A person walks in Westminster as the number of coronavirus cases grow around the world

Eine Aufnahme einer Fußgängerin in Westminster, Großbritannien.

© REUTERS / HANNAH MCKAY

Wissen Gesundheit
03/18/2020

Viraler Fußabdruck: "Verhalte dich, als ob du infiziert wärst"

Warum sich Risikogruppen drastisch einschränken müssen und welche goldene Regel jetzt im Alltag gelten sollte.

von Marlene Patsalidis

#ActLikeYouAreInfected – zu Deutsch: "Verhalte dich, als ob du infiziert wärst": Unter diesem Hashtag richten Expertinnen und Experten aus aller Welt im Netz ihren energischen Appell an die Bevölkerung, nur in den dringendsten Fällen nach draußen zu gehen.

In Österreich halten sich viele, aber längst nicht alle daran. Besonders problematisch: Auch etliche ältere Menschen, für die eine Ansteckung mit dem Coronavirus lebensgefährlich verlaufen kann, sind nach wie vor auf den Straßen unterwegs. "Risikogruppen, zu denen nicht nur Menschen ab 60, sondern auch chronisch kranke Personen zählen, müssen sich zum eigenen Schutz in ihrem Bewegungsradius drastisch einschränken", mahnt John Haas, Gründer der Info-Plattform COVID19 MONITOR Österreich. Dort werden täglich Verlaufsstatistiken zu Ausbreitungszahlen wissenschaftlich fundiert und übersichtlich dargestellt.

Um das Coronavirus, das um ein Vielfaches ansteckender als die saisonale Grippe und derzeit noch mit keinem Medikament behandelbar ist, auszuhungern, brauche es aber das kollektive Bemühen: "Wir sind alle gefordert. Egal ob man jung oder alt, krank oder gesund ist."

Virus vs. Menschen

Haas, der an der FH Wieselburg Psychologie, Data-Mining und Zukunftsforschung lehrt, erklärt auch, warum: "Im Prinzip arbeiten während dieser Pandemie zwei Biosysteme gegeneinander: Die Viren auf der einen und die Menschen auf der anderen Seite." Das Virus wolle seinerseits die Anzahl der Menschen, die es befallen kann, maximieren. "Wir als Menschen müssen dem entgegenwirken und den Erregern durch unser eingeschränktes Verhalten radikal den Lebensraum nehmen."

Fakt ist: Das Virus liebt Menschenansammlungen – und auch jeden singulären Mensch-zu-Mensch-Kontakt. "Jeder von uns scheidet Viren aus und empfängt sie potenziell", sagt Haas. Unser "viraler Footprint", wie der Experte das individuelle Ansteckungspotenzial benennt, wächst damit proportional zum Bewegungsradius. "Nur, wenn wir diesen gesamtgesellschaftlich minimieren, können wir die Ansteckungsrate eindämmen."

Neue goldene Regel

Nicht nur das Schlagwort #ActLikeYouAreInfected zieht weite Kreise. Auch eine spontane Idee aus dem Wiener Wilhelminenspital geht in den sozialen Medien um die Welt. Zwei Krankenschwestern wandten sich am Montag im Netz an die Öffentlichkeit: "Wir bleiben für euch da! Bleibt ihr bitte für uns daheim", war auf dem Schild von Jenifer Damith und Jessica Wallner zu lesen. Andere Ärzte und Pfleger ziehen mit. Etwa die Belegschaft des Kepler Uniklinikums in Linz.

#ActLikeYouAreInfected sollte laut Haas zur "neuen goldenen Regel des täglichen Lebens" werden: "Diese Verhaltensmaßnahme ist griffig und nachvollziehbar und bestens geeignet, um einer breiten Masse kommuniziert zu werden." Angesichts der Lage sei das Handeln – oder vielmehr das Nicht-Handeln – des Einzelnen für das Wohlergehen der Gesellschaft entscheidender denn je. "Es kann unser kollektives Schicksal in dieser Krise beeinflussen. Dessen sollten wir uns bewusst sein."

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