© APA/AFP/OMAR HAJ KADOUR

Wissen Gesundheit
11/04/2021

Warum Antikörpertests kein guter Indikator sind

Viele lassen derzeit ihre Antikörperwerte überprüfen. Die Aussagekraft der Tests ist aber derzeit noch unklar, sagen Experten.

von Ingrid Teufl

„Vor dem dritten Stich lass’ ich meine Antikörper anschauen. Wenn sie hoch sind, warte ich mit der Booster-Impfung.“ Immer öfter hört man in den vergangenen Wochen Sätze wie diese. Experten warnen allerdings davor, die dritte Impfung hinauszuschieben, weil man sich aufgrund solcher Tests in Sicherheit wiegt. Die wesentlichen Punkte:

„Der dritte Stich liefert einen besseren Schutz als eine Zahl an Antikörpern“, betont  Helmuth Haslacher vom klinischen Institut für Labormedizin, MedUni Wien. Nach derzeitigem Wissensstand zähle die dritte Impfung nämlich noch zur Grundimmunisierung. „Unabhängig von der Zahl der Antikörper ist die Impfung eine Erinnerung für das Immunsystem.“   Dieser  Effekt sei „nichts Neues, wir kennen das bereits von anderen Impfungen“: Zwei Stiche erfolgen in kurzem Abstand, die dritte erst etwas später. „Auch bei SARS-CoV-2 für eine nachhaltige Immunität zumindest eine dritte Impfung notwendig sein.“

Aussagekraft unklar

Was in diesem Zusammenhang weiters gegen eine Bestimmung der Antikörper spricht: Ihre Aussagekraft ist derzeit unklar. „Wir wissen noch nicht, ab welchem gemessenen Wert diese ausreichen, um möglichst sicher vor einer Infektion geschützt zu sein, oder ob es einen solchen Wert überhaupt gibt.“
 Hier habe man auch im zweiten Jahr der Pandemie noch zu wenige Erfahrungen. „Es gibt derzeit keine wirklichen Grenzwerte.“ Auch bei Personen mit hohen Antikörperwerten kann es zu Impfdurchbrüchen kommen.

Mit höheren Antikörperspiegeln steigt jedoch auch die Wahrscheinlichkeit, dass sogenannte neutralisierende Antikörper vorhanden sind, die die Virusvermehrung hemmen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO definierte einen standardisierten Antikörperwert von 100 BAU/ml („Binding Antibody Units“ – engl. für Antikörper-Bindungseinheiten pro Milliliter Blut, Anm.). Sie zeigen an, ob sich neutralisierende Antikörper an das charakteristische Spike-Protein des Virus binden und damit dessen Eintritt in die menschliche Zelle verhindern. Bei etwa 100 BAU/ml ist zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Schutz gegeben, heißt es derzeit.

Unterschiede

Allerdings können die Antikörperwerte von Labor zu Labor zum Teil sehr stark variieren, da unterschiedliche Testsysteme verwendet werden. „Sie unterscheiden sich darin, wie sie aufgebaut sind und was genau gemessen wird“, sagt Haslacher. Das betreffe etwa die verwendete serologisch-immunologische Technologie oder wie das Spike-Protein, das für die Tests nachgebaut wird, hergestellt und welcher Teil davon im Test eingesetzt wird.

Antikörpertests machen für den Labormediziner nur dann Sinn, „wenn man ihn treffsicher interpretieren kann“. Und: Derzeit wisse man noch gar nicht, wie relevant der Antikörperspiegel in Zukunft sein werde.  Zur Zeit machen Antikörpertests nur bei einer recht kleinen Personengruppe Sinn. „Etwa wenn der Verdacht besteht, dass jemand gar nicht auf die Impfung angesprochen hat, etwa bei einer Behandlung mit immunsupprimierenden Medikamenten.“ingrid teufl

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.