenem Ermessen ausgelegt. Also einfach darauf verzichtet. Und böse Blicke der Mitfahrenden ignoriert. Doch derartige Wahrnehmungen zu verallgemeinern, wäre ungerecht. Man sieht nämlich auch das Gegenteil: Volle Straßenbahnwaggons, in denen Fahrgäste Mund und Nase bedecken.

Nutzen wissenschaftlich erwiesen

Auch wenn ihn manche unangenehm empfinden, wissenschaftlich ist der Nutzen eines Mund-Nasen-Schutzes klar. Infizierte scheiden schon vor Auftreten von Symptomen (unwissentlich) eine bereits beträchtliche Menge an Viren aus. Eine Maske schützt davor, andere zu infizieren. Epidemiologen und Virologen stimmen überein, wonach ein Mund-Nasen-Schutz den Luftstrom beim Sprechen hemmt und dadurch die Übertragung infektiöser Partikel eingedämmt wird. Virologin Monika Redlberger-Fritz von der MedUni Wien betont: „Es ist erwiesen, dass dadurch die Übertragungswahrscheinlichkeit reduziert wird.“

Erst im Juni hatten Forscher der Universität Mainz einen Städtevergleich veröffentlicht, dass in Jena, wo ein Mund-Nasenschutz früher als anderswo eingeführt worden war, die Infektionszahlen signifikant geringer ausfielen. Auch chinesische Forscher waren in Wuhan, wo die Pandemie ihren Ausgang genommen hat, zu ähnlichen Ergebnissen gekommen.

Werkzeug für Kombinations-Praventionsverfahren

Masken sind zudem ein wichtiger Teil in einem sogenannten Kombinations-Präventionsverfahren, schrieben US-Forscher im Fachjournal Science. Ähnlich wie vor 40 Jahren bei der Eindämmung von HIV und Aids, seien auch beim Coronavirus medizinische und nicht-medizinische Strategien der Erfolgsschlüssel. Bei HIV waren Verhaltensänderungen (kein ungeschützter Sex) der erste Schritt – „und das machte den Unterschied“. Bei SARS-CoV-2 zeigte das Maskentragen bereits einen Unterschied.

Internationale Entwicklung

In Schottland gilt die Maskenpflicht schon länger in Geschäften, in England erst ab 24. Juli. Ebenso in Kroatien, wo sie ebenso in öffentlichen Verkehrsmitteln gilt – wie auch in Deutschland, Slowenien und Italien. In Spanien ist die Regelung in drei Regionen noch strenger: Katalonien und die Balearen haben eine generelle Maskenpflicht für die Öffentlichkeit ausgesprochen, Andalusien will nachziehen. Verstöße kosten 100 Euro.

Ein kurzer Blick über die EU-Grenzen: Im Iran gilt die Maskenpflicht für die meisten öffentlichen Orte. In den USA nehmen unter anderem der Bundesstaat Texas und die schwer betroffene Stadt Florida ihre Bürger in die Pflicht. Das autoritäre Turkmenistan, wo das Virus bisher konsequent ignoriert wurde, hat am Montag MNS empfohlen – angeblich nur wegen der „hohen Staub-Konzentration in der Luft“.

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