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Wissen Gesundheit
08/23/2021

"Du bist kein Pferd, keine Kuh: Nimm kein Wurmmittel gegen Covid-19"

Nachdem zahlreiche Amerikaner sich mit dem Wurmmittel Ivermectin selbst therapieren, warnt die US-Arzneimittelbehörde erneut vor dem Gebrauch.

von Anita Kattinger

"In Anbetracht der vielen Todesfälle durch diese Krankheit ist es vielleicht nicht verwunderlich, dass einige Verbraucher zu unkonventionellen Behandlungsmethoden greifen, die nicht von der Food and Drug Administration genehmigt oder zugelassen sind. Auch wenn dies verständlich ist, sollten Sie sich vorsehen."

Bereits im Mai hatte die US-Arzneimittelbehörde vor einer Selbsttherapie mit dem Wurmmittel Ivermectin zur Behandlung von Covid-19 gewarnt. Damals musste die FDA Stellung zu mehreren Berichten über Patienten nehmen, die nach einer Selbstmedikation mit Ivermectin ins Krankenhaus eingeliefert wurden.

Am Samstag warnte die Behörde via Twitter erneut: Wichtig sei zu wissen, dass es unterschiedliche Wurm- bzw Parasitenmittel für Menschen und Tiere gebe. "Es sind viele Fehlinformationen im Umlauf und vielleicht haben Sie gehört, dass es in Ordnung ist, hohe Dosen von Ivermectin einzunehmen. Das ist falsch."

Hintergrund der Warnung ist, dass sich das "Poison Control Center" in Mississippi vergangene Woche dazu genötigt sah, vor Vergiftungen zu warnen. "Mindestens 70 Prozent der jüngsten Anrufe haben mit der Einnahme von Nutztier-Dosen des Medikaments Ivermectin zu tun, das bei Fachhändlern für Nutztiere gekauft wurde."

Bei einer Pressekonferenz mit staatlichen Gesundheitsexperten wurde eindringlich gewarnt: "Das ist verrückt. Lassen Sie das bitte! Sie würden auch nicht Ihre Chemotherapie im Futtermittelhandel kaufen."

Mississippi weist eine der niedrigsten Impfquoten der Vereinigten Staaten auf, hat aber mit 120 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern die höchste Inzidenz in den USA. Zum Vergleich: In Österreich liegt die 7-Tages-Inzidenz derzeit bei 84,7.

Nicht nur die ungleich größere Dosis für Nutztiere wie Pferde und Kühe sei ein Problem. Selbst die für zugelassene Anwendungen vorgesehenen Mengen "können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten wie Blutverdünnern hervorrufen", warnt die FDA. "Sie können Ivermectin auch überdosieren, was zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Hypotonie (niedrigem Blutdruck), allergischen Reaktionen (Juckreiz und Nesselsucht), Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Krampfanfällen, Koma und sogar zum Tod führen kann."

Die FDA hat bisher keine Daten geprüft, die den Einsatz von Ivermectin zur Behandlung oder Vorbeugung von Covid-19 unterstützen; erste Untersuchungen laufen jedoch.

Anders die europäische Arzneimittelbehörde: Anfang des Jahres kam die EMA zu dem Ergebnis, dass die derzeit verfügbaren Erkenntnisse nicht ausreichen, um die Anwendung von Ivermectin bei Covid-19 außerhalb klinischer Studien zu unterstützen (hier zum Nachlesen auf Deutsch).

Was ist Ivermectin?

In Österreich sind Ivermectin-Tabletten beim Menschen für die Behandlung von Krätzmilbe sowie parasitärer Wurmbefälle mit Zwergfadenwürmern sowie Mikrofilarämie durch tropische Fadenwürmer und Ivermectin-Hautpräparate für die Behandlung von Hauterkrankungen im Rahmen der Kupferakne zugelassen.

Im veterinärmedizinischen Bereich erstreckt sich die Zulassung auf die Anwendung gegen innere und äußere Parasiten bei einer Vielzahl von Tierarten.

Deutsche Wissenschafter kamen erst vor wenigen Wochen in einer Übersichtsarbeit (hier zum Nachlesen) zu dem Schluss, dass die Wirksamkeit des Parasitenmedikaments gegen Covid-19 nicht bewiesen ist.

Eine Laborstudie hatte im April 2020 gezeigt, dass Ivermectin in Zellkulturen die Vermehrung von SARS-CoV-2 hemmen kann. Allerdings lag die eingesetzte Dosis weit über jener, die für Menschen zugelassen ist, so die deutschen Wissenschafter.

Für ihre Übersichtsarbeit werteten die Forscher und Forscherinnen 14 randomisierte kontrollierte Studien aus, die den Einfluss einer Ivermectin-Behandlung auf Sterblichkeit und Schwere der Erkrankung oder die Länge des Krankenhausaufenthaltes oder eine vorbeugende Wirkung von Ivermectin untersuchen.

Verglichen mit Placebo oder einer Standardbehandlung zeigte das Wurmmittel weder bezüglich des Sterberisikos noch des klinischen Zustands einen Vorteil. Auch zu einer vorbeugenden Wirkung nach einem möglichen Kontakt mit dem Virus lassen sich keine Aussagen machen.

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