Eine der ersten Covid-19-Schutzimpfungen in Österreich am 27.12.2020.

© APA/AFP/POOL/HANS PUNZ

Wissen Gesundheit
08/11/2021

Ist Antikörpertest vor dem dritten Stich sinnvoll?

Start mit Menschen in Alters- und Pflegeheimen. Welche Impfstoffe zum Einsatz kommen und wie der Zeitplan aussieht.

von Ernst Mauritz

Eine Premiere werden die von Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein angekündigten Drittimpfungen ab 17. 10. nicht sein: Schon jetzt sind in bestimmten Fällen solche Drittimpfungen möglich. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Auffrischungsimpfungen.

Wieso spricht Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein jetzt ausgerechnet vom 17. Oktober als offiziellen Starttermin?

Am Sonntag, 27.12.2020, haben die ersten Menschen in Österreich ihre erste Teilimpfung gegen das neue Coronavirus erhalten. Drei Wochen später dann, am 17. Jänner, die zweite Teilimpfung. Nach den bisher vorliegenden Studiendaten geht man davon aus, dass der Impfschutz mindestens neun Monate anhält - so ergibt sich der 17. Oktober als erster offizieller Tag für die Auffrischungsimpfungen. In den Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums heißt es, dass aufgrund der vorliegenden Daten und der Erfahrungswerte in Zusammenhang mit der Entwicklung der Immunantwort auf die Covid-19-Impfstoffe "eine Schutzdauer von mindestens 9 Monaten ab der 2. Dosis bzw. im Falle des Impfstoffes von Janssen bis 9 Monaten nach der Einzeldosis angenommen werden" kann.

Aber es gibt auch jetzt schon Personen, die eine dritte Dosis erhalten haben?

Schon jetzt können Hochrisikopatienten (z. B. Patienten mit einem transplantierten Organ, oder etwa bestimmte onkologische oder hämatologische Patienten, bei denen nicht sicher ist, ob sie auf eine Impfung ansprechen) eine dritte Dosis erhalten, wenn frühestens vier Wochen nach der zweiten Dosis keine neutralisierenden Antikörper nachweisbar sind.

Wäre es nicht generell sinnvoll, dass jede / jeder einen Antikörpertest macht, ehe er sich impfen lässt?

Nein, heißt es in den Empfehlungen des Nationalen Impfgremiums. Eine Antikörperbestimmung solle nicht als Entscheidungsgrundlage für eine Covid-19-Impfung durchgeführt werden. Denn es gebe keinen verlässlichen Zusammenhang zwischen einer bestimmten Antikörpermenge und einem ausreichenden Immunschutz: "Die Qualität der Immunantwort ist nicht eindeutig übre die Quantität der neutralisierenden Antikörper definierbar." Anders sei dies wenn es um die Frage geht, ob überhaupt Antikörper vorhanden sind - oder nicht.

Wer sind dann die Personen, die ab 17. Oktober ihre dritte Impfung erhalten?

"Zuerst werden die sehr vulnerablen Personen, etwa in den Alters- und Pflegeheimen und generell die Hochbetagten und Hochrisikopatienten, aufgefrischt", heißt es im Gesundheitsministerium. Ob bereits im Oktober auch das erste Gesundheitspersonal eine dritte Impfung benötige, werde sich in den kommenden Wochen zeigen: "Hier warten wir auf weitere Studiendaten."

Konkret geht es darum herauszufinden, ob auch bei jüngeren gesunden Menschen die Antikörperspiegel und die Antwort der Abwehrzellen (T-Zellen) mit der Zeit deutlich zurückgehen - so, wie man das bei Senioren im Alter von rund 80 Jahren bereits gesehen hat. "Hier warten wir auf wissenschaftliche Daten, die in den kommenden Wochen publiziert werden." Sollte es Anzeichen für eine verminderte Reaktion des Immunsystems geben, wird aber auch das Gesundheitspersonal bereits ab 17. Oktober mit einer dritten Impfung aufgefrischt.

In Vorarlberg hingegen ist bereits die Entscheidung gefallen, dass ab Oktober/November den etwa 20.000 bis 30.000 Personen im Spital- und Gesundheitsbereich die Möglichkeit einer kostenlosen Booster-Impfung angeboten werden soll.

Und wie ist das bei gesunden Personen, die jetzt z.B. im Juni oder Juli ihre zweite Impfung erhalten haben? Können die auch automatisch nach neun Monaten die dritte Impfung erhalten?

Auch bei diesen ist noch nicht fix, dass sie exakt neun Monate nach der zweiten Impfung die dritte erhalten werden. Auch das wird von den Ergebnissen weiterer Studien abhängen.

Könnte es auch sein, dass diese neunmonatige Frist zwischen zweiter und dritter Impfung auch verkürzt wird?

"Auch das ist nicht auszuschließen", heißt es im Gesundheitsministerium. Das wäre dann der Fall, wenn neue Daten publiziert würden, die einen rascheren Rückgang des Immunschutzes anzeigen oder neue Varianten auftreten, gegen die der Impfschutz rasch verstärkt werden müsste.

Und mit welchem Impfstoff wird aufgefrischt werden?

Hauptsächlich mit mRNA-Impfstoffen, und da vor allem mit jenem von Biontech/Pfizer. Die Impfstoff-Lieferungen von Astra Zeneca sind im Auslaufen. Wer also zwei Mal mit Astra Zeneca geimpft wurde kann davon ausgehen, dass er als dritte Impfung einen mRNA-Impfstoff erhalten wird.

Eine neue Studie hat gezeigt, dass Mischimpfungen die Immunantwort verbessern. Wie sieht das bei den Auffrischungsimpfungen aus?

Eine dritte Impfung mit dem Impfstoff Comirnaty von Biontech/Pfizer sei für Personen, bei denen die ersten beiden Immunisierungen mit Vakzevria von Astra Zeneca durchgeführt wurden, "absolut zu empfehlen", sagt die Virologin Dorothee von Laer, Leiterin des Instituts für Virologie an der MedUni Innsbruck. Für die umgekehrte Situation (zuerst mRNA-, dann Vektorimpfstoff) gebe es leider noch keine Daten.

Und wie sieht es bei drei mRNA-Impfungen aus?

Laut ersten Firmendaten von Biontech/Pfizer und Moderna ist auch eine dritte mRNA-Impfung sehr effektiv. So soll die dritte Comirnaty-Impfung die Antikörpertiter bei 18- bis 55-Jährigen im Schnitt mehr als verfünffacht haben, bei den 65- bis 85-Jährigen sogar fast verzwölffacht. Dabei handelt es sich aber um noch nicht in Fachjournalen veröffentlichte erste Firmenangaben.

Gibt es bereits firmenunabhängige Daten zur Wirksamkeit einer dritten Impfung?

Aus Israel, wo bereits eine halbe Million Menschen über 60 eine dritte Impfung erhalten hat, gibt es mittlerweile erste Hinweise auf deutlich weniger Infektionen nach dem dritten Stich. Noch ist dieser Trend aber nicht eindeutig belegt.

Hat Gesundheitsminister Mückstein mit seiner Ankündigung alle Fragen der Länder beantwortet?

Offenbar nicht. So fordert die Vorarlberger Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher von Seiten des Bundes rasche Klarheit über die weitere Vorgangsweise. Außer dem Interview von Bundesminister Mückstein seien bis dato noch keine neuen Infos eingelangt, wie die Übergangsregelung aussehen wird bzw. welche Impfstoffen zum Einsatz kommen. "Wir erwarten vom Bund rasch genauere Informationen über Booster-Impfstoffe und Übergangsfristen, um den Menschen größtmögliche Sicherheit zu geben", so die Landesrätin.

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