Auch am deutschen Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung wird an neuen Antikörper-Therapien gegen Covid-19 geforscht.

© APA/AFP/JENS SCHLUETER

Wissen Gesundheit
06/24/2021

Covid-19: Welche Fortschritte es bei den Therapien gibt

Covid-19: Nach den Impfstoffen wollen EU und USA die Forschung an Medikamenten intensivieren.

von Ernst Mauritz

US-Immunologe Anthony Fauci hat eine klare Vorstellung für die Zukunft: „Ich wache in der Früh auf, fühle mich nicht sehr gut, habe Halsschmerzen, Geruchs- und Geschmackssinn sind weg. Dann rufe ich meinen Arzt an und sage ihm, ich habe Covid und brauche ein Rezept.“

Ein hochwirksames Covid-19-Heilmittel: So weit ist es noch nicht. Das Institut für die Bewertung von Entwicklungen im Gesundheitsbereich (AIHTA) hat seit April 2020 35 Arzneimittel geprüft: „Einen echten Hoffnungsträger gibt es bislang noch nicht“. Doch das könnte sich bald ändern.

Neue Programme

Die USA wollen die Medikamentenentwicklung mit 3,2 Mrd US-Dollar fördern (bei den Impfstoffen waren es mehr als 18 Milliarden). Und die EU will demnächst aus zehn Medikamenten-Kandidaten die fünf vielversprechendsten ermitteln. Das AIHTA wird dann mit 80 Partnern in ganz Europa eine Frühbewertung durchführen. Ziel ist, dass bis Oktober 2021 die Zulassung von drei neuen Medikamenten erfolgt.

Viele kleine Fortschritte

„Es gab seit dem Auftreten von Covid-19 viele kleine Fortschritte in einzelnen Bereichen. In Summe ist die Behandlung deutlich besser geworden“, sagt Robert Krause, Leiter der Infektiologie der MedUni Graz. Dadurch sei auch das Risiko, an Covid-19 zu versterben, gesunken. Die beste Wirksamkeit erzielt derzeit eine Kombination von Cortison (Dexamethason) und einem Präparat gegen rheumatoide Arthritis (Tocilizumab).

Antikörper-Präparate

Die Europäische Arzneimittelagentur EMA prüft vier Präparate mit „monoklonalen Antikörpern“. Monoklonal heißt, dass die im Labor produzierten Antikörper auf eine einzige Zelle des Immunsystems zurückgehen, daher alle gleich sind und das Virus an fest definierten Stellen angreifen, erklärt Markus Zeitlinger, Leiter der klinischen Pharmakologie der MedUni Wien: „Von solchen Therapien könnten Patienten nur in einem frühen Krankheitsstadium profitieren.“ Sie müssen aber intravenös verabreicht werden, also in einem Spital oder einer Tagesklinik. „Bis die Patienten ins Spital kommen, ist die Erkrankung meist schon zu weit fortgeschritten“, sagt Krause. „Es ist eine interessante Therapie, aber nicht für die große Breite der Covid-Patienten.“

Antikörper-Spezialeinsatz

„Da eine Anwendung um die 3000 Euro kostet, wird man diese Präparate nicht jedem mit leichten Symptomen geben können, wenn er kein erhöhtes Risiko hat“, sagt Zeitlinger. Bei jenem Präparat, das im Vorjahr der damalige US-Präsident Trump erhalten hat, zeigte sich jetzt eine erhöhte Überlebenschance bei einer Untergruppe von schwer Kranken: Jenen, die selbst keine Antikörper produzieren können. „Diese Antikörperpräparate können also bei manchen, die z. B. keinen Impfschutz aufbauen oder gar nicht geimpft werden können, die Wirkung einer Impfung zu einem gewissen Grad ersetzen.“

Studien laufen auch in einem zweiten Bereich: Als Prophylaxe, wenn man möglicherweise einem Viruskontakt ausgesetzt war. Zeitlinger: Angenommen, Sie sind nicht geimpft oder können keinen Schutz aufbauen, und in Ihrem nächsten Umfeld hat jemand Covid-19. Dann könnten Sie vorbeugend solche Antikörper erhalten, damit Sie sich gar nicht erst anstecken."

Plasma von Genesenen

Krause verweist aber auch auf gute Ergebnisse mit dem Blutplasma von Genesenen: „In einer argentinischen Studie waren sie mit jenen von Antikörper-Therapien vergleichbar.“ Auch in Graz habe man bei Intensivpatienten gute Erfahrungen damit gemacht und einen Überlebensvorteil bei Patienten auf der Intensivstation gesehen.

Andere Wirkstoffe

Umstritten bleibt der frühe Einsatz des Asthma-Sprays Budesonid. Laut AIHTA reicht die Datenlage nicht aus, um eine positive Wirkung verlässlich nachzuweisen. Auch die Fachgesellschaft der Lungenärzte hält weitere Daten für notwendig. Andere Ärzte sehen kein Problem eines Einsatzes bei ersten Symptomen und würden es auch selbst anwenden.

Die Uni Oxford wiederum testet jetzt das Anti-Wurmmittel Ivermectin, das teilweise im Internet als Wundermittel propagiert wird: „Wirklich überzeugende Daten gibt es nicht“, betont Krause. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA warnt vor Eigenanwendung. Um möglicherweise eine Wirkung gegen  SARS-CoV-2 in der Lunge zu erzielen, wären deutlich höhere Dosen notwendig als für die Wurmbehandlung zugelassen sind. "Ivermectin ist noch von keiner Fachgesellschaft als wirksame Therapie eingestuft worden. Es sollte nur im Rahmen von Studien eingesetzt werden - und sonst nicht."

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