Ein langsames Einstiegstempo ist für Neo-Läufer wichtig, um motiviert und verletzungsfrei zu bleiben.

© Getty Images/iStockphoto/bfk92/iStockphoto

Wissen Gesundheit
03/07/2020

Trend-Treter: Warum jetzt Algen im Laufschuh landen

Die neue Generation der Laufschuhe ist gut gepolstert, nachhaltig und digital. Wieso man Innovation nicht blind vertrauen und worauf man beim Kauf achten sollte.

von Marlene Patsalidis

Der Frühling steht in den Startlöchern. Viele Hobbyläufer haben nach den nasskalten Wintermonaten wieder Lust, die Beine zu bewegen. Für die Extraportion Motivation lohnt es sich, in neue Laufschuhe zu investieren. Das Angebot ist riesig, beim Design der perfekten Treter überlassen Hersteller längst nichts mehr dem Zufall.

Aktuell angesagt: Modelle mit Rebound-Effekt – Schuhe, die "zurückstoßen". "Das Thema Rebound ist zweifelsfrei der größte Trend im Laufschuhsegment", sagt Experte Stephan Tran von Tony's Laufshop. Möglich macht das eine Kombination aus in der Sohle verarbeiteten, verstärkenden Platten, etwa aus Kunststoff oder Carbonfaser, und einer entsprechenden Schäumung des Schuhs. "Die Platte befindet sich in der Mittelsohle, dem Herzstück jedes Laufschuhs. Für das Dämpfungsmaterial verwendet jeder Produzent eine individuelle Mischung."

Beim Laufen fungieren die Schuhe wie eine Sprungfeder: "Die Energie, die beim Auftreten in die Platte und das umliegende Material eingebracht wird, wird zurückgegeben. Es kommt zu weniger Kraftverlust."

Schaumschaden

Diese maximal gepolsterten Schuhtypen, wie sie etwa Nike mit dem "ZoomX Vaporfly Next%" kürzlich kreiert hat, sind nicht für jeden ideal. Menschen mit orthopädischen Fehlstellungen oder schwächeren muskulären Voraussetzungen könnten Schäden an Bändern, Gelenken oder der Achillessehne davontragen. Diverse US-Studien zeigen außerdem, dass Rebound-Schuhe Einwärtsdrehen und härteres Aufkommen begünstigen. Weil sie aufgrund der vielen Schaumlagen eine gewisse Höhe haben, wird der Tritt instabil.

Der Hype ums ultra-gefederte Laufvergnügen steht im Kontrast zum minimalistischen Barfuß-Trend, der die Branche in den vergangenen Jahren beherrscht hat. "Mittlerweile gibt es Kritik daran, denn sowohl Schuhe als auch der Asphalt, auf dem mit diesen gelaufen wird, sind per se ja nichts Natürliches", sagt Tran. Barfuß-Schuhe seien nur zu empfehlen, wenn man damit auf weichen Untergründen läuft, etwa Sand, Wiesen oder Waldboden. "Beim Laufen wirkt das zwei- bis vierfache Körpergewicht auf Schuh und Fuß. Wenn man nicht über die notwendige Stabilität und Kraft verfügt und zudem auf hartem Untergrund unterwegs ist, kann es schnell zu Verletzungen kommen."

Bananenöl und Algenschaum

Was aus der Modewelt nicht mehr wegzudenken ist, hat auch das Laufschuh-Segment erreicht. Die Rede ist von Nachhaltigkeit. Die französische Sneakermarke Veja brachte kürzlich ihren ersten umweltfreundlichen Laufschuh heraus: In dem Modell namens "Condor" werden Reisabfälle, Bananenöl und Zuckerrohr verarbeitet. Mehr als die Hälfte besteht aus Recycling-Materialien und natürlichen Rohstoffen. Der schwedische Hersteller Icebug stellt die Mittelsohle des neuen "Outrun RB9X" aus Algenschaum her. "Nachhaltigkeit wird uns definitiv in den kommenden Jahren verstärkt begleiten und auch jetzt schon immer öfter von Kundinnen und Kunden nachgefragt", weiß Tran. Neben Veja und Icebug hat die deutsche Marke Lunge regional produzierte Laufschuhe im Sortiment, US-Hersteller Brooks setzt auf vegane Modelle.

Auch Hightech ist gefragt: Im "Hovr Infinite" von Under Armour ist ein Chip in der Sohle verbaut, der Daten an eine App sendet. Das hilft bei der Analyse und Optimierung des Laufstils. Ein guter Grundgedanke, findet Tran, "man sollte sich aber nicht von der Technik versklaven lassen“".

An das Obermaterial werden heutzutage hohe Ansprüche gestellt. Elastisch, ideal angepasst und atmungsaktiv sollte es sein. Letzteres nicht zuletzt deshalb, weil viele Kundinnen und Kunden die Modelle für den alltäglichen Gebrauch zweckentfremden. "Vor einigen Jahren wurden Lederimitate als Verstärkung des Gewebes verwendet. Heute ist Obermaterial aus Mesh, Polyester oder Nylon Standard. Was sich geändert hat ist, dass es sich immer unauffälliger anfühlt, fast wie Socken. Damit man keinen Schuh mehr spürt und den Effekt von natürlichem Laufen erzielt."

Am Ende zählt – losgelöst von jeglichen Trends – vor allem der Tragekomfort. "Bei einer guten Laufanalyse liegt der Fokus immer auf der Länge und Breite des Schuhs. Der Fuß darf nicht eingedrückt werden, muss schön über der Sohle stehen, Spielraum haben und darf weder nach innen noch nach außen knicken", sagt Tran. Und der Schuh sollte sich gut anfühlen: "Trends kommen und gehen, was bleibt ist das eigene Körpergefühl."

Wer sich im Winter mehr dem Einigeln denn der Bewegung verschrieben hat, könnte den Start in die Laufsaison zu übermütig angehen. "Die meisten wollen gleich zu viel oder setzen nach langer Laufpause dort an, wo sie mit dem Training aufgehört haben", weiß Sportmediziner Robert Fritz von der Wiener Sportordination.

Ist man physisch außer Form, rät er, den Körper mit Spaziergängen oder Radtouren einzustimmen. Ansonsten gilt es, regelmäßig (zwei bis drei Mal pro Woche, insgesamt mindestens 150 Minuten) lockere Läufe zu absolvieren. "Anfangs am besten so langsam, dass man sich mit dem Trainingspartner unterhalten kann." Damit auf Lauflust nicht prompt Frust folgt, bieten sich Lauftermine mit Trainingspartnern an. Auch Lauftreffs helfen, dranzubleiben. Um den Körper an die Trainingsroutine zu gewöhnen, sollten nicht alle Läufe auf das Wochenende verlegt werden. "So passt sich der Körper am schnellsten an die sportlichen Ambitionen an."

Das Lauftraining mit Kraftsport zu ergänzen, ist ebenfalls sinnvoll. "Ausdauersport verbessert die Muskelökonomie. Das bringt aber wenig, wenn keine Muskelmasse da ist.“ Letztere stabilisiert die Gelenke, "das beugt Knieschmerzen vor".

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.