Newborn baby first days of life in delivery room.

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Wissen Gesundheit
07/08/2021

Wie sich die Pandemie auf die Geburt unserer Kinder auswirkt

Die Pandemie hat Einfluss darauf, wie Frauen entbinden. Sie wollen schneller wieder nach Hause – ambulante Geburten, bei denen sie innerhalb von 24 Stunden das Spital verlassen, haben zugenommen.

von Elisabeth Gerstendorfer

Frauen, die ein Baby erwarten, beschäftigen meist viele Fragen: Wird mein Kind gesund sein? Wie wird die Geburt verlaufen? Während der Pandemie sind einige Sorgen dazugekommen, sagt Beate Kayer vom Österreichischen Hebammengremium.

Dazu zählen etwa die Angst vor einer Covid-19-Infektion, vor der Situation im Krankenhaus, die Frage, ob der Partner bei der Geburt dabei sein kann. „Die Schwangeren sind meist extrem vorsichtig. Zu den Beratungen kommen eigentlich alle mit FFP2-Maske, obwohl sie nicht müssten, sie schränken ihre Kontakte ein und meiden Situationen, die nicht unbedingt notwendig sind. Die Angst ist bei vielen groß, dass das Virus die Geburt oder das Kind beeinflusst.“

Viele Frauen sehen daher auch die Maßnahmen in den Spitälern sehr positiv und stellen sie nicht infrage, meint Kayer. Bisherige Studien beruhigen meist: Ein Großteil der Frauen, die sich in der Schwangerschaft mit SARS-CoV-2 infizierten, hatte einen symptomlosen Verlauf oder milde Symptome. Und: Das Baby blieb meist von einem schweren Krankheitsverlauf verschont.

Schneller wieder heim

Dennoch hat die Pandemie großen Einfluss auf Geburten sowie die Zeit davor und danach. Laut Hebamme Kayer hat die Nachfrage nach Hausgeburten sowie ambulanten Geburten, bei denen Frauen maximal 24 Stunden nach der Geburt im Krankenhaus bleiben, zugenommen.

Während es bei den Hausgeburten überwiegend beim reinen Erkundigen blieb, sind ambulante Geburten tatsächlich angestiegen. Im Wiener St. Josef Krankenhaus, jene Geburtsklinik, in der 2020 die meisten Babys in Österreich geboren wurden, konnte ein Anstieg um vier Prozentpunkte beobachtet werden. Auch die Zahl der Tage, die Frauen nach der Geburt im Krankenhaus bleiben, ist gesunken. Von April 2019 bis Dezember 2019 blieben Frauen im Schnitt 3,2 Tage mit dem Baby im St. Josef Krankenhaus, ein Jahr später zwischen April 2020 und Dezember 2020 waren es durchschnittlich 2,9 Tage. Diese Beobachtung machten Hebammen auch in anderen Spitälern.

„Das kommt teilweise von den Frauen selbst, etwa weil der Partner und ältere Kinder nicht zu Besuch kommen können. Teilweise fördern auch die Krankenhäuser, dass Frauen früher entlassen werden. Wichtig ist die Nachbetreuung durch die Hebamme zu Hause – die Nachfrage danach ist massiv gestiegen“, erzählt Kayer.

3-G gilt auch für Geburt

Dass Partner bei der Geburt dabei sein können, wird mittlerweile in fast allen Krankenhäusern ermöglicht. „Wir haben es geschafft, dass wir trotz der Auflagen auch zu Beginn der Pandemie Partner zulassen konnten. Das war nicht überall möglich. Heute müssen sie nach Möglichkeit ein Kriterium der 3-G-Regel erfüllen, auch die Frauen werden bei der Aufnahme getestet, ebenso wie bei ihrem stationären Aufenthalt nach der Geburt“, sagt Andreas Brandstetter, Leiter der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe im St. Josef Krankenhaus.

Im ersten Lockdown, als erschreckende Bilder aus Italien in den Medien zu sehen waren, habe es bei Frauen und Personal noch große Ängste gegeben. Um ein Cluster abfangen zu können, wurde im St. Josef Krankenhaus das Ärzteteam geteilt.

„Es war uns aber wichtig, zu vermitteln, dass alles wie gewohnt abläuft. Jetzt habe ich das Gefühl, dass wir durch die ausgedehnte Teststrategie eine gewisse Sicherheit haben“, berichtet Brandstetter. Nur vereinzelt wurde das Virus bisher bei Schwangeren im St. Josef Krankenhaus nachgewiesen. Sie wurden in andere Krankenhäuser verlegt, wo sie unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen entbinden konnten.

Die 123 Hausgeburtshebammen Österreichs erleben seit dem ersten Lockdown eine starke Nachfrage.  Tatsächlich   entscheiden sich  aber nur wenige Frauen für eine Hausgeburt. Ihr Anteil ist im Jahr 2020 mit 1,4 Prozent  auf  ähnlichem Niveau wie die Jahre zuvor. „Es ist das Selbstbestimmungsrecht der Frau,  den Geburtsort wählen zu können.

Es gibt aber Gründe, die gegen eine Hausgeburt sprechen“, betont Kayer. Das sind etwa Risikofaktoren wie erhöhter Blutdruck, Herz-Kreislauferkrankungen oder auch die Lage des Kindes. „Aus meiner Sicht als Spitalsarzt bleibt bei Hausgeburten ein Restrisiko. In einer Akutsituation geht wertvolle Zeit verloren, in der die Frau erst in ein Spital gebracht werden muss“, betont Gynäkologe Andreas Brandstetter. Ein Mittelweg sind Hebammengeburten, die zwar im Spital stattfinden, aber ausschließlich von Hebammen geleitet werden.

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