Impfung auch für Schwangere

© APA/AFP/JACK GUEZ

Wissen Gesundheit
03/18/2021

Sollen sich Schwangere für einen Impftermin melden?

Ein Land impft bereits in der Schwangerschaft. So ist die Regelung in Österreich.

von Elisabeth Gerstendorfer

Die gute Nachricht zuerst: Ein Großteil der Frauen, die sich mit SARS-CoV-2 in der Schwangerschaft infizieren, hat einen symptomlosen Verlauf oder milde Symptome. Und: Das Baby bleibt meist von einem schweren Krankheitsverlauf verschont. Proben aus Plazenta, Nabelschnur und Blut infizierter Mütter und von Säuglingen zeigen, dass das Virus nur selten von der Mutter auf das ungeborene Kind übertragen wird.

Laut einer Stellungnahme der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (ÖGGG) häufen sich jedoch die Daten, dass Schwangere, bei denen es zu einem schweren Verlauf kommt, ein höheres Risiko für Krankenhausaufenthalte und schwere Erkrankungen haben als Frauen gleichen Alters, die nicht schwanger sind. „Ein schwerer Erkrankungsverlauf mit Lungenentzündung, stationärer sowie intensivmedizinischer Betreuung war im Durchschnitt bei etwa 15 Prozent der erkrankten Schwangeren notwendig. Zum Vergleich: Nicht-schwangere Frauen mit COVID-19-Erkrankung zeigten lediglich in ca. 6 Prozent einen schweren Verlauf mit stationärer Betreuung“, sagt Univ.-Prof. Herbert Kiss, Gynäkologe an der MedUni Wien und Autor der Stellungnahme. Bei infizierten Schwangeren besteht zudem ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt.

Daten fehlen

Anders als bei anderen Risikogruppen ist es mit einer Impfung für Schwangere aber nicht so einfach. Keiner der Hersteller, der bisher einen Impfstoff auf den Markt gebracht hat, kann Daten zu Schwangeren vorweisen. „Zum jetzigen Zeitpunkt kann noch keine definitive Aussage über die Sicherheit der Impfung während der Schwangerschaft getroffen werden. Es wurden in den klinischen Studien bewusst keine schwangeren Frauen eingeschlossen, jedoch waren unter den Teilnehmerinnen vereinzelt Frauen, die unwissentlich schwanger waren und hier gibt es derzeit keine bekannten negativen Auswirkungen“, erklärt Kiss. Sollte eine Impfung bei nicht bekannter Schwangerschaft verabreicht worden sein, sei das daher kein Grund für einen Abbruch. Bisherige Untersuchungen zeigen, dass keine schädlichen Wirkungen für Mutter und Kind zu erwarten sind.

Keine Empfehlung für Impfung

Während von Lebendimpfstoffen in der Schwangerschaft abgeraten wird, enthalten die mRNA- keine eigentlichen Viruspartikel bzw. lebendes Virus, die zu Komplikationen führen könnten. Hauptproblem sind aber die fehlenden Daten. Auch die WHO will deshalb keine allgemeine Empfehlung abgeben. Im Jänner veröffentlichte sie zwar, dass die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna Schwangeren mit dem höchsten Risiko (z.B. schwere Atemwegserkrankungen) angeboten werden könnten, betonte aber gleichzeitig, dass mehr Studien nötig seien. Die Verabreichung sollte in Betracht gezogen werden, wenn der potenzielle Nutzen alle Risiken für Mutter und Kind überwiegt.

Studie gibt Hoffnung

Erste Hinweise liefert eine neue israelische Studie, die zeigt, dass schwangere Frauen, die gegen COVID-19 geimpft wurden, den Impfschutz an ihr Baby weitergeben. Untersucht wurden 20 Frauen, die beide Dosen des Pfizer/Biontech-Impfstoffs während ihres dritten Schwangerschaftsdrittels erhalten haben. Die Zahl der untersuchten Frauen ist sehr klein und die Studie noch nicht wissenschaftlich begutachtet. Sie zeigt aber, dass die Impfung schwangerer Frauen einen Schutz für Mutter und Kind bieten kann.

Die Forscher des Hadassah-University Medical Center in Jerusalem konnten nach der Geburt bei den Babys Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachweisen. Der nächste Schritt sei, festzustellen, wie lange die Antikörper bei den Babys anhalten, heißt es in der Studie.

Pfizer und Biontech starteten im Februar mit einer Studie mit 4000 Freiwilligen, um die Sicherheit und Wirksamkeit ihres Impfstoffs bei gesunden schwangeren Frauen ab 18 Jahren zu bewerten. Ein Teil der Frauen erhält zwischen der 24.und 34. Schwangerschaftswoche den tatsächlichen Impfstoff, ein Teil eine Placebo-Impfung. Nach der Geburt sollen die Babys für sechs Monate beobachtet werden. Bis dazu Ergebnisse veröffentlicht werden, wird es aber noch dauern.

Israel impft bereits Schwangere

Der Verband israelischer Frauenärzte hat bereits eine Empfehlung zur Impfung schwangerer und stillender Frauen gegen Covid-19 veröffentlicht. Vom österreichischen Gesundheitsministerium gibt es derzeit aufgrund der fehlenden Daten keine Empfehlung.

Umso wichtiger sei ein indirekter Schutz durch eine möglichst hohe Durchimpfungsrate der Bevölkerung, speziell von Personen, die direkt mit Schwangeren zu tun haben, privat aber auch in der medizinischen Betreuung, meint Kiss. Frauen, die derzeit eine Schwangerschaft planen, können sich, sofern sie einen Termin bekommen, impfen lassen. Die ÖGGG empfiehlt jedoch die zweite Dosis ca. ein Monat vor dem Ende der Verhütung zu verabreichen. Einen Hinweis, dass die derzeit auf dem Markt befindlichen Impfstoffe Einfluss auf das Erbgut und die Fertilität hätten, gibt es derzeit nicht.

Impfung in der Stillzeit?

Erste Hinweise zeigen, dass der Impfschutz über die Muttermilch an das Baby übertragen werden kann. "Diese vorläufigen Daten wurden noch nicht wissenschaftlich begutachtet, zeigen aber den Nachweis von spezifischen Antikörpern gegen SARS-CoV2 bei stillenden Müttern in der Muttermilch. Die Impfung wird von den internationalen Fachgesellschaften während der Stillzeit empfohlen – so auch in Österreich", sagt Kiss. Dies gilt für die beiden mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer sowie Moderna. Bezüglich des Vektorimpfstoffes von Astra Zeneca ist es derzeit noch nicht bekannt, ob der Impfstoff in die Muttermilch übergeht. Ebenso verhält es sich mit dem COVID-19 Impfstoff von Janssen.

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